• 22.03.2010, 20:01:25
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"Kleine Zeitung" Kommentar: "Straches Bäume wachsen nicht in den Himmel" (Von Claus Albertani)

Ausgabe vom 23.03.2010

Graz (OTS) - Der Befund der blauen Wiener Parteizentrale ist
unzweideutig: "Das landesweite Ergebnis der FPÖ bei den steirischen
Gemeinderatswahlen ist für uns enttäuschend. Die Erwartungen konnten
nicht erfüllt werden."

Das ist in doppelter Hinsicht richtig: Das Ergebnis ist schwach, ein
Plus von 4502 Stimmen gegenüber dem Katastrophenergebnis von 2005 ist
so gut wie nichts. Damals saß die FPÖ noch in der schwarz-blauen
Bundesregierung, die extremen parteiinternen Spannungen führten wenig
später zur Abspaltung des BZÖ.

Auch der zweite Kritikpunkt der Bundeszentrale trifft zu, wonach die
Erwartungen nicht erfüllt wurden - vor allem die Erwartungen der
Bundespartei. Hier wiederum ist die Steiermark kein Einzelfall, die
Zuwächse bei Gemeinderatswahlen zuletzt in Vorarlberg, Tirol,
Niederösterreich und Salzburg waren sehr bescheiden.

Der Aufwärtstrend der FPÖ unter dem Chef Heinz-Christian Strache, der
nach dem Ausscheiden der FPÖ aus der Bundesregierung ab 2006
eingesetzt hatte und Zuwächse von fünf bis zu zwölf Prozent bei
Landtags- und Nationalratswahlen brachte, ist gebrochen.

Die These, dass Strache zwar auch ein großer Populist, aber eben kein
Jörg Haider ist, ist unzweifelhaft richtig. Aber sie greift zu kurz.
Haider, der sich des nationalen Flügels immer bediente, legte seine
Ziele viel breiter an: Den unzufriedenen Teil der äußerst
konservativen roten Arbeiterschaft deckte er mit quasi linken Themen
instinktsicher genauso ab, wie beträchtliche Teile des bürgerlichen
Wählerspektrums mit Appellen an die braven und anständigen
Österreicher.

Unter Strache hat sich diese personelle und inhaltliche Breite
deutlich verengt. In weiten Teilen seines Parteikaders - auch in der
Steiermark - haben die rechten Burschenschafter das Ruder übernommen.
Sie garantieren Disziplin und Organisation, ein zweites BZÖ ist
unmöglich. Aber sie besetzen nur sektoral die richtigen Themen, etwa
in krisengebeutelten Industriezentren. An den Stammtischen in
ländlichen Gebieten finden die sich klassenkämpferisch gebenden
Akademiker schon weniger Gehör.

Ein lauter Strache in Wien ist zu leise für das ganze Land. Dazu
kommt sein völlig überstürztes Zusammengehen mit den Kärntner Orangen
unter Uwe Scheuch. Den miesen Duft der reinen Parteitaktik wird
Strache so schnell nicht los - gerade auch an den populistischen
Stammtischen.

Das Bemühen der FPÖ um Geschlossenheit führt zwangsläufig zur
Verengung des Wählerspektrums. Diesen Preis wird Strache noch öfter
bezahlen.****

Rückfragehinweis:
Kleine Zeitung, Redaktionssekretariat, Tel.: 0316/875-4032, 4033, 4035, 4047, mailto:[email protected], http://www.kleinezeitung.at

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