- 18.03.2010, 19:58:09
- /
- OTS0346 OTW0346
"Kleine Zeitung" Kommentar: "Ein schwarzer Tag für weiße Riesen" (Von Ingo Hasewend)
Ausgabe vom 19.3.2010
Graz (OTS) - Bisher hatten Eisbären eine ziemlich unklare
Vergangenheit. Biologen wussten zwar, dass sie eng mit den Braunbären
verwandt sind und sich irgendwann als eigene Art abgespaltet haben.
Nur wann das war, konnte niemand genau sagen. Seit einigen Tagen ist
nun sicher: Der Polarräuber hat sich den weißen Pelz vor 150.000
Jahren übergestreift, um im Eis überleben zu können. Aus
Evolutionssicht ist das ein Katzensprung.
Während die Vergangenheit des Polarbären also klar ist, so ist seine
Zukunft seit gestern unklarer denn je. Nur eines ist sicher: Ursus
Maritimus wird mit einer rekordverdächtig kurzen Aufenthaltsdauer auf
der Erde in die Evolutionsgeschichte eingehen. Die 175
Vertragsstaaten des Washingtoner Artenschutzabkommens Cites lehnten
bei einer Konferenz in Katar ab, den internationalen Handel mit
Eisbären, Fellen und Jagdtrophäen zu verbieten.
Somit setzt nicht nur der Klimawandel den geschätzten 25.000 Bären
weiter zu, sondern auch Pelzhändler und Jäger. Es war gestern ein
schwarzer Tag für die weißen Riesen.
Dabei gehen ausgerechnet die Europäer dem Eisbär an den Pelz. Die
EU-Staaten stimmten geschlossen gegen den Antrag der USA.
Interessanterweise gehen beide vom selben Ausgangspunkt aus: Das
starke Abschmelzen des Polareises und damit die Verkleinerung des
Lebensraumes bedrohten die Spezies. Doch sie kommen zu anderen
Schlüssen. Während die Amerikaner den Handel als zusätzliche Gefahr
ausmachen, sehen die Europäer in der Jagd durch Ureinwohner in Kanada
und Grönland keine Gefahr für das Überleben der Art.
Es sind dieselben Europäer, die sich noch vor Monaten zu
Patenschaften für Eisbären werbewirksam bereit erklärt haben - um das
Klima zu retten. Schon die Klimaschutzkonferenz in Kopenhagen hat die
fehlende Handlungsbereitschaft der Weltgemeinschaft gezeigt. Katar
macht den nachlässigen Umgang mit der Natur zu einem echten Ärgernis.
Dabei brauchen wir nicht einmal verächtlich auf China zu zeigen, das
den Schutz des fast ausgestorbenen Tigers blockieren, oder Sambia,
das den Verkauf von Elfenbein wieder freigeben will. Die EU hat ihre
Ziele für den Artenschutz just um zehn Jahre auf 2020 verlängert. Man
schaffe es nicht rechtzeitig, das Aussterben bedrohter Tier- und
Pflanzenarten zu stoppen.
Wenn in Katar von Staaten die Rede ist, die Wildtiere produzieren,
und nicht, in denen Wildtiere leben, wird klar, welche Interessen im
Vordergrund stehen. Das Umdenken muss endlich beginnen und wir in
Europa müssen vorangehen.****
Rückfragehinweis:
Kleine Zeitung, Redaktionssekretariat, Tel.: 0316/875-4032, 4033, 4035, 4047, mailto:redaktion@kleinezeitung.at, http://www.kleinezeitung.at
OTS-ORIGINALTEXT PRESSEAUSSENDUNG UNTER AUSSCHLIESSLICHER INHALTLICHER VERANTWORTUNG DES AUSSENDERS - WWW.OTS.AT | PKZ