• 18.03.2010, 08:36:18
  • /
  • OTS0015 OTW0015

WirtschaftsBlatt-Leitartikel: Das Schicksal des Euro liegt nicht in unserer Hand - von Michael Laczynski

Ein Witz: Europas Währungspolitk ist nur knetbare Masse

Wien (OTS) - "It's our currency, but it's your problem" - mit
dieser schnippischen Bemerkung quittierte einst Richard Nixons
Finanzminister John Connally die Frage eines ausländischen
Journalisten nach der Haltung der US-Regierung zum Dollar. Diese nach
wie vor gelebte, wenn auch nicht so deutlich ausgesprochene
Überheblichkeit resultiert daraus, dass die Vereinigten Staaten als
Emittent der globalen Leitwährung sich Freiheiten herausnehmen
können, die anderen Nationen verwehrt bleiben - zum Beispiel Schulden
im Ausland mit dem eigenen Geld bezahlen. Doch wenn das Schicksal des
Greenback uns nichts anzugehen hat, wie steht es dann um den Euro?
Der ist, um mit den Worten von Connally zu sprechen, unsere Währung
und unser Problem - aber zu melden haben wir deshalb auch nichts.

Warum bloß kann man sich dieser Tage des Eindrucks nicht erwehren,
dass der Euro eine Währung aus Pappmaché ist? Eine Erklärung für
dieses, uns Europäer kränkende Phänomen lieferte gestern die
Kommission in Brüssel mit ihrer Bewertung der Stabilitätsprogramme
von 14 EU-Mitgliedern. Auf den mahnend erhobenen Zeigefinger folgte
nämlich - nichts. Wie immer übrigens, was aber nicht weiter
verwunderlich ist, denn die europäischen Institutionen sind von den
Architekten der Union zur strukturellen Machtlosigkeit verdammt
worden. Eine gemeinsame europäische Wirtschaftspolitik gibt es nicht,
die Währungspolitik ist knetbare Masse - und geknetet wird nicht in
Brüssel, Berlin oder Paris, sondern in Washington und Peking.

Das machtpolitische Match zwischen den USA und China, das die
Kontrahenten derzeit in der Disziplin Wechselkurse ausfechten, wird
über die Zukunft des globalen Handelsgefüges entscheiden. Die EU kann
da als Schönwetterverein nicht mitreden. Wenn wir Glück haben, dann
werden sich die Wogen irgendwann wieder glätten und Europa kann sich
ruhigen Gewissens der Vereinsmeierei widmen. Wenn nicht, dann wird es
die schöne friedliche Wirtschaftswelt, in der wir es uns bequem
gemacht haben, ganz einfach zerreißen.

Und kann Europa nicht selbst einen Ausweg aus der Krise finden? Ich
fürchte nicht. Denn die jüngsten deutschen und französischen
Wortmeldungen zum Thema Reform der EU laufen eher auf eine Zerstörung
der Währungsunion hinaus. Wer wie Finanzminister Schäuble den Teufel
an die Wand malt und Budgetsündern mit der Vertreibung aus dem
Euro-Paradies droht, sollte sich nicht wundern, wenn diese irgendwann
einmal aus Verzweiflung selbst zum Ausgang stürmen.

Rückfragehinweis:
WirtschaftsBlatt
Tel.: Redaktionstel.: (01) 60 117/305
http://www.wirtschaftsblatt.at

OTS-ORIGINALTEXT PRESSEAUSSENDUNG UNTER AUSSCHLIESSLICHER INHALTLICHER VERANTWORTUNG DES AUSSENDERS - WWW.OTS.AT | PWB

Bei Facebook teilen.
Bei X teilen.
Bei LinkedIn teilen.
Bei Xing teilen.
Bei Bluesky teilen

Stichworte

Channel