Was kommt als Nächstes?

Die österreichischen Lagergemeinschaften zur Präsidentschaftskandidatur von Barbara Rosenkranz.

Wien (OTS) - Die OELG als Vernetzungsplattform der
österreichischen Lagergemeinschaften, in denen seit Kriegsende die Überlebenden aus den nationalsozialistischen Konzentrationslagern organisiert sind, stellen sich angesichts der medialen und politischen Diskussion um Barbara Rosenkranz die Frage:

Kann man viele Jahre der eindeutigen Aussagen und Aktivitäten mit einer eidesstattlichen Erklärung einfach wegwischen?
Unsere Antwort ist so einfach wie kurz: Nein, kann man nicht!

Die Überlebenden der KZ betrachten es nachgerade als Verhöhnung ihres Beitrages zur Wiederherstellung eines freien und demokratischen Österreich, wenn Barbara Rosenkranz jahrelang entweder selbst die Schrecken der NS-Herrschaft relativiert oder sich zumindest ständig in einem politischen Umfeld bewegt, in dem diese Relativierung bis hin zur Verleugnung der NS-Verbrechen präsent war und ist. Es ist für uns untragbar, das NS-Verbotsgesetz auch nur irgendwie in Frage zu stellen.

Die übliche Strategie der FPÖ, zuerst einmal durch diese Relativierungen und andere Aussagen zu beleidigen und dann nötigenfalls diese (halbherzig) zu widerrufen, passt auch hier in das Bild, welches Barbara Rosenkranz abgibt. Zuerst eine eindeutige Botschaft in Richtung des rechten und rechtsextremen Lagers und dann mit großer Zeitverzögerung der öffentliche Widerruf, um dem Druck gegen sie zu begegnen.

Es läuft unserem Selbstverständnis von demokratischer Politik entschieden zuwider, wenn Personen wie Barbara Rosenkranz, die sich mit ihren Aussagen außerhalb des demokratischen Grundkonsenses gestellt hat, als Kandidatin zur Wahl des Bundespräsidenten aufgestellt wird.

Wir erwarten von den übrigen politischen Parteien Österreichs und von allen demokratisch gesinnten ÖsterreicherInnen, dass - auch im Andenken an die enormen Opfer des Widerstandes gegen die NS-Diktatur - hier eine ganz klare Trennlinie gezogen wird.

OELG - Vernetzungsplattform der österreichischen Lagergemeinschaften

Vor nahezu 65 Jahren wurde dem Quälen und Morden in den nationalsozialistischen Konzentrationslagern durch die Befreiung der alliierten Armeen ein Ende gesetzt. Die Überlebenden dieser Lager schlossen sich nach ihrer Rückkehr in die Heimat zu Lagergemeinschaften zusammen, die lange Zeit eine wichtige Stimme in der europäischen und österreichischen Gedenkkultur innehatten. Heute sind die österreichischen Lagergemeinschaften in einer entscheidenden Umbruchsituation. Die ehemaligen Häftlinge sind zum Großteil verstorben oder können aus Altersgründen ihr bisheriges Engagement nicht mehr fortführen. Mehrheitlich sind bereits Angehörige der Nachfolgegenerationen in den Lagergemeinschaften aktiv, für die sich die Frage nach ihren Funktionen, Aufgaben und Verantwortungen neu stellt.

In dieser ihnen gemeinsamen Herausforderung haben sich die österreichischen Lagergemeinschaften in einer Plattform zusammengefunden, um sich als Netzwerk zu präsentieren, die zahlreiche Anliegen und Interessen teilen und gemeinsam agieren wollen. Zu den gemeinsamen Aufgaben und Zielen gehören u.a.:

  • Aufklärung und Information über die nationalsozialistische Verfolgung und die in den Konzentrationslagern begangenen Verbrechen
  • Andenken und Ehrung der ehemaligen Opfer und deren Widerstand gegen das Unrechtsregime
  • Im Blick auf die Verbrechen der nationalsozialistischen Vergangenheit Vermittlung der Bedeutung der Menschenrechte für Gegenwart und Zukunft.
  • Antifaschistische Arbeit unter den jeweils aktuellen politischen Bedingungen.

Insbesondere in Fragen der Leugnung und Verharmlosung nationalsozialistischer Gräueltaten, der wiedererstarkenden Ausgrenzungsideologien bzw. -praktiken von Menschen allein aufgrund ihrer Herkunft und der zunehmenden Akzeptanz rechtsextremer Positionen, sogar in der Mitte der Gesellschaft, sehen wir es als notwendig, mit gemeinsamer Stimme zu sprechen, wobei uns die Arbeit mit Jugendlichen ein besonders großes Anliegen ist.

Rückfragen & Kontakt:

Dr. Ernst Berger (für die Lagergemeinschaft Dachau)
ernst.berger@univie.ac.at bzw. Tel. 0664/7835042

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