AK: Psychische Belastungen in den Gesundheitsberufen stark im Steigen

Wien (OTS) - "Der ständig steigende Leistungsdruck im Gesundheitswesen führt zu einer starken psychischen Belastung der Beschäftigten", sagt AK Präsident Herbert Tumpel auf der heutigen Veranstaltung "Warten auf Burn-out" in der AK Wien und fordert ein rasches Gegensteuern: "Auf der einen Seite reden alle davon, dass Arbeit nicht krank machen darf, auf der anderen wird zugesehen, wie die Gesundheit der Beschäftigten immer mehr untergraben wird. Die physischen Belastungen, der ständige Leistungsdruck und die Spannungen im sozialen Umfeld. Das sind wesentliche Gründe für nachfolgende psychische Erkrankungen." Es reichen daher auch nicht symbolische Maßnahmen wie die Verteilung "gesunder Äpfel". Mehr als die Hälfte der Beschäftigten in den Gesundheitsberufen geben an, unter mindestens sechs beruflichen Belastungen zu leiden. In den übrigen Berufen leiden die Beschäftigten "nur" unter mindestens zwei psychische Belastungsfaktoren. "Die besonderen Belastungen dieser Berufsgruppen ergeben sich durch das Zusammenfallen arbeitsorganisatorischer Faktoren", erklärt die Vorsitzende des Fachausschusses Gesundheitsberufe der AK Wien, Gerda Mostbauer. Tumpel und Mostbauer verlangen eine bessere Gestaltung der Arbeitsprozesse in den Gesundheitsberufen und eine gründliche Evaluierung der krankmachenden Belastungen am Arbeitsplatz.

Spezielle und lange Arbeitszeiten, unregelmäßige Überstunden, keine planbare Freizeit, großer Zeitdruck, mangelnde Vereinbarkeit von Familie und Beruf, kulturelle Verschiedenheiten, verbale Übergriffe, fordernden Patienten und Angehörige sowie körperliche Anforderungen (Arbeitshaltung, Heben und Tragen, Infektionen etc.):
Das sind die besonderen Belastungen der Beschäftigten in den Gesundheitsberufen.

Die Beschäftigten werden in diesem Umfeld vom Arbeitgeber allzuoft allein gelassen. Aber auch von KollegInnen kommt nur wenig Unterstützung. Die Betroffenen klagen über Belastungen durch Personalnot, zu viel Bürokratie, Zeitdruck und beschweren sich über den Führungsstil.

Hohes Burn-out-Risiko
Nach neueren Ergebnissen sind 25 Prozent der Beschäftigten im Gesundheitssektor emotional erschöpft, über drei Prozent antriebslos und knapp vier Prozent leistungsunfähig. Womit das Risiko des Burn-out den alarmierenden Wert von über 30 Prozent im Gesundheitswesen ausmacht.

Die aus diesen Belastungen entstehenden psychischen Krankheiten sind Ursache für lange Krankenstände und Berufsunfähigkeit. So beträgt die Krankenstandsdauer bei psychiatrischen Erkrankungen durchschnittlich mehr als 31 Tage. Psychische Erkrankungen verursachen jährliche volkswirtschaftliche Kosten von rund 7 Milliarden Euro in Österreich.

Die Neuzugänge in die Invaliditätspension haben sich - vor allem wegen psychischer Erkrankungen - in den vergangenen zehn Jahren von rund 15.000 auf über 30.100 mehr verdoppelt und etwa jeder Vierte ist jünger als 50 Jahre.

Keine ausreichende Evaluierung der Gefahren
Auf betrieblicher Ebene werden seit mehr als zehn Jahren nach dem ArbeitnehmerInnenschutzgesetz durch qualifizierte Experten (Arbeitsmediziner, Arbeitspsychologen, Sicherheitsfachkräfte etc) die betrieblichen Verhältnisse auf Gesundheitsgefahren evaluiert. Allzu oft aber nur unzureichend und höchst unvollständig. Den gesundheitlichen Schaden haben die Beschäftigten. Nach Auffassung der AK ist die Umsetzung der gesetzlich geregelten Evaluierung mittels dafür qualifizierter Experten (Arbeitspsychologen, Arbeitsmediziner) in Unternehmen im Gesundheitswesen ein wichtiger Schritt zum Abbau der körperlichen Erkrankungen. Auch eine verstärkte betriebliche Gesundheitsförderung könnte einen wichtigen Beitrag zum Stressabbau leisten, kommt in der Realität derzeit aber kaum zur Anwendung. Gerade bei den psychisch belastenden Arbeiten der Gesundheitsberufe ist aber die Prävention unverzichtbar.

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