• 15.03.2010, 08:05:34
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WirtschaftsBlatt-Leitartikel: Der Pfundskerl als Fliegengewicht - Michael Laczynski

Britische Wirtschaft kann vom schwachen Pfund profitieren

Wien (OTS) - Sprachwissenschaftlich betrachtet leitet sich
"Pound", der Name der britischen Währung, von dem lateinischen Verb
"pendere" ab, was nichts anderes bedeutet als "wägen". Es ist eine
verständliche Abwandlung, denn das Geld sollte nach dem Sinn seiner
Erfinder eine fixe, einfach ermittelbare Größe sein - wies eine
Goldmünze auf der Waage des Händlers ein zu niedriges Gewicht auf,
war das Edelmetall mit Sicherheit gestreckt.

Umso erstaunlicher ist vor diesem Hintergrund die Wandlung, die das
britische Pfund in letzter Zeit durchmachen musste. Von einer der
härtesten Währungen der Welt ist es zum Fliegengewicht mutiert: Seit
dem Beinahe-Zusammenbruch der Bank Northern Rock im September 2007,
der in Großbritannien den Beginn der Finanzkrise signalisierte, hat
der einstige Kraftprotz gegenüber Euro und US-Dollar rund ein Viertel
seines Werts eingebüßt. Hält dieser Trend an, werden wir noch im
Laufe des Jahres die Parität zur Einheitswährung erleben.

Dieser Abstieg lässt sich leicht erklären: Nach Jahren des
wirtschaftlichen Höhenflugs, auf dessen Zenit der damalige
Schatzkanzler und jetzige Premier Gordon Brown den Konjunkturzyklus
für tot erklärte, hat die Krise das Königreich mit ungeahnter Wucht
getroffen. Der - wie sich herausstellte - unterbeaufsichtigte
Finanzsektor musste mit 800 Milliarden Pfund Steuergeld gestützt
werden, die Staatsverschuldung schnellte ebenso in die Höhe wie die
Arbeitslosigkeit. Mit einem prognostizierten Budgetdefizit von 12,8
Prozent befindet sich Großbritannien nun auf Augenhöhe mit
Griechenland. Und anders als etwa in den USA ist die Rezession noch
nicht definitiv ausgestanden.

Steuert London auf griechische Verhältnisse zu? Zum Glück nicht, und
zwar aus mehreren Gründen: Die Staatsverschuldung mag in rasantem
Tempo steigen, doch sie ist von einem vergleichsweise niedrigen
Niveau aus gestartet. Weiters ist die britische Wirtschaft zwar stark
bankenlastig, doch sie verfügt nichtsdestotrotz über globale
Champions wie Triebwerkshersteller Rolls-Royce, Ölriese BP oder
Pharmakonzern GlaxoSmithKline. Und zu guter Letzt hat Großbritannien
den Vorteil einer eigenen Währung, deren Außenwert als automatischer
Stabilisator funktioniert. Ist die Lage schlecht, verbilligt sich das
Pfund - und der Exportmotor springt an. Griechenland bleibt als
Mitglied der Eurozone nur der ungleich schmerzhaftere Weg einer
internen Abwertung - die griechischen Realeinkommen müssen sinken.
Es zeigt sich also, dass ein Pfundskerl selbst als Fliegengewicht
noch seinen Nutzen haben kann.

Rückfragehinweis:
WirtschaftsBlatt
Tel.: Redaktionstel.: (01) 60 117/305
http://www.wirtschaftsblatt.at

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