"Kleine Zeitung" Kommentar: "Wenn der rechte Rand zur Fettschicht wird" (von Frido Hütter)

Ausgabe vom 12.03.2010

Graz (OTS) - Die Möglichkeiten von Marktforschung und
Statistik sind ja schier unbegrenzt. Kaum war die erste Toyota-Panne publik geworden, kursierten bereits die Schadenssummen für den Konzern in den Medien.

In diesem Zusammenhang wäre es interessant, einmal ausrechnen zu lassen, wie viel Geld die tollen Streiche der FPÖ Österreich bisher gekostet haben. Die Rede ist von den braunen Rülpsern, die Jörg Haider zu Lebzeiten immer wieder einmal entfuhren, von Partei-Lümmeln, die den Begriff Nazi mit "neu, attraktiv, zielstrebig, innovativ" definierten, von Leuten, die immer wieder Unklarheiten mit dem Massenmord im sogenannten Dritten Reich äußern.

So wie Österreich seine generelle Beachtung in der Welt meist überschätzt, so sehr wird die Registrierung derartiger Umtriebe, speziell in den USA, unterschätzt. Was man dort unter "awareness" (Achtsamkeit) versteht, führt schon einmal zur Stornierung von Geschäften, Kongressen, Urlaubsreisen etc. Es ist nicht übertrieben, wenn man die solcherart entstandenen Schäden kumuliert im Millionenbereich ansiedelt.

Der Verzicht der ÖVP auf einen Bundespräsidentschaftskandidaten bzw. auf eine klare Empfehlung für den amtierenden könnte diesen Schaden noch erheblich größer machen.

Da wäre einmal im Lande die zunehmend ärgerliche Posse, dass dieses Vakuum von einem Publizisten und Hobbypolitiker genutzt wird, die merkwürdige Frau Rosenkranz zu eidesstattlichen Erklärungen zu nötigen. Selbige lösen weltweit ganz berechtigt Befremden aus. Man denke nur an den hierorts herrschenden und wohl nicht ganz unberechtigten Eindruck, russische Spitzenpolitiker nähmen die historischen Verbrechen von Josef Stalin im eigenen Land nicht wirklich ernst und müssten deshalb dauernd das Gegenteil behaupten.

Ein Wiener Kollege sieht in der Kandidatur von Frau Rosenkranz auch etwas Positives: Straches Disco-Kids und sonstige Mitkrakeeler würden der Multi-Mutter aus Niederösterreich ganz sicher nicht ihre Stimme geben. Die Wahl werde also gleichzeitig zu einer Art Mengen-Feststellung des ganz rechten Randes in Österreich.

Selbige könnte aber ziemlich (ent)täuschend ausfallen. Denn möglicherweise kann Rosenkranz zusätzlich bei verärgerten ÖVP-Anhängern punkten, die der Partei einen Denkzettel verpassen möchten. Dann wüchse der sogenannte rechte Rand zu einer halbwegs dicken Fettschicht aus, vor welcher der Welt nachhaltig grausen und an der Österreich wohl noch ziemlich lange würgen würde.****

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