AK Tumpel: Österreich muss in der Hochschulbildung aufholen

Bologna-Studienarchitektur muss studierendengerecht adaptiert werden

Wien (OTS) - "Österreich braucht mehr und nicht weniger Uni-AbsolventInnen", sagt Arbeiterkammer Präsident Herbert Tumpel, "Den Hochschulzugang ausweiten und zwar unabhängig vom sozialen Background, muss die Devise lauten." Dafür müssen die Studienbedingungen grundlegend verbessert, ein zügiges Studieren tatsächlich ermöglicht und insbesondere für berufstätige Studierende ein verbessertes und adä-quates Studienangebot entwickelt werden. Im Bereich der neuen dreigliedrigen Studienarchitektur sind studierendengerechte Verbesserungen unbedingt notwendig. "Die Ausweitung berufsbegleitender Bachelor- und Master-Studien ist ein Gebot der Stunde und muss rasch umgesetzt werden - immerhin ist die überwälti-gende Mehrheit der Studierenden berufstätig. Wissenschaftsministerium und Unis sind am Zug endlich zu handeln und die Studierenden hier nicht im Regen stehen zu lassen", betont Tumpel.

Österreich liegt mit einer AkademikerInnenquote von nur 18 Prozent weit unter dem OECD-Schnitt von 28 Prozent. Gerade in der Wirtschaftskrise wird gute Bildung und Ausbildung aber noch wichtiger. Hoch- und höchstqualifizierte ArbeitnehmerInnen sind der entscheidende Motor für Innovation, Kreativität und Produktivität in Wirtschaft und Gesellschaft, daher brauchen wir grundsätzlich dringend mehr und nicht weniger AkademikerInnen. Der Ruf nach Zugangsbeschränkungen einiger Rektoren und der Wissen-schaftsministerin sind also zweifelsohne der falsche Weg.

Damit das Studium erfolgreich verlaufen kann, sind aber auch im Bereich der neuen dreigliedrigen Studienpläne Verbesserungen notwendig. Die Bologna Studienarchitektur muss im Interesse des Lernerfolgs der Studierenden vielfach neu aufgesetzt werden. Häufig wurden die alten Diplomstudien lediglich von vier auf drei Jahre verkürzt. Auch die häufige Reduktion der Wahlfächer muss einer Diskussion unterzogen werden. Mehr Zeit und eine stärkere individuelle Schwerpunktsetzung im Studium sind erforderlich. Studienpläne müssen auch Beschäftigungsperspektiven nach dem Abschluss einbeziehen. Selbstverständlich muss es auch berufsbegleitende Angebote geben. Im Interesse der Studierenden wie der Hochschulen sollen einschlägige Berufserfahrungen und außer-universitär erworbenen Kompetenzen angerechnet werden. "Die Gestaltung der Studien-pläne sollte im Dialog mit den Studierenden und der Arbeitswelt geschehen - nur so kann gewährleistet werden, dass diese auch akzeptiert und studierbar sind.", so Tumpel.

Gleichzeitig muss endlich ein Hochschulmasterplan vorgelegt werden, der Synergien nutzt, Effizienzreserven offenlegt und sinnlose Doppelgleisigkeiten abstellt. Die Ziele der einzelnen Systeme des tertiären Systems müssen abgestimmt werden, um klarzulegen worin die unterschiedlichen Aufgaben wissenschaftlicher Universitäten, Fachhochschulen und pädagogischer Hochschulen bestehen. Das würde auch die Studienwahl erleichtern. Investitionen in die Studienwahlprozessbegleitung zur Steuerung der Studierendenströme in arbeitsmarktpolitisch aussichtsreiche Zweige sind gut angelegtes Geld.

Gerade für berufstätige Studierende gehören die Bedingungen an österreichischen Universitäten verbessert. Immerhin arbeiten fast zwei Drittel der Studierenden während dem Studium, das darauf abgestimmte Studienangebot fehlt allerdings. Momentan gibt es berufsbegleitende Studienangebote überwiegend im Fachhochschulbereich. Dieser sollte daher auch ausgebaut werden. Aber auch an Unis müssen entsprechende berufsbegleitenden Studien angeboten werden, selbstverständlich nicht als plattes Parallelangebot, sondern an die jeweilige universitäre Situation angepasst. Als Start fordert die AK daher die Einführung von je zwei Pilotprojekten pro Universität. "Es ist höchst an der Zeit, dass die Unis entsprechende Angebote machen, aber auch die neue Wissenschaftsministerin ist gefordert rasch zu handeln. Insgesamt sind zusätzliche finanzielle Mittel für den notwendigen Ausbau des tertiären Sektors erforderlich, am 2 Prozent BIP-Ziel muss fest-gehalten werden", sagt Tumpel.

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