Marek: Gewalt in der Familie und gegen Frauen vielerorts ein Tabu-Thema

Staatssekretärin präsentiert neuen Leitfaden "Gesundheitliche Versorgung gewaltbetroffener Frauen"

Wien (OTS/BMWFJ) - "Viele Opfer von Gewalt wenden sich um Hilfe an eine Ärztin oder einen Arzt, geben aber die Ursachen für ihre psychischen und/oder physischen Verletzungen nicht an, da Gewalt in der Familie bzw. gegen Frauen vielerorts noch ein Tabu-Thema ist. Daher ist es wichtig, dass alle Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter im medizinischen Versorgungssystem besonders sensibilisiert sind und mögliche Anzeichen rasch erkennen", betonte Christine Marek, Staatssekretärin im Bundesministerium für Wirtschaft, Familie und Jugend, als sie am Mittwoch gemeinsam mit Ärztekammerpräsident Walter Dorner sowie Maria Rösslhumer, Geschäftsführerin des Vereins "Autonome Österreichische Frauenhäuser" (AÖF) und Anneliese Erdemgil-Brandstätter, Expertin im Bereich Schulung und Fortbildung im Gesundheitswesen, den neuen Leitfaden "Gesundheitliche Versorgung gewaltbetroffener Frauen" präsentierte.

"Dieser Leitfaden zielt darauf ab, die Kompetenz von Ärztinnen und Ärzten, Hebammen und Gesundheits- und Krankenpflegekräften, die wichtige Schnittstellen in der Interventionskette gegen häusliche Gewalt sind, sowohl in Diagnostik und Therapie zu stärken als auch die Dokumentation, die Beratung von und die Gesprächsführung mit weiblichen Gewaltopfern zu verbessern", so Marek weiter. "Der Leitfaden soll ihnen dabei helfen, Rückendeckung für die ersten wichtigen Schritte aus dem Gewaltsystem und Unterstützung für die betroffenen Frauen zu geben."

Dank des Engagements vieler Menschen werde dem Thema "Gewalt gegen Frauen" in unserer Gesellschaft immer breitere Aufmerksamkeit gewidmet, was in Österreich zu einer international vorbildhaften Gewaltschutzgesetzgebung und zahlreichen Hilfsangeboten geführt habe. Auch das Familienministerium fördere zahlreiche Gewaltschutz-Einrichtungen, die von Gewalt betroffene Kinder und Frauen aber auch Männer - als Opfer und Täter - in ihrer Not unterstützen. Als Beispiel nannte die Familienstaatssekretärin die "Plattform gegen die Gewalt in der Familie", bei der auch der Verein Autonome Österreichische Frauenhäuser und viele andere Einrichtungen dabei seien.

Besondere Bedeutung des Hausarztes

Auch Ärztekammerpräsident Walter Dorner sieht Ärztinnen und Ärzte als primäre Ansprechpartner, nicht nur für alle gesundheitsrelevanten medizinischen Fragen, sondern auch als erste Anlaufstelle für sozial-familiäre Probleme: "Speziell dem Hausarzt kommt hier eine besondere Bedeutung zu, ist er es doch, der meist nicht nur die Patientin bzw. den Patienten sondern auch ihr/sein familiäres Umfeld kennt." Es sei jedoch viel Fingerspitzengefühl erforderlich, um bei einem Verdacht auf Gewalt gegen Frauen oder Kinder die richtige Entscheidung zu treffen, denn: "Erweist sich ein Verdacht als haltlos, ist das Vertrauensverhältnis zur Patientin und wahrscheinlich zum gesamten familiären Umfeld nachhaltig gestört. Zögert ein Arzt aber zu lange, geht wertvolle Zeit verloren - was möglicherweise mit der Verlängerung des Martyriums für die betroffenen Patientinnen einhergeht." Er persönlich sei jedenfalls dafür, eher einmal zu viel als einmal zu wenig den Verdacht von Gewalt gegen Frauen in die Überlegungen mit einzubeziehen.

Grundlage für die Aus- und Weiterbildung

Für Maria Rösslhumer, Geschäftsführerin des Vereins Autonome Österreichische Frauenhäuser (AÖF), und Anneliese Erdemgil-Brandstätter, Expertin im Bereich Schulung und Fortbildung im Gesundheitswesen, ist der Leitfaden Grundlage für die Aus- und Weiterbildung von Pflegepersonal und Medizinerinnen und Medizinern. Da er allen in Gesundheitsberufen tätigen Personen umfassende Informationen zur Diagnose, Dokumentation und zur Gesprächsführung mit Gewaltopfern gibt, komme ihm besondere Bedeutung zu:
"Mitarbeiter/innen des Gesundheitswesens haben daher beim Erkennen von Gewaltanwendung, für die Art der Hilfestellung und den Verlauf der Unterstützung sowie für die Prävention weiterer Gewalttaten eine zentrale Funktion. Weiters dient eine umfassende Befunderhebung, Dokumentation und Spurensicherung auch der Aufklärung von Gewalttaten, die häufig strafrechtliche Relevanz haben."

Der Leitfaden wurde von der Gesundheit Österreich GmbH (GÖG) im Auftrag des damaligen Gesundheits- und Familienministeriums unter Beiziehung von Expertinnen und Experten der Österreichischen Ärztekammer, der medizinischen Fachgesellschaften, der Gesundheits-und Krankenpflegeverbände, der Bundesministerien für Soziales, Frauen, Justiz und Inneres sowie den frauenspezifischen Einrichtungen entwickelt und jetzt im Auftrag des heutigen Bundesministeriums für Wirtschaft, Familie und Jugend fertiggestellt. Er wurde zur gesundheitlichen Versorgung von gewaltbetroffenen Frauen an alle relevanten Abteilungen in den Spitälern aber auch an die niedergelassenen Allgemeinmediziner/innen und Gynäkolog/innen geschickt.

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