- 10.03.2010, 11:57:17
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Kindle, iPad und Co. wecken Hoffnung in Medienbranche
Aber Warnung vor "überzogener Heilserwartung" - E-Reader bleiben Nischenprodukt - "Apples iPad wird die Zeitungen nicht retten"

Wien (OTS) - Klassische E-Reader boomen, bleiben aber trotzdem ein
Nischenprodukt. Tablet PCs - wie das Apple iPad - werden der
Medienbranche zwar neue Chancen bieten, wohin die Reise geht, ist
aber noch ziemlich ungewiss. Etwas Licht in die aktuellen
Entwicklungen haben Experten bei einer Podiumsdiskussion des
APA-IT-Forums gestern, Dienstagabend, in Wien gebracht.
"Apples iPad wird die Zeitungen nicht retten. Amazons Kindle
sowieso nicht. Hoffen darf man trotzdem", zeigte sich Peter Krotky,
Geschäftsführer und Chefredakteur von "Die Presse Digital",
überzeugt. Er warnte vor einer "überzogenen Heilserwartung". Gefragt
sei "eine nüchterne Analyse". Von den aktuellen E-Readern gab er sich
nicht überzeugt, "weil das ausschaut wie Internet in den 90ern. Die
werden ein Nischenprodukt bleiben", sagte Krotky.
"Der Kindle ist im Vergleich zum iPad nicht wirklich sexy. Aber
auch beim iPad muss man die Verkaufszahlen abwarten. Fest steht, dass
die Zeitungen da nicht so schlicht daherkommen wie jetzt bei den
E-Readern", so der Chefredakteur. Auch die Frage, was der Konsument
für entsprechende Angebote bezahlen soll, sei völlig offen: "Beim
iPhone geht es ja vor allem um Paid Software und nicht um Paid
Content." Würden am iPad vor allem Applikationen genutzt, sei das
positiv für Bezahlinhalte, wenn hauptsächlich im Internet gesurft
werde, dann eher negativ.
Ohne Stützung kein Massenprodukt
Die Mobilfunker könnten bei dieser Plattform eine wichtige Rolle
spielen, weil sie wüssten, "wie man einen Massenmarkt macht", spielte
Bernhard Wiesinger von Hutchison 3G Austria auf Gerätestützungen an.
Aus dem Handybereich sei bekannt, dass Produkte, für die der Kunde
mehr als 100 Euro auf den Tisch legen müsste, ein Nischenprodukt
bleiben würden. Nicht umsonst gebe es das iPhone für wenige Euro.
In erster Linie werde ein Erfolg daher davon abhängen, ob
Verleger, Plattform-Betreiber und Mobilfunk-Anbieter "in einer fairen
Partnerschaft zusammenfinden". Ein funktionierendes Business-Modell
"kann nur gemeinsam entwickelt werden", so Wiesinger. Den Erfolg
dieser Geräteklasse sieht er in der Übertragung der
Benutzerfreundlichkeit der neuen Smartphones auf ein größeres Format.
Bisherige Tablets seien als abgespeckte Versionen aus dem PC-Bereich
heraus entwickelt worden.
Der Experte fragt sich allerdings, was die Konsumenten dazu
bewegen sollte, für Content zu bezahlen, wenn auf die Inhalte im
Internet ohnehin gratis zugegriffen werden könnte. "Aber das Problem
müssen die Verlage lösen", sagte der Hutchison-Manager. Wichtig sei,
neue Funktionalitäten beim Zugriff auf Content zu ermöglichen - also
nicht nur Abos anzubieten, sondern beispielsweise auch den Sportteil
einer Lokalzeitung, der vielleicht am Wochenende nachgefragt wird.
Reine digitale Nachbildung ist zu wenig
Pures Portieren schaffe nicht den nötigen Mehrwert, um die
Bezahlbereitschaft zu erhöhen. "Da geht es um Multimedia-Integration
und Interaktion", ergänzte Clemens Schwaiger vom Beratungsunternehmen
Arthur D. Little Österreich. Auch er sieht E-Reader als
Nischenprodukt - trotz steigender Nachfrage. "Ein digitales Buch muss
über die einfache digitale Nachbildung des klassischen Buches
hinausgehen", glaubt Schwaiger.
Dennoch gewinne der Markt an Fahrt: "Die Kinderkrankheiten sind
überwunden und die Dynamik wird heuer durch zahlreiche Neueinstiege -
wie Barnes & Noble, Plastic Logic, LG oder eben Apple - noch
zunehmen", so Schwaiger. Eine Gefahr sieht der Experte in der
Distribution, wenn es eine starke Konzentration der Reader und
Plattformen - also nur wenige dominante Anbieter - gebe.
Keine klaren Geschäftsmodelle für Zeitungen
Das prognostizierte Marktwachstum für E-Reader sei enorm und der
Hype werde eher noch zunehmen. Allerdings gebe es noch keine klaren
Geschäftsmodelle für Zeitungen, erklärte Günter Kaminger von der
APA-IT. Der heimische Markt sei außerdem für internationale Anbieter
eher klein und das Potenzial für Einzelanbieter beschränkt. Daher
würden Kooperationen technische und wirtschaftliche Vorteile bieten.
Gespräche über eine zentrale E-Reader-Plattform für aktuelle Medien
seien im Laufen.
Wichtig sei jedenfalls ein stärkeres Branding, also die Marke der
Zeitung auf den E-Reader zu transportieren. Außerdem werde daran
gearbeitet, Werbung und Kleinanzeigen integrieren sowie Inhalte
mehrmals täglich aktualisieren zu können. Besonders für
Boulevard-Medien seien außerdem multimediale Fähigkeiten, wie sie
etwa das iPad bieten soll, nützlich.
"Wer wirklich ausschließlich Bücher konsumieren will, wird sich
einen E-Reader kaufen. Aber viele Benutzer wollen nur ein einziges
Gerät benutzen, um zu lesen, Videos anzuschauen oder zu spielen. Und
die werden auf Tablet PCs zurückgreifen", gab sich Nicolas Sorger von
Microsoft Österreich überzeugt.
Die Technik von Kindle und Co. würde allerdings zeigen, wie
Inhalte an die Endkunden geliefert werden. "Davon können wir alle
lernen wie einfach so etwas funktioniert", so Sorger, der eine
Annäherung von E-Readern und Tablet PCs prognostiziert. Er verwies
auf den "always on"-Charakter des Kindle, der es ermögliche, "auch in
Uruguay meine Zeitung abzurufen". Dadurch werde es den Kunden leicht
gemacht, Inhalte zu konsumieren.
APA-IT-Forum
Die Veranstaltungsreihe APA-IT-Forum setzt sich aus mehrmals
jährlich stattfindenden Treffen zu aktuellen Themen der
Informationstechnologie zusammen. Die APA-IT lädt Kundinnen und
Partner, Journalistinnen und Branchenvertreter zu Fachgesprächen
sowie Publikumsdiskussionen mit jeweils aktuellen Themenschwerpunkten
ein. Das persönliche Gespräch mit Kolleginnen und Kollegen aus dem
Business steht dabei im Vordergrund.
Weitere Fotos zur Veranstaltung unter:
http://pressefotos.at/m.php?g=1&u=43&dir=201003&e=20100309_i&a=event
Bild(er) zu dieser Aussendung finden Sie im AOM/Original Bild
Service, sowie im OTS Bildarchiv unter http://bild.ots.at
Rückfragehinweis:
Barbara Rauchwarter Unternehmenssprecherin Leiterin Marketing & Kommunikation APA - Austria Presse Agentur Tel.: +43/1/360 60-5700 mailto:[email protected] www.apa.at
Digitale Pressemappe: http://www.ots.at/pressemappe/288
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