Mehrerau: Abt um Aufarbeitung aller Missbrauchsfälle bemüht

Stellungnahme von Abt Anselm van der Linde: "Habe damit rechnen müssen, dass meine Offensive zum Thema Missbrauch weitere Fälle ans Licht bringt"

Feldkirch, 09.03.10 (KAP) Der Mehrerauer Abt Anselm van der Linde hat am Dienstag in einer Stellungnahme betont, dass er um die volle Aufarbeitung aller Missbrauchsfälle in seinem Kloster bemüht sei. Demnach hat es im Internat des Privatgymnasiums des Bregenzer Zisterzienser-Klosters mehr als nur einen Missbrauchsfall gegeben. Wie ORF Radio Vorarlberg am Dienstagnachmittag unter Berufung auf Heinz Rusch, den Sprecher der Staatsanwaltschaft Feldkirch, berichtete, gab es im Jahr 2004 eine Anzeige gegen einen Pater, der sich an zehn Jugendlichen vergangen haben soll. Das Verfahren wurde aber wegen Verjährung eingestellt.

Abt van der Linde betonte in seiner schriftlichen Stellungnahme gegenüber ORF Vorarlberg, dass er davon bisher keine Kenntnis hatte. Wörtlich hielt der Abt fest: "Mit großem Bedauern musste ich heute erfahren, dass jener Pater, der in den 80er-Jahren wegen Missbrauchs suspendiert und von der Schule entfernt wurde, für weitere Missbrauchsfälle verantwortlich war. Mir war die Tragweite dieses Falles vor über 30 Jahren nicht bekannt, ich möchte mich jedoch bei allen Opfern im Namen des Klosters Mehrerau entschuldigen und um Vergebung bitten."

Er sei tief betroffen über diese Entwicklung, habe aber damit rechnen müssen, dass seine Offensive zum Thema Missbrauch weitere Fälle ans Licht bringt.

Auch wenn die Fälle viele Jahrzehnte zurückliegen würden und deshalb nach weltlichem Recht verjährt sind, hätten die Opfer ein Recht auf eine Entschuldigung, betonte der Abt: "Ich stehe jederzeit für Gespräche mit Opfern zur Verfügung. Gegen das Unrecht des Missbrauchs in der Vergangenheit kann ich nichts mehr unternehmen, es steht nur in meiner Macht, ein offenes Gespräch in einem geschützten Raum anzubieten und ein neues Klima des Vertrauens zu schaffen."

Die Kirche müsse sich dem Thema Sexualität stellen und alles unternehmen, um junge Menschen zu schützen. "Dazu gehört ein offener Dialog und eine konstruktive Zusammenarbeit mit allen anderen Institutionen, um das Problem in seiner vielschichtigen gesellschaftlichen Dimension zu bekämpfen", so der Abt wörtlich.

(forts. mgl.) gpu/

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