- 08.03.2010, 19:48:24
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"Kleine Zeitung" Kommentar: "Glaubhafte Distanzierung schaut ganz anders aus" (von Michael Jungwirth)
Ausgabe vom 09.03.2010
Graz (OTS) - Selten hat eine Partei einen Wahlkampfstart so
vermurkst wie jetzt die FPÖ bei der Hofburg.
Nach dem Verzicht der ÖVP auf einen eigenen Kandidaten witterten die
Freiheitlichen die Jahrhundertchance: Es bot sich die einmalige
Gelegenheit an, im konservativen Lager ganz seelenruhig einmal die
Angel auszuwerfen in der berechtigten Hoffnung, nicht wenige der von
Heinz Fischer sowie von der ÖVP-Spitze (ob des Nichtantretens)
enttäuschten Wähler an Land zu ziehen.
Aber das ist nicht alles. Vor allem bestand die einzigartige Chance,
nach dem Muster des Showdowns zwischen Chirac und dem
Rechtspopulisten Le Pen 2002 in Frankreich in ein direktes Duell mit
dem Amtsinhaber, der dem Establishment angehört, zu treten. Dabei
wollte man in die von Jörg Haider stets herbeigesehnte Rolle des
Herausforderers, des Underdogs schlüpfen, der gegen die da oben
aufbegehrt.
Aus dem Traumstart wurde nichts. Mit ihrer Ablehnung des
Verbotsgesetzes brachte Rosenkranz sogar den Boulevard gegen sich
auf. Dass sich Rosenkranz gestern in einer eidesstaatlichen Erklärung
von den Naziverbrechen distanzierte, tat sie nicht, um eine empörte
Öffentlichkeit zu besänftigen, sondern um ihren publizistischen
Mentor wieder gütig zu stimmen.
Inszenierung und Wortwahl wirkten gerade nicht so, als ob Rosenkranz
aus tiefster Überzeugung die eidesstaatliche Erklärung abgab. Es war
vielmehr wahltaktisches Kalkül, der Termin wirkte wie eine lästige
Pflichtveranstaltung. Die geforderte Distanzierung bestand aus einem
einzigen Satz, von Holocaust, Gaskammern oder KZ keine Rede.
Statt den versammelten Journalisten Rede und Antwort zu stehen und
die Gelegenheit beim Schopf zu packen, um ein für alle Mal die von
der FPÖ so bedauerten Missverständnisse zu entkräften, packte sie
ihre Sachen und verschwand.
Dass Rosenkranz schwer gezeichnet ist, mag menschlich verständlich
sein. Nur darf sie nicht über die Angriffe der letzten Tage
verwundert sein. Von Rosenkranz scheint zwar kein eindeutiger
"Nazi-Ausrutscher" überliefert zu sein, ihre Strategie besteht darin,
Signale an das braune Lager auszusenden. Klare und in Tiefe gehende
Worte zu den Irrungen und Verwirrungen des Dritten Reiches sucht man
vergeblich. Kein Wunder, dass sich Rosenkranz in den braun
angehauchten Milieus wohlfühlt wie ein Fisch im Wasser - und dort
schon als echte Ikone gilt.
Eine glaubhafte Distanzierung von den Irrwegen und den Gräuel der
Nazizeit sieht anders aus.****
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