Tumpel zum Frauentag: Einkommensschere schließen, Maßnahmenpaket statt Freiwilligkeit

Wien (OTS) - Das mittlere Bruttojahreseinkommen von Frauen ist um
41 Prozent geringer als von Männern. Wird nur mehr das Einkommen von Vollzeitbeschäftigten verglichen, beträgt der Einkommensunterschied noch immer 22 Prozent und werden alle Faktoren herausgerechnet, die die Lohnunterschiede erklären können wie Arbeitszeit, Branche, Tätigkeit, Bildung und Betriebszugehörigkeit, so bleiben noch immer 15 Prozent Lohnunterschied übrig. Die Ursachen für die Lohnunterschiede setzen sich aus vielen Faktoren zusammen. Es beginnt bei der Bildungs- und Berufswahl, der ungleichen Aufteilung von Betreuungspflichten, der geringeren Bewertung von Tätigkeiten, die überwiegend von Frauen verrichtet werden sowie der geringeren Bewertung von Teilzeitarbeit bis hin zu Nachteilen bei den beruflichen Karrieremöglichkeiten. "Die Einkommensschere wird sich nur dann verringern, wenn auf allen Ebenen ernsthafte Anstrengungen unternommen werden, um Frauen die gleichen Chancen am Arbeitsmarkt zu ermöglichen. Da wird es nicht ausreichen, nur auf Freiwilligkeit zu setzen", sagt AK Präsident Herbert Tumpel. Notwendig ist ein Paket aus Maßnahmen, die eine Garantie auf qualitätsvolle Kinderbetreuung, Sensibilisierung aber auch ein wirksames Vorgehen gegen Benachteiligungen vorsehen.

Die AK fordert daher:
+ Förderung bei der Berufs- und Bildungswahl
Mädchen und Burschen müssen abseits traditioneller Berufs- und Bildungswahl entlang ihrer Neigungen, Talente und Interessen besondere Hilfestellung erhalten. Es muss sich aber auch das Einstellungsverhalten der Betriebe ändern.

+ Transparenz bei Karriere und Einkommen
Lohnunterschiede sind vielfach erst möglich, weil die Entlohnung, Zulagen, Einstufungen in vielen Betrieben nicht transparent geregelt ist. Betriebliche Einkommensberichte sollen gesetzlich verankert werden und Betriebe dazu verpflichten, ihre Lohnstruktur auf geschlechtsspezifische Benachteiligungen hin zu prüfen, mit dem Ziel diese zu beseitigen. Darüber hinaus braucht es Transparenz bei Stellenbesetzungen (dies betrifft das Anforderungsprofil und die Begründung für die personelle Entscheidung). Bei Förderungen und Vergabe von Aufträgen soll die Gleichstellungsbilanz der Betriebe berücksichtigt werden.

+ Mehr Frauen in Führungspositionen
Verbindliche Geschlechterquote bei der Besetzung von Aufsichtsräten und Vorständen in großen Aktiengesellschaften und GmbHs. Die jährlichen AK-Untersuchungen zeigen, dass es auf freiwilliger Basis zu keinen Veränderungen kommt.

+ Förderung der betrieblichen Weiterbildung
Gleiche Chancen auf Weiterbildung für Frauen und Männer. Ein Recht auf mindestens 35 Stunden Weiterbildung im Jahr soll sicherstellen, dass auch Frauen entsprechend zum Zug kommen.

+ Gleiche Chancen mit Teilzeit
Teilzeitbeschäftigte müssen bei der betrieblichen Weiterbildung und beim beruflichen Aufstieg gleichbehandelt werden. Es braucht auch wirksame Sanktionen in Form von abschreckenden Schadenersatzforderungen, die am wirtschaftlichen Erfolg des Unternehmens bemessen werden.

+ Keine Nachteile für Frauen mit Kindern
Karenzzeiten müssen analog zu den Zeiten des Präsenzdienstes voll als Dienstzeit angerechnet werden. Notwendig ist auch das Recht auf Elternteilzeit in Kleinbetrieben.

+ Flächendeckendes Angebot qualitativer, professioneller und bedarfsgerechter (va hinsichtlich Öffnungszeiten) Kinderbetreuung für alle Altersgruppen und Beseitigung der Kostenbarrieren in der Kinderbetreuung, die die Frauenerwerbstätigkeit und Frühförderung der Kinder behindern.

+ Zur Unterstützung des Wiedereinstiegs müssen auch die Qualifizierungsmaßnahmen des AMS auf hohem Niveau fortgesetzt werden.

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