WirtschaftsBlatt-Leitartikel: Österreich, Heimat großer Menschen - von Esther Mitterstieler

Frauen haben's schwerer - egal, ob mit oder ohne Kind

Wien (OTS) - Erinnern Sie sich an die Diskussion nach der Neuinterpretation der Bundeshymne für eine Bildungsreform-Kampagne durch Christina Stürmer? Sie hat den Satz "Heimat bist Du großer Söhne" mit dem Zusatz "und Töchter" bereichert und ein erstaunliches rechtliches Hickhack ausgelöst - besonders aus gesellschaftspolitischer Sicht. Und das im 21. Jahrhundert.

Ein Blick auf mehrere aktuelle Studien belegt: Geht es um die Gleichberechtigung von Frauen, ist Österreich ein Entwicklungsland. Okay, schon Winston Churchill glaubte nur den Statistiken, die er selbst gefälscht hatte. Aber die Studien kommen aus den verschiedensten Ecken und untermauern ausnahmslos unsere gesellschaftliche Trägheit, Situationen verändern zu wollen. Im "Gender Gap Report" des World Economic Forum liegt Österreich an Stelle 103 von 134, vergleicht man die Geschlechter aus ökonomischer Sicht. In nur 18 der 200 Top-Unternehmen ist zumindest eine Frau sowohl in Geschäftsführung bzw. Vorstand und Aufsichtsrat vertreten, besagt eine Studie der Arbeiterkammer.

Ich bin prinzipiell gegen Regulierungen, aber ohne Quote etwa für die Bestellung von Aufsichtsräten werden wir so schnell keine Änderung erreichen. Der Staat sollte auch die Vergabe öffentlicher Aufträge an Frauenquoten in Unternehmen koppeln. Und bitte keine Diskussion um Quotenfrauen: Es gibt genug Männer, die auf dem Chefsessel sitzen, nur weil sie Männer sind.

Noch ein Faktum: Frauen verdienen weniger - unabhängig von ihrer Funktion. Manager streichen pro Jahr im Schnitt 121.220 Euro brutto ein, Frauen nur 85.170 Euro, zeigt eine Triconsult-Studie im Auftrag des Wirtschaftsforums der Führungskräfte. Laut einer WU-Studie kommen auch Frauen, die keine Kinder haben, schwer weiter auf der Karriereleiter. Es stimmt: Frauen, meist Mütter, arbeiten öfter Teilzeit als Männer - aber nicht immer freiwillig. Sie tragen die Hauptlast für Kinder und Haushalt - eine logische Folge aus den Gehaltsdifferenzen zwischen Mann und Frau. Flexiblere Kinderbetreuungen würde Eltern das Leben erleichtern. Es ist etwas faul in dieser Heimat großer Söhne (sic!). Das ist schade, weil wir großes Potenzial verschwenden und leichtfertig auf gut ausgebildete Menschen (Frauen) in der Wirtschaft verzichten.

Übrigens: Eine Ifes-Umfrage im Auftrag des WirtschaftsBlatt zeigt eine erfreuliche Tendenz: 2007 hatten wir 14 Prozent Leserinnen, jetzt sind es 23 Prozent - ich hoffe, möglichst viele in Chefposition. Die Hoffnung stirbt zuletzt, bald in der Heimat großer Menschen anzukommen.

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