Paula Modersohn-Becker: "Selbstporträt am 6. Hochzeitstag" in der Kunsthalle Krems eingelangt

Krems (OTS) - Nur einmal durfte das Gemälde in den letzten hundert Jahren reisen. Heute wurde es in die Kunsthalle Krems geliefert: Das "Selbstportät am 6. Hochzeitstag" von Paula Modersohn-Becker. Kurz vor dem Internationalen Frauentag am 8. März wurde das wertvolle Gemälde in der Kunsthalle Krems angeliefert und unter den wachsamen Augen von Kunstmeile-Leiter Hans-Peter Wipplinger ausgepackt. Nach der Tate Gallery in London wird nun die Kunsthalle Krems als zweite Kunstinstitution in den letzten 100 Jahren die Ehre haben, diese Ikone der Kunstgeschichte auszustellen.

1906. Die junge Frau steht in ihrem Zimmer in Paris. Sie trägt ein Tuch um die Hüften und eine grobe Bernsteinkette um den Hals, sonst nichts. Mit 30 sehnt sie sich nach einem Kind. Mutter zu werden ist das letzte große Geheimnis, das sie für sich entdecken will, obwohl sie vor nicht allzu langer Zeit ihren Ehemann verlassen hat, um in Paris ihrer Leidenschaft der Malerei nachzugehen. Die junge Frau streckt den Bauch aus, legt ihre Hand darauf und stellt sich vor, wie es denn wäre, darunter Leben wachsen zu spüren. In ihrem Blick liegt Verletzlichkeit und eine tiefe Verwundung über die fünfjährige kinderlose Ehe, der sie mit ihrer Reise nach Paris ein vorläufiges Ende gesetzt hatte. Zugleich schaut sie herausfordernd und selbstbewusst in den Spiegel, der ihr das Abbild zeigt, nach dem sie sich selbst porträtiert.

Zu ihren Lebzeiten sollte das so entstandene Gemälde niemand zu Gesicht bekommen. 1906 hätte es für einen Skandal gesorgt. Heute ist es bemerkenswerter Beleg für die kunstgeschichtliche Bedeutung von Paula Modersohn-Becker (1876-1907). Immerhin handelt es sich bei dem Selbstporträt um den ersten weiblichen Halbakt der Kunstgeschichte. 1906 hätte Modersohn-Becker mit diesem Bild gegen gesellschaftliche Konventionen verstoßen und der Weiblichkeitskonzeption zu einem Paradigmenwechsel verholfen. Mit diesem Porträt hat es die Malerin geschafft gleich zwei Mal Vorreiterin der Frauenbewegung zu werden. Zum einen, weil sie zu Beginn des 20. Jahrhunderts durch ihren Halbakt die Rolle der Frau als für männliche Blicke präpariertes Objekt in Frage stellte und zum anderen, weil sie als Malerin auf ihr Recht sich selbst zu verwirklichen und gesund egoistisch zu handeln, bestand und als Konsequenz daraus Ehemann und Stieftochter verließ.

Paula Modersohn-Becker besticht durch ihr beeindruckendes künstlerisches Oeuvre, das ab 14. März in der Kunsthalle Krems präsentiert ist. Zugleich fasziniert die Malerin durch ihr bewegtes Leben. Nie hat sie sich um gesellschaftliche Restriktionen gekümmert, die sie in ihrem Fortkommen als Malerin gehindert hätten, und dennoch hat sie ihren großen Erfolg nicht mehr erlebt. Paula Modersohn-Becker, die berühmteste Malerin Deutschlands, starb mit 31 Jahren nur 18 Tage nach der Geburt ihrer Tochter Mathilde.

Digitale Pressemappe: http://www.ots.at/pressemappe/10659

Rückfragen & Kontakt:

Irina Kubadinow
Leitung Kommunikation / Marketing
Tel.: +43 2732 90 80 10 - 175
mobil: 0664 60499 175
irina.kubadinow@kunsthalle.at

Verena Randolf
Pressereferentin
Tel.: +43 2732 90 80 10 - 172
Tel.: 0664 60499 172
verena.randolf@kunsthalle.at

OTS-ORIGINALTEXT PRESSEAUSSENDUNG UNTER AUSSCHLIESSLICHER INHALTLICHER VERANTWORTUNG DES AUSSENDERS | KUK0001