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Wiener Zeitung: Leitartikel von Walter Hämmerle: "Das ewiggleiche Spiel"
Ausgabe vom 5. März 2010
Wien (OTS) - Wie umgehen mit Frau Rosenkranz? "Obs edler im Gemüt,
die Pfeil und Schleudern des wütenden Geschicks erdulden oder, sich
waffnend gegen eine See von Plagen, durch Widerstand sie enden?" Also
quält sich Hamlet, hin- und hergerissen zwischen Resignation und
Tatkraft, in Shakespeares gleichnamigem Drama.
Österreichs Medien sehen sich durch die Kandidatur der FPÖ-Frontfrau
für das höchste Amt im Staat offensichtlich vor die gleiche Frage
gestellt. Doch anders als der Dänen-Prinz haben sie sich nicht lange
mit Zögern und Zaudern aufgehalten. Die Fronten waren vielmehr von
Beginn an klar abgesteckt: Auf der einen Seite die mit Abstand größte
Tageszeitung des Landes, die eine klare Wahlempfehlung für Barbara
Rosenkranz als Redaktionslinie ausgegeben hat; auf der anderen Seite
praktisch alle anderen Medien, die mit geballter Wucht gegen das
seltsame Geschichtsverständnis der zehnfachen Mutter anschreiben.
Neu ist das alles nicht - weder die Positionen von Frau Rosenkranz
noch die Empörungsspirale, in die sich die mediale Öffentlichkeit
begeben hat. So war es zuvor schon bei Jörg Haider, später dann bei
Heinz-Christian Strache, nun bei Martin Graf und eben auch
Rosenkranz.
Der Trick dabei ist immer derselbe und er funktioniert bei
Österreichs einschlägig konditionierter politischer Öffentlichkeit
nahezu perfekt: Die einen verstoßen mit Lust und kalkulierter Absicht
gegen etablierte Tabus, die anderen laufen dagegen Sturm, woraufhin
die Provokateure noch ein Schäuferl nachlegen, was die anderen zu
publizistischen Großtaten im Sinne eines "Wehret den Anfängen"
motiviert. Und das Beste ist: Das Ganze lässt sich aus den
Erfahrungen der letzten Jahrzehnte beliebig oft wiederholen.
Geschadet hat all dies nicht der FPÖ, sondern den etablierten
politischen Parteien. Vielleicht ist es deshalb an der Zeit, sich
neue Strategien im Umgang mit der FPÖ zu überlegen - politisch und
medial. SPÖ und ÖVP könnten es etwa beispielsweise einmal mit einer
konzeptionell schlüssigen Politik versuchen, die sich an den realen
Problemen des Landes orientiert. Dann hätten auch die Zeitungen
Vernünftigeres zu schreiben.
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