• 04.03.2010, 11:55:06
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Frühlingsbeginn und "Samaritertourismus": Zecken- und Stechmückengefahr bei Hunden weitgehend unterschätzt - BILD

http://pressefotos.at/m.php?g=1&u=38&dir=201003&e=20100304_f&a=event 
Frühlingsbeginn und Samaritertourismus - V.l.n.r.: Dr. Michael Leschnik (Veterinärmedizinische Universität Wien, Abteilung für interne Medizin Kleintiere), Christian Bucher (betroffener Hundebesitzer), Dr. Walter Holzhacker (Präsident der österr. Tierärztekammer), Dr. Heinz A. Gilli (Tierarzt, Steiermark)

Wien (OTS) - Zecken aber auch Stechmücken stellen nicht nur für
Menschen eine Bedrohung dar. Einer in Ostösterreich durchgeführten
Risikoanalyse zufolge liegt die Wahrscheinlichkeit für Hunde, sich in
betroffenen Gebieten innerhalb eines Jahres mit Borreliose zu
infizieren bei 20 Prozent. Bei FSME beträgt die Wahrscheinlichkeit
rund 11 Prozent und bei Anaplasmose 22 Prozent. Oftmals führen diese
Erkrankungen zu lebenslangen Schäden oder zum Tod des Hundes. Immer
milder werdende klimatische Bedingungen, eine zunehmende Mobilität
der Gesellschaft sowie die einsetzende Reisezeit begünstigen weitere
Infektionen. Trotzdem wird die Gefahr, die von Zecken und Stechmücken
ausgeht, nach wir vor unterschätzt.

Graz, Fürstenfeld, Neusiedl am See, Mödling, Wien, St. Pölten sind
nur einige Orte, die laut "Zeckenkarte" besonders viele dokumentierte
FSME-Fälle aufweisen. Wärmere klimatische Bedingungen sowie eine
vermehrte Reisetätigkeit mit Hund und der Import von Hunden führen
aber auch immer häufiger zu bisher noch unbekannten Infektionen mit
Krankheiten wie Dirofilariose oder Leishmaniose. Werden erste
Symptome dieser Erkrankungen nicht richtig oder zu spät erkannt, kann
dies einen langen, lebensbedrohlichen Krankheitsverlauf nach sich
ziehen. "Selten sind sich die Menschen der Gefahr bewusst, die von
Zecken und Stechmücken ausgeht. Nicht nur auf Reisen, sondern auch
für den Alltag ist eine entsprechende Beratung durch den Tierarzt
über Präventionsmöglichkeiten daher anzuraten", so Dr. Michael
Leschnik von der Veterinärmedizinischen Universität Wien.

Hunde sind optimale Wirtstiere für Zecken

Entgegen der allgemeinen Annahme lauern Zecken nicht auf Bäumen,
sondern auf bodennahen Gräsern, Sträuchern und an Wegrändern. Das
heißt nicht nur am Land, auch in städtischen Parks besteht Gefahr.
Die Aktivitätsphase von Zecken beginnt bereits ab einer Temperatur
von rund 7GradC. "Der meiste Zeckenbefall konnte im März, April und
Mai nachgewiesen werden. Selbst in den Monaten November und Dezember
waren die Spinnentiere aktiv", weiß Dr. Leschnik. Die globale
Erwärmung und die damit verbundenen milderen klimatischen Bedingungen
verlängern die Aktivitätsphase der Spinnentiere zusätzlich, was
höhere Krankheitszahlen zur Folge haben kann. Zu den häufigsten in
Österreich durch Zecken übertragenen Erkrankungen zählen:
Anaplasmose, Borreliose, FSME, Babesiose, auch Hundemalaria genannt
und Ehrlichiose. Die Krankheiten rufen Symptome wie Fieber, Lahmheit,
Gelenksentzündungen, Appetitlosigkeit und Gewichtsverlust hervor. Im
schlimmsten Fall können sie für den Hund tödlich enden. "Die Diagnose
erweist sich gelegentlich als sehr aufwendig und nicht in jedem Fall
als sicher, wobei speziell die Diagnose Borreliose als äußerst
problematisch anzusehen ist. Gleiches gilt für die Therapie", weiß
Dr. Heinz Gilli, Niedergelassener Tierarzt in Oberaich, einer stark
betroffenen Region in der Steiermark. FSME kann nicht nur für
Menschen sondern auch für Hunde eine große Bedrohung darstellen. In
endemischen Gebieten liegt die Wahrscheinlichkeit mit dem FSME
Erreger in Kontakt zu kommen bei über 11 Prozent. Christian Buchner,
sein Labrador Samson fiel dieser Krankheit zum Opfer, schildert:
"Erste Symptome zeigten sich bereits kurz nach dem Zeckenbiss. Samson
hatte plötzlich Koordinationsschwierigkeiten und Probleme beim Gehen.
Zwei Tage später war mein Hund bereits vollständig gelähmt. Trotz
hoher Cortisondosierung und Antibiotikabehandlung trat keine
Besserung ein." Neben dem monatelangen Leidensweg des Tieres, können
Erkrankungen dieser Art auch für den Hundehalter finanziell und
zeitlich eine große Belastung darstellen. "Es ist daher von großer
Wichtigkeit, Haustierbesitzer über gefährliche Krankheiten und deren
Überträger zu informieren und auch zu einer verlässlichen Vorsorge
aufzurufen", so Buchner.

Reisekrankheiten gewinnen in Veterinärmedizin immer mehr an Bedeutung

"Während man es bei der Katze vornehmlich mit so genannten
'heimischen Blutparasiten' zu tun hat, wird der Tierarzt beim Hund
immer mit 'neuen' Erkrankungen konfrontiert", berichtet Dr. Leschnik.
Die zunehmende Reisezeit, eine vermehrte Mobilität der Gesellschaft,
aber auch Klimaerwärmung begünstigen das Zunehmen von ursprünglich
mediterranen Krankheiten wie die durch Sandmücken übertragene
Leishmaniose. Diese kann eine Inkubationszeit von bis zu 7 Jahren
aufweisen und führt unbehandelt in bis zu 90 Prozent der Fälle zum
Tod des Hundes. "Nicht nur heimische Blutsauger wie Zecken werden so
gefährlicher, auch Arten, die vorrangig in anderen Gebieten
anzutreffen sind, finden in unseren Breiten einen zunehmend
attraktiven Lebensraum", erklärt Dr. Michael Holzhacker, Präsident
der Österreichischen Tierärztekammer. Ein weiterer Faktor für das
vermehrte Auftreten von bisher unbekannten Erregern ist aber auch der
zunehmende Import von Hunden. "Gründe für den vermehrten Import von
Hunden aus dem Ausland sind unter anderem auch die dort herrschenden
günstigen Zuchtbedingungen sowie der so genannte
'Samaritertourismus'. Tierschutzorganisationen, aber auch
Privatpersonen bringen herrenlose und oftmals kranke Hunde aus dem
Ausland nach Österreich, ohne über Konsequenzen und Infektionsrisikos
nachzudenken", so Dr. Leschnik.

Prophylaxe unbedingt mit dem Tierarzt absprechen

Zu den meist betroffenen Bissstellen bei Hunden zählen, aufgrund
ihrer leichten Zugänglichkeit, Körperregionen wie Kopf (14,6
Prozent), Ohren (14,3 Prozent) und Hals (11,8 Prozent). "Ohne
Prophylaxe konnten pro Tier durchschnittlich 10 bis 15 Zecken
festgestellt werden", so Dr. Leschnik. Die erhältlichen Präparate
sowie die Möglichkeiten der Anwendung sollten in jedem Fall mit dem
Tierarzt abgesprochen werden. Die Produkte bieten einen verlässlichen
sowie geruchlosen Schutz, sind wasserfest und die Wirkung bleibt über
mehrere Monate aufrecht. "Die Anwendung der Präparate muss exakt
eingehalten werden, um eine volle Wirksamkeit zu gewährleisten. Bei
starker Exposition sollte eine ganzjährige Zeckenprophylaxe
durchgeführt werden, da die Spinnentiere selbst im Winter bei
niedrigen Temperaturen nachgewiesen werden konnten", so Dr. Leschnik
weiter.

Um Hunde vor Reisekrankheiten wie Leishmaniose zu schützen, wird
empfohlen, die Tiere nach Dämmerungseinbruch nicht mehr außer Haus zu
lassen und den Schlafplatz mit Mosquitonetzen zu schützen. Der
wirksamste Schutz ist aber den Hund erst gar nicht auf Reisen in
südliche Länder mitzunehmen.

Hinweis für Redaktionen:
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Mag. Elisabeth Kranawetvogel - DI(FH) Elena Bertolini
Public Relations
Tel.: 01/402 13 41-40 bzw. 37
E-Mail: [email protected]

Digitale Pressemappe: http://www.ots.at/pressemappe/2061

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