ARBÖ: Maximaler Schutz für wenig Geld: Warnweste für alle Europäer

Wissenschaftliche Blickstudie aus Österreich zeigt: Vier Sekunden zwischen Leben und Tod

Wien (OTS) - Bei Unfällen und Pannen bietet eine reflektierende Warnweste den betroffenen Autofahrerinnen und Autofahrern einen maximalen Schutz für wenig Geld. "Wir wollen die Warnweste für alle Europäer. Ihre Verwendung soll europaweit einheitlich geregelt sein, zumindest auf Autobahnen und Schnellstraßen."Mit diesen Worten startete der Präsident des Verbundes Europäischer Automobilclubs (EAC), Peter Stuppacher am Mittwoch Abend im Europäischen Parlament in Brüssel eine gemeinsame Initiative mit dem Delegationsleiter der Österreichischen SPÖ-Abgeordneten im Europaparlament und Verkehrsausschussmitglied Mag. Jörg Leichtfried.

Der Zeitpunkt für eine EU-weite Harmonisierung sei günstig, betonte Leichtfried: "In 14 EU-Staaten ist dieser Bereich noch gar nicht geregelt, darunter sehr bevölkerungsreiche, wie Deutschland. Eine Warnwestenpflicht gibt es derzeit in 13 von 27 EU-Mitgliedsstaaten: Belgien, Bulgarien, Finnland, Frankreich, Italien, Luxemburg, Österreich, Portugal, Rumänien, Spanien, Slowakei, Slowenien und Ungarn." Allerdings ist der Einsatz der Warnweste in diesen Ländern unterschiedlich geregelt. Zum Beispiel müssen in fünf dieser Staaten lediglich die Lenker eine Warnweste tragen, in den anderen acht hingegen auch alle Mitfahrer. "So einen Fleckerlteppich brauchen wird nicht", meint Leichtfried.

Unterschiedliche Insellösungen bei offenen Grenzen machen keinen Sinn, schon gar nicht wenn rasches Handeln lebensrettend sein kann, betonte EAC-Präsident Stuppacher: "Warum sollen 246 Millionen Europäer nicht haben, was für 252 Millionen Europäer selbstverständlich ist? Die Verwendung von Warnwesten schreit nach einer europäischen Lösung." Prominent unterstützt wird diese Initiative durch Österreichs Bundesministerin für Verkehr, Innovation und Technologie Doris Bures mit einer klaren Grußbotschaft aus Wien:
"Sicherheit hat Vorrang. Ich unterstütze daher eine einheitliche Verwendung der Warnweste in ganz Europa."

Der handfeste Sicherheitsgewinn durch Warnwesten wurde am Beispiel Österreichs gleich doppelt untermauert: Erstens durch eine wissenschaftliche Blickstudie von viewpointsystem/EPIGUS. Zweitens durch eine eindrucksvolle Verbesserung der Unfallbilanz auf Österreichs Autobahnen und Schnellstraßen seit Einführung der Warnwestenpflicht. Österreich hat am 1. Mai 2005 als einer der ersten EU-Staaten die Warenwestenpflicht eingeführt.

Die Studie wurde vom österreichischen EPIGUS-Institut für ganzheitliche Unfall- und Sicherheitsforschung auf Grundlage der wissenschaftlichen Blickanalysen von viewpointsystem erstellt. Finanziert wurde die Studie vom österreichischen Bundesministerium für Verkehr, Innovation und Technologie (Verkehrssicherheitsfonds, VSF) - und von der österreichischen Autofahrerorganisation ARBÖ, die gemeinsam mit vier deutschen Autofahrerclubs dem EAC angehört. Mit Hilfe der von viewpointsystem entwickelten spezifischen Spezialtechnik, die auch weltweit ein Novum darstellt, ist es möglich, das Wahrnehmungsverhalten der Autofahrer genauestens zu visualisieren. Mit einer zeitlichen Genauigkeit von 40 Tausendstelsekunden und einer Punktgenauigkeit von einer Zigarettenschachtel auf 30 Meter wurde das Blickverhalten untersucht und mit Hilfe von High-Tech-Rasteranalyseprogrammen die Qualität der Wahrnehmung geprüft.

"Wer in der Nacht auf dem Pannenstreifen steht und eine Warnweste trägt, wird von den anderen Autofahrern im schlechtesten Fall vier Sekunden vor dem Vorbeifahren gesehen. Bei einer Fahrtgeschwindigkeit von 110 km/h ist man also 120 Meter vorher sichtbar", brachte Mag. Christoph Pfleger, Geschäftsführer der viewpointsystem gmbh, das Kernergebnis der Studie auf den Punkt. "Ohne Warnweste ist man quasi unsichtbar und hat vor allem in der Nacht null Chancen, von anderen Verkehrsteilnehmern gesehen zu werden."

Österreichs Unfallstatistik zeigt seit Einführung der Warnwestenpflicht eine signifikante Verbesserung des Unfallgeschehens bei ausgewählten Unfalltypen, in denen Warnwesten eine Rolle spielen ("Auffahrunfälle auf stehende Objekte" und "Fußgängerunfälle" auf Autobahnen und Schnellstraßen).Verglichen wurde das Unfallgeschehen bei diesen zwei Unfalltypen drei Jahre vor und drei Jahre nach Einführung der Warnwestenpflicht. Analysiert wurden die Zahlen der Unfälle und der Verunglückten (=Tote und Verletzte) auf Autobahnen und Schnellstraßen (=hochrangiges Straßennetz).

In der "westenlosen" Zeit gab es in Österreich im Jahresschnitt 36 Unfälle und 55 Verunglückte (2002 bis 2003). In der Warnwestenzeit waren es 22 Unfälle und 26 Verglückte im Jahresschnitt (2006 bis 2008). Die Unfälle haben sich um 39 % reduziert, die Zahl der Verunglückten ist sogar um 53 % zurückgegangen. "Das ist eine markante Verbesserung und zeigt die positive Auswirkung dieser reflektierenden Schutzweste", stellte der EAC-Präsident fest. Es wurde damit eine viel deutlichere Senkung der Unfallzahlen und Unfallopfer erzielt, als sonst auf Autobahnen und Schnellstraßen, wo Unfälle und Verunglückte nur um jeweils 17 % zurückgegangen sind

Als Ergebnis des Parlamentarischen Abends in Brüssel bringt MEP Leichtfried eine schriftliche Anfrage an den EU-Verkehrskommissar Siim Kallas ein, die folgende Forderungen enthält:
* Eine Mitnahme- und Tragepflicht von Warnwesten für Pkw-Fahrer in ganz Europa.
* Die einheitliche Verwendung von Warnwesten in ganz Europa, zumindest aber auf Autobahnen und Schnellstraßen.
* Die Empfehlung, dass im Bedarfsfall nicht nur Lenker die Weste tragen sollen, sondern auch alle Mitfahrer.

Auf eine derartige schriftliche Anfrage muss die EU-Kommission auf alle Fälle reagieren.
Dazu Leichtfried: "Wir hoffen, damit mit wenig Aufwand einen wichtigen Schritt zu mehr Verkehrssicherheit für alle Menschen in Europa gesetzt zu haben."

Der Verbund Europäischer Automobil Clubs wurde 2007 gegründet. Ihm gehören fünf Autofahrerorganisationen aus Deutschland und Österreich an: ACE (Auto Club Europa e.V.), ACV (Automobil-Club Verkehr), ARBÖ (Auto-, Motor- und Radfahrerbund Österreichs), ARCD (Auto- und Reise-Club Deutschland) und KS (Kraftfahrer-Schutz e.V.). Peter Stuppacher ist Generalsekretär des ARBÖ und seit November 2009 Präsident des EAC.

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