• 02.03.2010, 18:30:14
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WirtschaftsBlatt-Leitartikel: Die Lizenz zum Abkassieren - von Robert Lechner

Dividende zahlen allein ist keine besonders clevere Strategie

Wien (OTS) - Zumindest 240 Millionen Euro an Dividende werden
heuer an die staatliche Beteiligungsholding ÖIAG fließen. Ausbezahlt
werden dabei Anteile an jenen Gewinnen, die Post, Telekom und OMV im
Vorjahr erwirtschaftet haben. Und das war bekanntlich das
wirtschaftlich schwierigste Jahr seit 1930. Bemerkenswert dabei:
Während die Konjunkturdelle bei allen ÖIAG-Beteiligungen tiefe Spuren
hinterlassen hat, zeigt sich der Staat beim Griff in die Kassen
seiner Paradeunternehmener dynamisch wie eh und je. Das führt sogar
soweit, dass etwa bei der Telekom Austria exakt 99,6 Prozent des
ausgewiesenen Jahresüberschusses in Richtung ÖIAG fließen. Die
Staatsholding hält freilich nicht einmal ganz ein Drittel der
Anteile, was bedeutet, dass Österreichs größter Technologiekonzern
ein Vielfaches seines zuletzt erwirtschafteten Jahresgewinnen
ausschütten wird.

Hinter dieser Entscheidung stehen auch politische Interessen. Die
beim Finanzministerium ressortierende Staatsholding ist quasi per
Budgetgesetz dazu verdonnert, ihre Beteiligungen auszuräumen.
Angesichts der knappen Staatsfinanzen ist auch nachvollziehbar, dass
Hinweise auf die Wirtschaftskrise und die möglicherweise verspielte
Zukunft der Unternehmen sofort vom Tisch gewischt werden. Noch dazu
gibt es zahlreiche internationale Vorbilder. Gerade
Infrastrukturunternehmen werden von Regierungen gerne als Melkkuh
verwendet. Und auch die privat beteiligten Investoren haben sich
daran gewöhnt, dass von Telekom- und Postgesellschaften außer hohen
Dividenden nichts zu erwarten ist. Bei der Österreichischen Post ist
dieses Argument sei jeher die einzige herzeigbare Investmentstory.
Besonders clever ist die Strategie freilich nicht. Als Beweis dafür
genügt ein Blick nach Übersee. Konzerne wie Microsoft oder Apple
haben es nicht zuletzt deshalb zu Technologieführern geschafft, weil
sie stets auf die Kraft der Innenfinanzierung gesetzt haben. Bei
Microsoft etwa gab es de facto die ersten zwanzig Jahre trotz hoher
Profite keine Ausschüttungen. Das Geld wurde lieber in der
Entwicklung eingesetzt oder für Zukäufe verwendet.

Ein Rezept, dass auch hierzulande nicht schaden könnte. Die Telekom
braucht hunderte Millionen Euro, um sich ihre Position mit Hilfe des
Glasfaserausbaus absichern zu können. Auch die Post ist nicht
automatisch dazu verdonnert, dahinzusiechen und zu warten, bis ihr
die Marktanteile davonschwimmen.

Wie wärs mit dem Aufbau eines Logistikkonzerns, der auch von Services
abseits des klassischen Brief- und Paketgeschäftes lebt? Das Problem
dabei: Solange von staatlicher Seite nur Bewahrer und willfährige
Gehilfen als Manager eingesetzt werden, bleiben teilverstaatlichte
Konzerne oft nichts als fantasielose Dividendenbringer.

Rückfragehinweis:
Wirtschaftsblatt Verlag AG
Tel.: Tel.: 01/60117 / 300
mailto:[email protected]

Digitale Pressemappe: http://www.ots.at/pressemappe/236

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