Prolactal geht in die Offensive

Hartberg (OTS) -

  • Mögliche Ursache des Listerienbefalls in geänderter Bakterienkultur.
  • Trotz laufendem und engmaschigem Monitoring wurde funktionierendes Kontrollsystem möglicherweise nicht eingehalten.
  • Uneingeschränkte Aufklärung und Zusammenarbeit mit den Behörden zugesichert.

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Unternehmensleitung und Belegschaft von Prolactal sind schockiert darüber, dass Menschen durch Quargel unseres Unternehmens erkrankt oder sogar verstorben sein könnten. Wir möchten den Hinterbliebenen und Angehörigen unser tief empfundenes Mitgefühl und aufrichtiges Beileid übermitteln. Wir müssen mit Betroffenheit zur Kenntnis nehmen, dass nach wie vor nicht endgültig fest steht, ob der Genuss von Quargel den Tod von mehreren Menschen verursacht hat, wenngleich dies derzeit nicht auszuschließen ist.

Diese Ungewissheit lässt uns nicht ruhen und wir haben seit Auftauchen des Verdachts im Jänner alles unternommen, um die Ursache des Listerienbefalls von Quargelprodukten aus unserem Unternehmen aufzuklären.

Listerien kommen überall vor

Listerien sind Umweltkeime und kommen auch in Lebensmitteln vor -etwa in Sauermilchkäse, Rotschimmelkäse, Salat, rohem Fleisch oder etwa Räucherlachs. Listerien sind, bis auf wenige Ausnahmen für Menschen nicht gefährlich. Eine der Ausnahmen ist der Stamm Listeria monocytogenes. Dieser Stamm ist besonders für abwehrgeschwächte Personen gefährlich, etwa ältere Menschen, Patienten mit chronischen Erkrankungen, Patienten nach Transplantationen, mit Krebserkrankungen, AIDS, Diabetes oder Leberzirrhose, sowie Schwangere.

Listerien haben die Eigenschaft, sich zurückzuziehen bzw. in eine "Ruhephase" überzugehen, wenn sie mit saurem Milieu in Berührung kommen. Topfen, das Ausgangsprodukt für Quargel, ist für Listerien ein solches saures Milieu. Listerien sind im Topfen im Prinzip nicht nachweisbar. Sie werden bei Veränderungen des ph-Wertes, oder bei einer Temperatur von 7-8 Grad wieder aktiv.

Im vorliegenden Fall kommt erschwerend hinzu, dass es sich bei dem im Quargel gefundenen Listerienstamm um einen bis dato in Österreich völlig unbekannten und besonders aggressiven Stamm handelt.

Mögliche Einbringung durch Dungkäfer

Im Zuge von Umbau- und Modernisierungsarbeiten der Produktionsräumlichkeiten wurden aus Werkschutzgründen an den Außenwänden der Werksgebäude Scheinwerfer angebracht.
Für die Lebensmittelindustrie gibt es die Vorschrift, dass ein Fenster zu öffnen sein muss. Dieses Fenster muss laut Vorschrift mit einem engmaschigen Fliegengitter versehen werden. Diese Vorschriften wurden von uns selbstverständlich umgesetzt. Nachdem im Herbst 2009 bei Proben vereinzelt Listerien im zulässigen Bereich nachgewiesen wurden, hat das Unternehmen intensiv mit der Ursachenforschung begonnen. Oberstes Ziel war, die Übertragungsquelle der Listerien zu finden und sofort zu stoppen. Im Zuge dessen wurden auch die in der Lebensmittelproduktion vorgeschriebenen UV-Insekten-Fallen und die darin befindlichen Klebefolien einer Überprüfung unterzogen. Auf den Klebefolien konnten im beauftragten Labor Dungkäfer nachgewiesen werden. Dungkäfer leben in listerienhaltigem Milieu und können deshalb Listerien einbringen.

Als das Ergebnis der Untersuchungen vorlag, wurde die Produktionsstätte von externen Experten gereinigt und desinfiziert, um sicher zu gehen, dass die Listerien keinerlei Nährboden mehr haben. Zudem wurde das Fenster abgedichtet und verschlossen, so dass es nicht mehr zu öffnen war. Listerien waren nach den vorgenommenen Reinigungsarbeiten in den Produktionshallen nicht mehr nachweisbar.

Nach den nunmehr vorliegenden Untersuchungsergebnissen muss das Unternehmen davon ausgehen, dass ungeachtet der vorgenommenen Maßnahmen Listerien in den Räumlichkeiten weiterhin vorhanden waren.

Laufendes engmaschiges Monitoring und strenge Kontrollen

Nachdem im Herbst 2009 trotz der beschriebenen Maßnahmen bei den amtlich vorgeschriebenen Proben vereinzelt Listerien im zulässigen Bereich zu verzeichnen waren, hat das Unternehmen zusätzliche Vorkehrungen zur Abwehr ergriffen. So wurden etwa die vorhandenen Hygienemaßnahmen ausgeweitet.

Waren im Zuge der Probenuntersuchungen in unabhängigen Labors Listerien nachgewiesen, so wurde sofort eine zweite Untersuchung vorgenommen, die alle jeweils das Ergebnis keine nachweisbaren Listerien erbrachten.

So etwa wurden vom Deutschen MUVA-Institut im Dezember 2009 erhöhte Werte in Quargel, der im Deutschen Handel erhältlich war, gemeldet. Daraufhin beauftragte das Unternehmen vier unabhängige Labors die gesetzlich vorgeschriebenen, sogenannten Rückhalteproben, zu untersuchen. Alle vier Labors meldeten dem Unternehmen, dass Listerien in den Proben nicht nachweisbar sind. Das Unternehmen konnte davon ausgehen, dass in den getesteten Chargen keine Listerien vorhanden sind.

Schutzkulturen in der Käseproduktion schützen vor Listerien

Generell muss nochmals drauf hingewiesen werden, dass Listerien in Lebensmitteln, also auch in Käse vorkommen können. Um Listerien abzutöten und deren Nachwachsen zu verhindern, werden sogenannte Schutzkulturen - gesetzlich erlaubte Konservierungsmittel -eingesetzt, die zudem die Reifung des Käses fördern. In der Quargelproduktion unseres Unternehmens wurden derartige Schutzkulturen ebenfalls eingesetzt.

Laut jetzt vorliegenden Ergebnissen wird davon ausgegangen, dass die Schutzkulturen trotz des erst im Herbst 2009 entdeckten Dungkäfers wirksam waren und ihre Wirkung entfaltet haben.

Nach neuerlichen Untersuchungen des Produktionsprozesses müssen wir heute davon ausgehen, dass durch ein Versehen im November 2009 zweimal die Schutzkulturen ausgetauscht wurden und Kulturen zum Einsatz kamen, die - wie sich nunmehr herausgestellt hat
- keinen ausreichenden Schutz gegen Listerien bieten. Im Rahmen des internen Warn- und Kontrollsystems hätte über den Kulturwechsel informiert werden müssen, was nach derzeitigem Wissenstand nicht geschah. Von diesem Kulturenwechsel erhielt die Geschäftsführung des Unternehmens erst im Jänner 2010 Kenntnis und es ist bedauerlicher Weise des Weiteren nicht auszuschließen, dass Quargel, die keinen wirksamen Listerienhemmer hatten, mit erhöhten Listerienwerten in den Handel gelangten, wovon das Unternehmen erst im Zuge der folgenden Begebenheiten Kenntnis erlangte. Die genaue zeitliche Abfolge wird jetzt Gegenstand behördlicher Untersuchungen.

Lieferstopp als Sofortmaßnahme

Am 13.01.2010 hat die Lebensmittelaufsichtsbehörde Proben im Unternehmen genommen, die dann in Folge lebensmittelrechtlich untersucht wurden. Am 19.01. wurde das Unternehmen durch die AGES erstmals mit dem Umstand konfrontiert, dass es Anhaltspunkte gibt, dass es im Jahr 2009 Listerienerkrankungen und in Folge Todesfälle gibt, die mit Quargel in Verbindung gebracht werden können. Als sofortige Reaktion auf diese Information verfügte das Unternehmen einen Liefer- und Produktionsstopp für sämtliche Quargelprodukte, um den gesamten Produktionsablauf nochmals zu überprüfen.

Am 19.01. hatte das Unternehmen noch keine Kenntnis über Untersuchungsergebnisse der am 13.01. entnommenen Probe.
Die amtlichen Ergebnisse dieser Probe vom 13.01. lagen dem Unternehmen am 22.01. 2010 vor. Das Ergebnis bei den fünf gezogenen Proben ergab, dass drei Proben Listerien im zulässigen Bereich aufwiesen und bei zwei Proben keine Listerien nachweisbar waren.

Am 22.01.2010 hat ein/e AGES-Mitarbeiter/in eine Warnung in das europäische Online-Warnsystem RASFF (Rapid Alert System Food and Feed) gestellt. Das Unternehmen hat auf die Warnung sofort reagiert eine sofortige freiwillige Rückholaktion in Gang gesetzt.

Am 25.01., also nach der Rückholaktion, erließ die Lebensmittelaufsichtsbehörde einen Bescheid, dass die Auslieferung von Quargel erst nach erneuten Proben gestattet wird.

Offene Zusammenarbeit mit der Behörde zur restlosen Aufklärung

Das Unternehmen hat sofort nach Bekanntwerden der erhöhten Listerienwerte den Behörden offene und aktive Zusammenarbeit versichert. Alle Daten und Fakten wurden gesammelt und werden den Behörden selbstverständlich zur Verfügung gestellt. Nach dem nun die weiter oben erläuterten Ergebnisse der Untersuchungen vorliegen, wird das Unternehmen den Behörden eine Darstellung des Sachverhaltes übermitteln. Nach Vorliegen neuer Erkenntnisse wird das Unternehmen Kunden, Lieferenten und die Öffentlichkeit darüber informieren.

Für Geschäftsführung und Mitarbeiter des Unternehmens steht restlose Aufklärung im Vordergrund, um Klarheit darüber zu erhalten, inwiefern der vom Unternehmen produzierte Quargel in Verbindung mit dem Tod von mehreren Menschen steht.

Digitale Pressemappe: http://www.ots.at/pressemappe/11005

Rückfragen & Kontakt:

Harald Schiffl
h.schiffl@preventk.com
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