"Kleine Zeitung" Kommentar: "Ein vernünftiger Verzicht" (Von Hubert Patterer)

Ausgabe vom 28.02.2010

Graz (OTS) - Heinz Fischer wird also voraussichtlich gegen die
Frau Rosenkranz antreten und den Herrn Bucher. Das wird die Frau Rosenkranz und den Herrn Bucher auf eine Bedeutungsebene heben, die ihnen schmeichelt und der Demokratie nicht weh tun wird. Da hat es ganz andere Bizarrerien im Ring gegeben, man denke an den Baumeister.

Es ist auch kein demokratiepolitischer Makel, dass die ÖVP keinen Kandidaten nominiert. Diese Präsidentenwahl ist keine Erstwahl. Zur Wahl steht die Wiederwahl. Der Amtsinhaber stellt sich noch einmal dem Souverän, der ihn einmal schon legitimiert hat. Ein abermaliger Gegenkandidat der ÖVP wäre nur dann geboten, wenn Verfehlungen eine Wiederwahl als unwahrscheinlich oder problematisch erscheinen ließen. Das ist bei Heinz Fischer nicht der Fall.

Bedeutet die Nicht-Kandidatur einen Mangel an Selbstachtung? Sehenden Auges eine Niederlage anzupeilen und dafür auch noch Millionen aufzubringen, hat nichts mit Selbstwert zu tun, sondern mit Unvernunft. Man lockt auch nicht die Bürgerlichen zu Strache. Wo ist Strache bürgerlich?

Die Botschaft der ÖVP hätte lauten müssen: Diese Regierung steht vor schweren Prüfungen. Sie muss alle Kräfte bündeln, um das Land aus der Krise zu führen; sie kann sich jetzt eine Frontstellung nicht leisten, sie wäre ein Frevel. Hätte Josef Pröll so argumentiert, er hätte Beifall für eine staatsmännische Geste erhoffen können. So erweckte das viel zu lange Zaudern den Eindruck personeller Not und Auszehrung.

Heinz Fischer ist ein beliebter Bundespräsident, der keine großen Fehler beging. Er repräsentiert das Land nach innen und außen untadelig. Auch das hätte Pröll ohne Souveränitätsverlust einbekennen können.

Fischer verleugnet seine sozialdemokratische Prägung nicht, aber er ist fast manisch beseelt vom Streben nach Ausgleich und Harmonie. Darin kommt er dem Wesen des Österreichers sehr nahe. Er ist die weiche Klammer für das Land, die nicht weh tut, auch nicht den Regierenden.

Wenn Fischer eine Schwäche hat, dann liegt sie genau darin. Die Macht, die ihm das Amt zuteilt, ist die des Wortes. Fischer setzt sie zu sparsam ein. Seine Vorsicht hemmt ihn. Wenn es zu Fehlentwicklungen in der Gesellschaft kommt, die Reformkraft erlahmt, Mutlosigkeit regiert, dann muss er als mahnende Instanz entschlossener in die Leerräume stoßen.

Sein Privileg ist: Fischer braucht in den letzten Jahren keine Rücksicht mehr zu nehmen. Er kann Bürgern und Parteien mehr zumuten als sanften Wohlklang. Freiheit verpflichtet: In der Schluss-etappe muss Fischer mehr sein als ein Notar des Bestehenden.****

Digitale Pressemappe: http://www.ots.at/pressemappe/442

Rückfragen & Kontakt:

Kleine Zeitung, Redaktionssekretariat, Tel.: 0316/875-4032, 4033, 4035, 4047, redaktion@kleinezeitung.at, http://www.kleinezeitung.at

OTS-ORIGINALTEXT PRESSEAUSSENDUNG UNTER AUSSCHLIESSLICHER INHALTLICHER VERANTWORTUNG DES AUSSENDERS | PKZ0001