• 27.02.2010, 18:54:26
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"Kleine Zeitung" Kommentar: "Ein vernünftiger Verzicht" (Von Hubert Patterer)

Ausgabe vom 28.02.2010

Graz (OTS) - Heinz Fischer wird also voraussichtlich gegen die
Frau Rosenkranz antreten und den Herrn Bucher. Das wird die Frau
Rosenkranz und den Herrn Bucher auf eine Bedeutungsebene heben, die
ihnen schmeichelt und der Demokratie nicht weh tun wird. Da hat es
ganz andere Bizarrerien im Ring gegeben, man denke an den Baumeister.

Es ist auch kein demokratiepolitischer Makel, dass die ÖVP keinen
Kandidaten nominiert. Diese Präsidentenwahl ist keine Erstwahl. Zur
Wahl steht die Wiederwahl. Der Amtsinhaber stellt sich noch einmal
dem Souverän, der ihn einmal schon legitimiert hat. Ein abermaliger
Gegenkandidat der ÖVP wäre nur dann geboten, wenn Verfehlungen eine
Wiederwahl als unwahrscheinlich oder problematisch erscheinen ließen.
Das ist bei Heinz Fischer nicht der Fall.

Bedeutet die Nicht-Kandidatur einen Mangel an Selbstachtung? Sehenden
Auges eine Niederlage anzupeilen und dafür auch noch Millionen
aufzubringen, hat nichts mit Selbstwert zu tun, sondern mit
Unvernunft. Man lockt auch nicht die Bürgerlichen zu Strache. Wo ist
Strache bürgerlich?

Die Botschaft der ÖVP hätte lauten müssen: Diese Regierung steht vor
schweren Prüfungen. Sie muss alle Kräfte bündeln, um das Land aus der
Krise zu führen; sie kann sich jetzt eine Frontstellung nicht
leisten, sie wäre ein Frevel. Hätte Josef Pröll so argumentiert, er
hätte Beifall für eine staatsmännische Geste erhoffen können. So
erweckte das viel zu lange Zaudern den Eindruck personeller Not und
Auszehrung.

Heinz Fischer ist ein beliebter Bundespräsident, der keine großen
Fehler beging. Er repräsentiert das Land nach innen und außen
untadelig. Auch das hätte Pröll ohne Souveränitätsverlust einbekennen
können.

Fischer verleugnet seine sozialdemokratische Prägung nicht, aber er
ist fast manisch beseelt vom Streben nach Ausgleich und Harmonie.
Darin kommt er dem Wesen des Österreichers sehr nahe. Er ist die
weiche Klammer für das Land, die nicht weh tut, auch nicht den
Regierenden.

Wenn Fischer eine Schwäche hat, dann liegt sie genau darin. Die
Macht, die ihm das Amt zuteilt, ist die des Wortes. Fischer setzt sie
zu sparsam ein. Seine Vorsicht hemmt ihn. Wenn es zu
Fehlentwicklungen in der Gesellschaft kommt, die Reformkraft erlahmt,
Mutlosigkeit regiert, dann muss er als mahnende Instanz
entschlossener in die Leerräume stoßen.

Sein Privileg ist: Fischer braucht in den letzten Jahren keine
Rücksicht mehr zu nehmen. Er kann Bürgern und Parteien mehr zumuten
als sanften Wohlklang. Freiheit verpflichtet: In der Schluss-etappe
muss Fischer mehr sein als ein Notar des Bestehenden.****

Rückfragehinweis:
Kleine Zeitung, Redaktionssekretariat, Tel.: 0316/875-4032, 4033, 4035, 4047, mailto:[email protected], http://www.kleinezeitung.at

Digitale Pressemappe: http://www.ots.at/pressemappe/442

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