"KURIER"-Kommentar von Gert Korentschnig: "Die Sex-Klischees"

Die Aktion in der Secession ist mindestens so banal wie die Debatte darüber.

Wien (OTS) - Wann hat der durchschnittlich kunstinteressierte
Wiener zuletzt über die Secession diskutiert? In diesem Jahrhundert? Wann war er zuletzt dort? Vor 20, 30, 40 Jahren?
Seit ein Swingerclub - als Projekt des Schweizers Christoph Büchel - einzog, ist die Secession mindestens so wichtig wie Olympia, die Bundespräsidentenwahl oder Eberau, also allgegenwärtig.
Die einen, die Weltoffenen und Liberalen, verteidigen die Freiheit der Kunst und sind glücklich, dass endlich jemand Verlogenheit und Doppelmoral thematisiert. Die anderen, die Erzkonservativen und Reaktionäre, sind empört und rufen wieder einmal den Verfall der Sitten bei gleichzeitig drohendem Weltuntergang aus.
Das sind schon die Grundfehler an der Debatte: Die Schubladisierung und die Ideologisierung. Man muss nicht prüde sein, um die Aktion spekulativ oder sogar kindisch zu finden. Sie missbraucht die Kunst zu eigenen PR-Zwecken. Und ist selbst voll mit jenen Klischees, gegen die anzukämpfen sie vorgibt. Im Grunde ist es eine Nicht-Aktion; es geht ja auch kaum jemand hin. Dass man in der Kunst oft mit nichts mehr erreicht als mit Substanziellem, ist der wahre Skandal.

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