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"Kleine Zeitung" Kommentar: "Wer ist stärker: Fischer oder Fischer?" (Von Eva Weissenberger)
Ausgabe vom 25.2.2010
Graz (OTS) - Heute wird offiziell, was längst offensichtlich war:
Die ÖVP schickt am 25. April keinen Kandidaten gegen Bundespräsident
Heinz Fischer ins Rennen. Das ist für eine Regierungs-, Mittel-,
staatstragende Partei armselig. Es signalisiert, dass diese Wahl
nicht wichtig sei - obwohl es um höchste Amt im Staate geht. Eine ÖVP
sollte doch bei jeder Wahl in der Lage sein, ihrem Koalitionspartner
SPÖ auf Augenhöhe gegenüber zu treten.
Trotzdem ist die Entscheidung logisch. So ein Hofburg-Wahlkampf
kostet - sofern es zwei aussichtsreiche Kandidaten gibt - locker
vier, fünf Millionen Euro. Geld, dass die ÖVP eh nicht hat und wenn,
dann lieber in die heurigen Landtagswahlkämpfe investieren würde. Im
Gegensatz zu Nationalratswahlen ersetzt die Staatskasse bei einer
Bundespräsidentenwahl nämlich keinen Cent an Wahlkampfkosten.
Zweitens hat man offenbar keinen Kandidaten gefunden, der attraktiv
genug ist, es mit Fischer aufzunehmen. Das spricht jetzt auch nicht
für die ÖVP, aber ein Amtsinhaber ist eben schwer zu schlagen. Warum
wollte der niederösterreichische Landeshauptmann Erwin Pröll
letztendlich nicht antreten? Wahrscheinlich zeigten ihm die Umfragen,
dass seine Chancen doch nicht so gut waren. Eine Niederlage will sich
ein Erwin, kann sich ein Josef Pröll nicht leisten. Der ÖVP-Chef hat
sich im Vorjahr ein Siegerimage erarbeitet, dass die burgenländische
Volkspartei im Frühling ohnehin ankratzen wird. Wer nicht in den Ring
steigt, kann nicht zu Boden gehen. Feig? Mag sein, aber taktisch
richtig.
Wer ist stärker: Fischer oder Fischer? Ich oder Ich? Das wird die
einzige spannende Frage sein, die sich am Wahlabend stellt. Das macht
die Abstimmung aber weder zur Farce, noch wird sie dadurch
undemokratisch.
1998 stellte die SPÖ auch keinen Gegenkandidaten zu Amtsinhaber
Thomas Klestil auf - und der war umstrittener als Fischer. Die
liberale Heide Schmidt und die evangelische Bischöfin Gertraud Knoll,
unterstützt von Grünen, einzelnen Roten und vielen Sozialvereinen,
erzielten Achtungserfolge. Nicht zu vergessen: Richard Lugner, noch
nicht ganz so schrullig wie heute, aber schon nicht ohne, kam auf
fast zehn Prozent. Das Amt hat keinen Schaden genommen.
Auch heuer haben die Oppositionsparteien nun wieder die Gelegenheit,
aufzuzeigen, die ihre besten Leute in die Auslage stellen, sich
verantwortungsbewusster als die ÖVP zu gerieren. Ausgerechnet die FPÖ
will die Chance nutzen. Und wie schaut es jetzt mit den anderen
beiden aus?****
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