• 18.02.2010, 10:17:56
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ÖAMTC testet europaweit Öffis - Wien auf Platz 3, München Sieger, Schlusslicht Zagreb (+Fotos, +Grafik)

Fahrzeit, Informationsangebot, Ticketpreise: So gut oder schlecht ist der Öffentliche Verkehr in Wien und weiteren 22 europäischen Großstädten

Wien (OTS) - Nicht schlecht fürs Erste, aber es geht noch besser:
So lässt sich das Ergebnis des jüngsten EuroTest zusammenfassen, den
der ÖAMTC mit 15 seiner europäischen Schwesterclubs durchgeführt hat.
Die öffentlichen Verkehrsmittel von 23 europäischen Großstädten
wurden unter die Lupe genommen. Zagreb erhielt als einzige Stadt ein
"sehr mangelhaft". Im Gegenzug schnitt München als einzige mit "sehr
gut" ab. Wien wurde mit "gut" beurteilt und liegt - hinter München
und Helsinki - an der dritten Stelle. Es wurde elf Mal die Note gut,
neun Mal die Note ausreichend, und einmal ein mangelhaft (an Laibach)
vergeben.

"Ein Öffi-Angebot wird dann angenommen, wenn es möglichst viele
Vorteile für den Fahrgast bringt", sagt ÖAMTC-Experte Markus
Schneider. Wie weit das den Städten gelingt, zeigt der Test. Geprüft
wurde nach vier Kategorien: Reisezeit, Umsteigemodalitäten,
Informationen für den Fahrgast vor und während der Fahrt sowie die
Fahrtkosten. In den 23 getesteten Städten wurden nach einem
einheitlichen Schema Haltestellen ausgewählt, zwischen denen sich die
Tester in den verschiedenen Verkehrsmitteln (Bus, U-Bahn etc.)
bewegten. Im Vorfeld des Vor-Ort-Tests erfolgte eine umfangreiche
Internetrecherche.

München, Wien und Zagreb - was den Unterschied ausmacht

Der Sieger München macht Lust auf Öffis und hat Vorbildfunktion.
Fast alle Verbindungen sind deutlich schneller als im europäischen
Durchschnitt - ob man vom Flughafen ins Zentrum fährt oder
innerstädtisch unterwegs ist. Die Preise wurden im Test zwar als
etwas zu hoch eingestuft, es gibt aber viele Ticketvarianten,
darunter ein Kurzstreckenticket um 1,10 Euro. "Die Beratung durch das
Personal der öffentlichen Linien ist kompetent", sagt der
ÖAMTC-Experte. In den Fahrzeugen sind Extra-Plätze für
mobilitätseingeschränkte Passagiere und Rollstühle ausgewiesen. Die
Fahrplanauskunft und umfassende Informationen sind im Internet in
fünf Sprachen verfügbar (in London erfolgt die Information sogar in
sagenhaften 16 Sprachen). Der Transport von Fahrrädern ist in S-Bahn
und U-Bahn sowie teilweise in Regionalzügen möglich. Es gibt auch ein
eigenes Fahrrad-Mietsystem.

In Wien bietet sich ein ähnlich positives Bild wie in der
Bayernmetropole, hinsichtlich Barrierefreiheit hatte Wien beim Test
sogar die Nase vorne. Alle zwölf Test-Haltestellen waren barrierefrei
und auch die Fahrkartenautomaten meist in rollstuhlgerechter Höhe
angebracht. Verbesserungsbedarf gibt es allerdings bei der
Ausstattung der Bushaltestellen mit verlässlichen Angaben, wann der
nächste Bus kommt. Kritisiert wird auch die Beschilderung mit
Haltestellennamen in zu kleiner Schrift. "Außerdem sind die
Aushangfahrpläne häufig außerhalb der Wartehäuschen montiert, was bei
Regen äußerst unangenehm für die Fahrgäste ist", schildert der
ÖAMTC-Experte. Im internationalen Vergleich sind die
Innenstadtfahrten mit 1,80 Euro im Vorverkauf eher teuer. "Die
Information über Kurzstreckenfahrten zum halben Preis wird zu wenig
kommuniziert", sagt Schneider. Und last but not least liegt Wien im
internationalen Vergleich beim Park+Ride-Angebot (Parkplatz in
Verbindung mit Öffi-Ticket) eher hinten. In und um München
beispielsweise gibt es Monatstickets bereits ab 7,50 Euro. Im
Vergleich dazu kostet beispielsweise P+R in Wien-Hütteldorf im Monat
46,80 Euro in Kombination mit einer Zeitkarte der Wiener Linien, ohne
Zeitkarte sogar 55 Euro. In Helsinki sind drei Viertel des P+R
Angebots gratis. "Die P+R-Anlagen sind in Wien vorhanden, aber die
Kombi-Preise müssen massiv gesenkt werden, um für Autofahrer das
Umsteigen auf Öffis attraktiver zu machen", fordert der
ÖAMTC-Verkehrsexperte.

Getestet wurden auch die Hauptbahnhöfe der Städte. "Auch der
Zustand eines Bahnhofs beeinflusst die Entscheidung, ob man Bahn oder
eher Auto fährt", sagt Schneider. Der ÖAMTC hat deshalb bereits vor
zehn Jahren eine Bahnhofoffensive gefordert - diese wird zur Zeit in
Wien umgesetzt. Daher wurde mangels Hauptbahnhof die Übergangslösung
Bahnhof Wien-Meidling getestet. Fazit: "Das Personal hat souverän
auch in Englisch Auskunft erteilt. Das kann aber nicht wettmachen,
dass es im Umfeld des Bahnhofs an Parkplätzen fehlt", sagt der
ÖAMTC-Experte. Für den neuen Zentralbahnhof fordert der ÖAMTC daher
ein entsprechendes Parkraumangebot. "Im Zentrum der Bahnhofsplanungen
müssen die Bedürfnisse aller Menschen stehen, die zukünftig dort aus-
und eingehen. Das beinhaltet einerseits eine barrierefreie
Gestaltung, andererseits auch Aspekte wie ein durchdachtes
Informationssystem und leicht erreichbare Bahnsteige", fügt Schneider
hinzu.

Die Rote Laterne als Schlusslicht im Testfeld müssen sich die
Verkehrsbetriebe in Zagreb umhängen lassen. Die Hauptstadt Kroatiens
hat hohen Aufholbedarf auf vielen Ebenen: Alle Verbindungen sind
langsamer als im europäischen Vergleich. Die Anbindung an den
Flughafen erfolgt lediglich mit Bussen. Teilweise mangelt es an
grundlegenden Dingen wie Fahrplänen oder eindeutigen
Haltestellennamen. "Allerdings muss hier auch erwähnt werden, dass
Zagreb sein öffentliches Personen-Nahverkehr-System derzeit mit
hochmodernen Fahrzeugen aufrüstet", sagt der ÖAMTC-Experte.

Summa summarum lässt sich nach dem Test festhalten: Will man den
öffentlichen Verkehr in den Städten attraktiver gestalten, müssen die
meisten Verkehrsbetriebe noch stärker auf die Wünsche der
(potentiellen) Fahrgäste eingehen. "Dazu braucht es attraktive
Verbindungen und Ticketpreise sowie saubere und sichere Fahrzeuge in
ausreichender Zahl. Unerlässlich sind auch umfassende Informationen,
an die man als Fahrgast ohne Aufwand herankommen kann", sagt der
ÖAMTC-Verkehrsexperte abschließend.

Die Ergebnisse zu allen Städten aus diesem EuroTest und
Informationen zu allen Tests des ÖAMTC findet man unter
www.oeamtc.at/tests.

Aviso an die Redaktionen:
Eine Übersichtsgrafik sowie Fotos zu dieser Aussendung sind unter
www.oeamtc.at/presse abrufbar und können telefonisch unter +43 (0)1
711 99-1218 angefordert werden.

Rückfragehinweis:
ÖAMTC-Öffentlichkeitsarbeit, Eva Käßmayer, Tel.: +43 (0) 1 711 99-1218, mailto:[email protected], http://www.oeamtc.at

Digitale Pressemappe: http://www.ots.at/pressemappe/250

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