- 16.02.2010, 14:23:08
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Kirche in Österreich geht konsequent gegen sexuellen Missbrauch vor
Wien (OTS) - Dem der Verbreitung von Kinderpornografie
beschuldigten Pfarrer wurde die "missio canonica" entzogen - "Jede
Form des Missbrauchs ist kein 'Kavaliersdelikt', sondern Grund für
die Entlassung"
In der katholischen Kirche in Österreich wird konsequent gegen
sexuellen Missbrauch vorgegangen. Dies betonte der Pressesprecher der
Erzdiözese Wien, Erich Leitenberger, am Dienstag im Hinblick auf
journalistische Anfragen. Insbesondere gehe es um Vorbeugung und
Hilfe für die Opfer, in zweiter Linie aber auch um Sorge um die
Täter. Missbrauch werde in der Kirche nicht auf die leichte Schulter
genommen, betonte Leitenberger und zitierte den Leiter der
"Ombudsstelle der Erzdiözese Wien für Opfer sexuellen Missbrauchs in
der Kirche", Prof. Johannes Wancata: "Missbrauch durch Mitarbeiter
der Kirche steht als Ausbeutung von Schwächeren nicht nur im
Gegensatz zur Botschaft des Evangeliums, sondern es wird dabei auch
der Beziehung der Opfer zu Gott, zum Glauben und zur Kirche nicht
mehr gut zu machender Schaden zugefügt".
Der Pressesprecher der Erzdiözese Wien verwies auch auf die klaren
Aussagen in den 2006 veröffentlichten "Maßnahmen, Regelungen und
Orientierungshilfen" der Erzdiözese zum Thema "Verhinderung sexuellen
Missbrauchs". Kardinal Christoph Schönborn betont darin: "Gott möge
uns helfen im Umgang mit dem Versagen und der Verantwortungslosigkeit
in unseren eigenen Reihen: damit den zu Schaden Gekommenen und in
ihrer Würde Verletzten geholfen und weiterer Schaden verhindert wird;
damit die Menschen, die sich des Missbrauchs schuldig gemacht haben,
Verantwortung für ihr Verhalten übernehmen und konkrete Konsequenzen
daraus ziehen. Für uns alle gilt gerade hier das Hoffnung gebende
Wort Jesu: 'Die Wahrheit wird euch frei machen'. Um einen umfassenden
Dienst an dieser Wahrheit bitte ich alle in der Kirche". Generalvikar
Msgr. Franz Schuster stellt im Geleitwort zum Maßnahmenkatalog fest:
"Es muss alles getan werden, damit es im Bereich der Kirche nicht zu
Missbrauchsfällen kommt.... Mit diesen Regelungen wird klar gestellt,
dass jede Form des physischen, psychischen, sexuellen und emotionalen
Missbrauchs kein 'Kavaliersdelikt' ist, sondern einen Grund für die
Entlassung aus dem priesterlichen Dienst oder aus dem
Angestelltenverhältnis beziehungsweise aus der ehrenamtlichen
Tätigkeit darstellt".
Diese Aussagen "werden in die Praxis umgesetzt", betonte
Leitenberger. Das zeige sich etwa beim jüngsten Fall eines Pfarrers
aus dem Viertel Unter dem Wienerwald, der des Besitzes und der
Weitergabe von kinderpornografischen Darstellungen beschuldigt wird.
Der Geistliche sei nicht nur unmittelbar nach Eintreffen der
Verständigung durch die zuständige Staatsanwaltschaft von seinen
Funktionen als Pfarrer, Wallfahrtsdirektor und Religionslehrer
dienstfrei gestellt worden; mittlerweile sei ihm auch die "missio
canonica" (die kirchliche Lehrbeauftragung als Voraussetzung für die
Erteilung des Religionsunterrichts) entzogen worden.
Leitenberger unterstrich auch, dass etwa die "Ombudsstelle der
Erzdiözese Wien" trotz ihrer primären Zuständigkeit für den Bereich
Wien und östliches Niederösterreich auch von Hilfesuchenden aus
anderen Teilen Österreichs kontaktiert wird: "Es gibt
selbstverständlich Kooperation über Diözesangrenzen hinweg". In der
Arbeit der "Ombudsstelle" gehe es darum, den Missbrauchsopfern zu
helfen, die weit verbreitete Scham zu überwinden und über ihre
Erfahrungen zu sprechen. Daher sei in der "Ombudsstelle" das Angebot
strikter Vertraulichkeit besonders bedeutsam: "Wer mit der
'Ombudsstelle' Kontakt aufnimmt, bestimmt selbst das Ziel und den
Rahmen der Gespräche und mögliche weitere Schritte". Die
"Ombudsstelle" stehe aber auch für Anfragen und Beratung zur
Verfügung, wenn der Verdacht eines sexuellen Missbrauchs aufgetaucht
ist und Unklarheit herrscht, wie damit umgegangen werden soll.
("Ombudsstelle der Erzdiözese Wien", Tel.: 01/319.66.45, E-Mail:
[email protected]). (forts mgl)
Rückfragehinweis:
Erzdiözese Wien, Öffentlichkeitsarbeit & Kommunikation
Erich Leitenberger
Tel.: 01/515.52/35.55 oder Mobil: 0664/515.52.69
mailto:[email protected]
Digitale Pressemappe: http://www.ots.at/pressemappe/10861
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