Kirche in Österreich geht konsequent gegen sexuellen Missbrauch vor

Wien (OTS) - Dem der Verbreitung von Kinderpornografie
beschuldigten Pfarrer wurde die "missio canonica" entzogen - "Jede Form des Missbrauchs ist kein 'Kavaliersdelikt', sondern Grund für die Entlassung"

In der katholischen Kirche in Österreich wird konsequent gegen sexuellen Missbrauch vorgegangen. Dies betonte der Pressesprecher der Erzdiözese Wien, Erich Leitenberger, am Dienstag im Hinblick auf journalistische Anfragen. Insbesondere gehe es um Vorbeugung und Hilfe für die Opfer, in zweiter Linie aber auch um Sorge um die Täter. Missbrauch werde in der Kirche nicht auf die leichte Schulter genommen, betonte Leitenberger und zitierte den Leiter der "Ombudsstelle der Erzdiözese Wien für Opfer sexuellen Missbrauchs in der Kirche", Prof. Johannes Wancata: "Missbrauch durch Mitarbeiter der Kirche steht als Ausbeutung von Schwächeren nicht nur im Gegensatz zur Botschaft des Evangeliums, sondern es wird dabei auch der Beziehung der Opfer zu Gott, zum Glauben und zur Kirche nicht mehr gut zu machender Schaden zugefügt".

Der Pressesprecher der Erzdiözese Wien verwies auch auf die klaren Aussagen in den 2006 veröffentlichten "Maßnahmen, Regelungen und Orientierungshilfen" der Erzdiözese zum Thema "Verhinderung sexuellen Missbrauchs". Kardinal Christoph Schönborn betont darin: "Gott möge uns helfen im Umgang mit dem Versagen und der Verantwortungslosigkeit in unseren eigenen Reihen: damit den zu Schaden Gekommenen und in ihrer Würde Verletzten geholfen und weiterer Schaden verhindert wird; damit die Menschen, die sich des Missbrauchs schuldig gemacht haben, Verantwortung für ihr Verhalten übernehmen und konkrete Konsequenzen daraus ziehen. Für uns alle gilt gerade hier das Hoffnung gebende Wort Jesu: 'Die Wahrheit wird euch frei machen'. Um einen umfassenden Dienst an dieser Wahrheit bitte ich alle in der Kirche". Generalvikar Msgr. Franz Schuster stellt im Geleitwort zum Maßnahmenkatalog fest:
"Es muss alles getan werden, damit es im Bereich der Kirche nicht zu Missbrauchsfällen kommt.... Mit diesen Regelungen wird klar gestellt, dass jede Form des physischen, psychischen, sexuellen und emotionalen Missbrauchs kein 'Kavaliersdelikt' ist, sondern einen Grund für die Entlassung aus dem priesterlichen Dienst oder aus dem Angestelltenverhältnis beziehungsweise aus der ehrenamtlichen Tätigkeit darstellt".

Diese Aussagen "werden in die Praxis umgesetzt", betonte Leitenberger. Das zeige sich etwa beim jüngsten Fall eines Pfarrers aus dem Viertel Unter dem Wienerwald, der des Besitzes und der Weitergabe von kinderpornografischen Darstellungen beschuldigt wird. Der Geistliche sei nicht nur unmittelbar nach Eintreffen der Verständigung durch die zuständige Staatsanwaltschaft von seinen Funktionen als Pfarrer, Wallfahrtsdirektor und Religionslehrer dienstfrei gestellt worden; mittlerweile sei ihm auch die "missio canonica" (die kirchliche Lehrbeauftragung als Voraussetzung für die Erteilung des Religionsunterrichts) entzogen worden.

Leitenberger unterstrich auch, dass etwa die "Ombudsstelle der Erzdiözese Wien" trotz ihrer primären Zuständigkeit für den Bereich Wien und östliches Niederösterreich auch von Hilfesuchenden aus anderen Teilen Österreichs kontaktiert wird: "Es gibt selbstverständlich Kooperation über Diözesangrenzen hinweg". In der Arbeit der "Ombudsstelle" gehe es darum, den Missbrauchsopfern zu helfen, die weit verbreitete Scham zu überwinden und über ihre Erfahrungen zu sprechen. Daher sei in der "Ombudsstelle" das Angebot strikter Vertraulichkeit besonders bedeutsam: "Wer mit der 'Ombudsstelle' Kontakt aufnimmt, bestimmt selbst das Ziel und den Rahmen der Gespräche und mögliche weitere Schritte". Die "Ombudsstelle" stehe aber auch für Anfragen und Beratung zur Verfügung, wenn der Verdacht eines sexuellen Missbrauchs aufgetaucht ist und Unklarheit herrscht, wie damit umgegangen werden soll.

("Ombudsstelle der Erzdiözese Wien", Tel.: 01/319.66.45, E-Mail:
ombudsstelle@edw.or.at). (forts mgl)

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