• 09.02.2010, 18:30:10
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WirtschaftsBlatt-Leitartikel: Die Stunde der Wahrheit rückt näher - von Wolfgang Unterhuber

Wir alle müssen uns fragen, was wir für unser Land tun können

Wien (OTS) - Mit der Wahrheit ist das so eine Sache. In der Regel
wird sie wortreich umschifft, sodass sie erst nach einer mühsamen
Obduktion zu Tage tritt. Eines ist die Wahrheit aber immer:
unpopulär. Umso beeindruckender ist es, wenn jemand Klartext redet.
Berndorf-Hauptaktionär Norbert Zimmermann hat das dieser Tage in
erfrischender Weise getan. Es sei falsch, so Zimmermann, die ganze
Schuld an der Krise den Finanzmärkten zuzuschieben. "Jeder hat
Schuld, auch der sogenannte kleine Mann, der nicht mit dreieinhalb
Prozent Eckzinssatz zufrieden war und spekuliert hat." Gelernt aus
der Krise, so Zimmermann weiter, sei nichts geworden. "Die Banken
haben wieder genug Liquidität, aber diese geht nur in neue
Spekulationen."

Dieser Kurzanalyse kann man nur zustimmen. Zimmermann spricht etwas
an, was wir alle nicht sehr gerne hören: Jeder Einzelne hat
Verantwortung. Und nicht jede Verantwortung kann abgeschoben werden.
Ist es nicht so, dass wir Westeuropäer, abgesehen von den
Arbeitslosen, den höchsten Lebensstandard genießen, den wir jemals
hatten? Ist es nicht so, dass wir ein wärmendes Sozialsystem für
selbstverständlich halten, aber in großes Jammern ausbrechen, wenn
ein Politiker Steuererhöhungen fordert, damit dieses Sozialsystem
noch einigermaßen aufrechterhalten werden kann? Und war es in den
vergangenen Jahren nicht so, dass beim Stichwort Börse schlichtweg
der gesunde Hausverstand versagt hat?

Die Wahrheit ist, dass wir es mit der Eigenverantwortung nicht so
genau genommen haben. Sich nachher zu beschweren, ist leicht. Einen
Börseprospekt genau zu studieren und die Finger von einem Investment
zu lassen, wenn man die Sache nicht genau versteht, ist eine andere
Sache.

Die Wahrheit ist auch, dass wir uns alle anschnallen müssen. Wir
haben auf Pump gelebt. Das geht jetzt nicht mehr. Wenn Sozialminister
Rudolf Hundstorfer sagt, dass in der Industrie 60.000 Jobs
unwiederbringlich verloren sind, so ist ihm erstens für diese brutale
Wahrheit zu danken und zweitens sind wir alle aufgefordert, rasch
darüber nachzudenken, wie diese Menschen wieder in den Arbeitsprozess
integriert werden können. Wir alle müssen flexibler werden. Das
reaktionäre Festklammern an starren Arbeitszeitmodellen und
traditionellen Kollektivvertragserhöhungen wird uns nicht
weiterbringen. Genausowenig wie der "Förderalismus" mit seiner oft
skurrilen "Bürokratur".

Ohne ein gehöriges Maß an Eigenverantwortung kann es aber keine
Reformen geben. Wie sagte John F. Kennedy vor 50 Jahren: "Frag nicht,
was dein Land für dich tun kann, sondern was du für dein Land tun
kannst." Dieser Satz ist aktueller denn je. Denn die Stunde der
Wahrheit rückt unaufhörlich näher.

Rückfragehinweis:
Wirtschaftsblatt Verlag AG
Tel.: Tel.: 01/60117 / 300
mailto:redaktion@wirtschaftsblatt.at

Digitale Pressemappe: http://www.ots.at/pressemappe/236

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