Kleine Zeitung Leitartikel "Waffen an der Leine" (Von Hubert Patterer

Ausgabe vom 07.02.2010

Graz (OTS/Pressestimmen) - Es gibt ein Bonmot, es geht so: Seit
ich Menschen kenne, liebe ich Tiere. Ein Klassiker der Tierschutz-Poesie. Das Tier als bessere Sorte Mensch. Im Zweifel schützen diese Leute lieber Tiere als Menschen, sie haben schlechte Erfahrungen mit letzteren geamcht. "Ich mag Tiere lieber", sagte ein angeklagter Hundehalter, dessen Pitbull-Terrier im Vorjahr ein Mädchen lebensgefährlich verletzt hatte.

Es gibt Tierschützer, die mögen solche Nachrichten nicht. Sie bezichtigen die Medien des "Rassismus", und rücken umnachtet zur Verteidigung aus, indem sie auf Plakaten Judensterne über ihre verfolgten Kampfhunde malen. Ihre Liebe geht notfalls über Leichen; kein Wort des Entsetzens ist in ihren Foren zu lesen, wenn wieder einmal, wie jetzt, zwei Rottweiler eine alte Frau zerfleischen.

Nicht der Hund sei böse, argumentieren sie, sondern der Mensch, der das Tier falsch konditioniere. Stimmt, ändert aber nichts am Befund:
Bestimmte Hunderassen sind potentiell gefährlich, auch dann, wenn der Halte Hundeführer ist. Ein Fall in Niederösterreich bewies es. Befähigung schützt in dieser Risikoklasse nicht.

Hysterisieren die Medien? Bei einem Bissdruck von drei Tonnen pro Quadratzentimeter ist es nebensächlich, ob der Begriff Kampfhund denunziatorisch ist. Es ist für ein Opfer auch zweitrangig, auf wen die Gefahr zurückgeht, auf den "sonst so zutraulichen" Hund, der plötzlich "kippt", weil er einen Tumor hat oder Rudel- und Jagdinstinkte aktiviert, oder auf die prekäre Persönlichkeitsstruktur des Halters: Andere in Angst zu sehen, verleiht Macht.

Diese Differenzierungen sind für ein Opfer irrelevant. Es hat keine Zeit, eine Wesensabklärung von Hund und Halter vorzunehmen. Auch will man sich nicht daran gewöhnen, dass das Überleben davon abhängt, ob ich sachkundig reagiere oder nicht. Die Allgemeinheit hat ein Recht darauf, in eine solche Situation erst gar nicht zu geraten. Das gilt erst recht für Kinder.

Das zahnlose Normen-Wirrwarr in Österreich gehört beseitigt. Für Hunde, die nicht der höchsten Gefährderungsklasse zuzurechnen sind, müssen bundesweit einheitliche, nach Risiko gestaffelte Befähigungsnachweise her. Auch von Fliegenfischern verlang man sie. Was die Kampfhunde betrifft, führt an einem Verbot von Zucht und Haltung kein Weg vorbei. Sie haben im öffentlichen Raum nichts verloren. Wer genau darunter fällt, sollen Kynologen und Biologen klären. Fest steht: Es gibt kein Menschenrecht, Waffen an der Leine zu führen. Ein Verbot ist der einzig wirksame Schutz. Jedes lebenslang entstellte Kind rechtfertigt es.

Es ist ein krankhaftes Bedürfnis, Gefahr zu züchten. Das Leben ist lebensgefährlich genug. ****

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