- 26.01.2010, 18:30:10
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WirtschaftsBlatt-Leitartikel: Bildung - die Wurzel allen Übels - von Wolfgang Unterhuber
Die Frage lautet: Wie können wir die Leistungswilligen fördern?
Wien (OTS) - Österreich ist ein sehr traditionsbewusstes Land. Das
ist gut, weil es unserem Land von den Salzburger Festspielen bis hin
zu den Neujahrskonzerten in der Welt überproportionale Aufmerksamkeit
sichert. Tradition kann aber auch den Fortschritt blockieren. So sind
die Lehrpläne für die AHS-Gymnasien im Ansatz noch immer stark von
der Bildungsphilosophie aus der Zeit der Monarchie beeinflusst.
Damals war es üblich, dass Gymnasiasten entweder eine Karriere beim
Militär anstrebten oder Beamte wurden. Und so wird seit Jahrzehnten
beispielsweise in Mathematik alles über die Geheimnisse der Ellipsen
und Parabeln gelehrt, was angehende Offiziere in der Praxis durchaus
für die Flugberechnung von Granaten verwenden können. Sie glauben,
das ist ein Scherz? Dann unterhalten Sie sich mit ehemaligen
Bildungspolitikern, die erst dann die Wahrheit aussprechen dürfen,
wenn sie nicht mehr in Amt und Würden sind.
Aber zurück in die Gegenwart, zu einem bildungspolitischen Beispiel
aus den USA. In Chicago existiert seit 1987 die Marwen Foundation.
Diese finanziert Kunstakademien, in welcher in der Hauptsache
hochtalentierte Kinder aus den Slums der Metropole unterrichtet
werden. Die Schüler stehen unter enormem Leistungsdruck, weil die
Akademien über die Foundation von privaten Konzernen finanziert
werden. Aber Eltern und Kinder ziehen mit, weil ihnen die Foundation
die Chance auf ein besseres Leben bietet. Bildung ist in Amerika eben
kein alltägliches Gut.
Hierzulande ist das anders. Aber genau das hat uns satt gemacht. Die
Uni-Misere existiert seit Jahrzehnten. Aber da wird einfach
weitergewurstelt, statt ideologiefrei neue bildungspolitische Modelle
zu entwerfen. Zugangsbeschränkungen und Studiengebühren sollen das
Problem lösen, glaubt die neue Wissenschaftsministerin. Viel Glück.
Die Wurzel allen Übels liegt darin, dass eine Frage nie diskutiert
wird. Nämlich: Wie können wir die talentierten Schüler und Studenten
fordern und fördern und zu noch mehr Leistung anspornen? Stattdessen
wird mit schöner Regelmäßigkeit darüber nachgedacht, ob und wie
Schüler mit einem "Nicht genügend" sprichwörtlich befördert werden
können. Das ist eine Nivellierung nach unten und an alle
Leistungswilligen eine Aufforderung, faul zu sein. Das mit der
Leistung hat in diesem Land eben auch seine Tradition. Wer etwas
leistet, ist grundsätzlich verdächtig. Österreich war einmal eine
wissenschaftliche Hochburg. Geblieben ist uns der Opernball. Auf die
Dauer reicht das nicht aus.
Rückfragehinweis:
Wirtschaftsblatt Verlag AG
Tel.: Tel.: 01/60117 / 300
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