WirtschaftsBlatt-Leitartikel: Bildung - die Wurzel allen Übels - von Wolfgang Unterhuber

Die Frage lautet: Wie können wir die Leistungswilligen fördern?

Wien (OTS) - Österreich ist ein sehr traditionsbewusstes Land. Das ist gut, weil es unserem Land von den Salzburger Festspielen bis hin zu den Neujahrskonzerten in der Welt überproportionale Aufmerksamkeit sichert. Tradition kann aber auch den Fortschritt blockieren. So sind die Lehrpläne für die AHS-Gymnasien im Ansatz noch immer stark von der Bildungsphilosophie aus der Zeit der Monarchie beeinflusst. Damals war es üblich, dass Gymnasiasten entweder eine Karriere beim Militär anstrebten oder Beamte wurden. Und so wird seit Jahrzehnten beispielsweise in Mathematik alles über die Geheimnisse der Ellipsen und Parabeln gelehrt, was angehende Offiziere in der Praxis durchaus für die Flugberechnung von Granaten verwenden können. Sie glauben, das ist ein Scherz? Dann unterhalten Sie sich mit ehemaligen Bildungspolitikern, die erst dann die Wahrheit aussprechen dürfen, wenn sie nicht mehr in Amt und Würden sind.

Aber zurück in die Gegenwart, zu einem bildungspolitischen Beispiel aus den USA. In Chicago existiert seit 1987 die Marwen Foundation. Diese finanziert Kunstakademien, in welcher in der Hauptsache hochtalentierte Kinder aus den Slums der Metropole unterrichtet werden. Die Schüler stehen unter enormem Leistungsdruck, weil die Akademien über die Foundation von privaten Konzernen finanziert werden. Aber Eltern und Kinder ziehen mit, weil ihnen die Foundation die Chance auf ein besseres Leben bietet. Bildung ist in Amerika eben kein alltägliches Gut.

Hierzulande ist das anders. Aber genau das hat uns satt gemacht. Die Uni-Misere existiert seit Jahrzehnten. Aber da wird einfach weitergewurstelt, statt ideologiefrei neue bildungspolitische Modelle zu entwerfen. Zugangsbeschränkungen und Studiengebühren sollen das Problem lösen, glaubt die neue Wissenschaftsministerin. Viel Glück.

Die Wurzel allen Übels liegt darin, dass eine Frage nie diskutiert wird. Nämlich: Wie können wir die talentierten Schüler und Studenten fordern und fördern und zu noch mehr Leistung anspornen? Stattdessen wird mit schöner Regelmäßigkeit darüber nachgedacht, ob und wie Schüler mit einem "Nicht genügend" sprichwörtlich befördert werden können. Das ist eine Nivellierung nach unten und an alle Leistungswilligen eine Aufforderung, faul zu sein. Das mit der Leistung hat in diesem Land eben auch seine Tradition. Wer etwas leistet, ist grundsätzlich verdächtig. Österreich war einmal eine wissenschaftliche Hochburg. Geblieben ist uns der Opernball. Auf die Dauer reicht das nicht aus.

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