"Kleine Zeitung"-Kommentar: "Nach kluger Ministerwahl ist massive Unterstützung gefragt" (von Norbert Swoboda)

Ausgabe vom 25.1.2010

Graz (OTS) - Die neue Wissenschaftsministerin kennt die
Uni-Probleme genau.

Vizekanzler Josef Pröll hat sich nach langem Zuwarten offenbar gestern entschieden: Eine Frau aus dem wahlkämpfenden Bundesland Steiermark, die aus dem Universitätsbereich kommt und in der Partei keine Unbekannte ist. Eine kluge Wahl. Die Erwartungen an die neue Ministerin Beatrix Karl sind hoch, und sie erwarten eine Menge offener Punkte.

Die universitäre Landschaft ist unglaublich vielfältig, es wachsen in ihr von akademischen Mimosen über introvertierte Forscher bis hin zu schillernden Persönlichkeiten viele bunte Gewächse. Karls Vorteil:
Sie kennt diese Bedingungen, sie kennt ihre Pappenheimer.

Eine unruhige Jugend mit zum Teil drückenden Studienbedingungen und schlechten Zukunftsaussichten ist kein Pu-blikum, das leicht zu unterhalten ist. Die größte Gefahr zunächst für die Ministerin:
Unbedachte Worte könnten binnen weniger Tage dazu führen, dass die Studierenden erneut ihre Muskeln spielen lassen.

Von dieser Fachministerin erwartet man, dass sie sich in der Sache auskennt, trotzdem aber nicht zu sehr in ihrer eigenen universitären Geschichte gefangen bleibt. Polternde PR-Auftritte mit wenig Substanz dahinter sind jedenfalls nicht gefragt. Sie weiß, welche Probleme die Unis quälen.

Wie geht es mit dem tertiären Sektor weiter? Stichworte sind Bachelor-Ausbildung, Zugangsbeschränkungen, Studienwildwuchs, Exzellenz-Initiativen, Mitbestimmung. Nötig sind Augenmaß und Verständnis für die unterschiedlichen Interessenslagen vom Medizin-studenten bis zum Maschinenbau-Professor, vom Lektor am Dolmetschinstitut bis zum Gesangsstudenten an der Kunst-Uni. Wichtiges Detail: Die Chemie zur Bildungsministerin sollte stimmen.

Entscheidender aus Sicht der Universitäten und der außeruniversitären Forschungseinrichtungen ist aber, dass die neue Ministerin nicht kraftlos daherkommt. Denn vor allem erhofft man, dass sie mit Nachdruck mehr Gelder für Forschung und Lehre heraus holt. Da wird man sich allerdings viel weniger sicher sein können. Denn so beeindruckend die Blitzkarriere von Beatrix Karl auch ist: Welches Gewicht sie innerhalb der Partei und gegenüber dem Koalitionspartner hat, wenn es ums Eingemachte geht, wird sich erst weisen.

Josef Pröll hat gut gewählt, indem er mit Beatrix Karl sozusagen eine frische Kraft ins Bildungstandem holt. Man wird das honorieren und ein Vertrauensvorschuss ist ihr gewiss. Jetzt muss er nur noch die neue Ministerin vor allzu großen Erwartungen schützen und sie vor allem finanziell stützen. ****

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