• 24.01.2010, 22:01:09
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"Kleine Zeitung"-Kommentar: "Nach kluger Ministerwahl ist massive Unterstützung gefragt" (von Norbert Swoboda)

Ausgabe vom 25.1.2010

Graz (OTS) - Die neue Wissenschaftsministerin kennt die
Uni-Probleme genau.

Vizekanzler Josef Pröll hat sich nach langem Zuwarten offenbar
gestern entschieden: Eine Frau aus dem wahlkämpfenden Bundesland
Steiermark, die aus dem Universitätsbereich kommt und in der Partei
keine Unbekannte ist. Eine kluge Wahl. Die Erwartungen an die neue
Ministerin Beatrix Karl sind hoch, und sie erwarten eine Menge
offener Punkte.

Die universitäre Landschaft ist unglaublich vielfältig, es wachsen in
ihr von akademischen Mimosen über introvertierte Forscher bis hin zu
schillernden Persönlichkeiten viele bunte Gewächse. Karls Vorteil:
Sie kennt diese Bedingungen, sie kennt ihre Pappenheimer.

Eine unruhige Jugend mit zum Teil drückenden Studienbedingungen und
schlechten Zukunftsaussichten ist kein Pu-blikum, das leicht zu
unterhalten ist. Die größte Gefahr zunächst für die Ministerin:
Unbedachte Worte könnten binnen weniger Tage dazu führen, dass die
Studierenden erneut ihre Muskeln spielen lassen.

Von dieser Fachministerin erwartet man, dass sie sich in der Sache
auskennt, trotzdem aber nicht zu sehr in ihrer eigenen universitären
Geschichte gefangen bleibt. Polternde PR-Auftritte mit wenig Substanz
dahinter sind jedenfalls nicht gefragt. Sie weiß, welche Probleme die
Unis quälen.

Wie geht es mit dem tertiären Sektor weiter? Stichworte sind
Bachelor-Ausbildung, Zugangsbeschränkungen, Studienwildwuchs,
Exzellenz-Initiativen, Mitbestimmung. Nötig sind Augenmaß und
Verständnis für die unterschiedlichen Interessenslagen vom
Medizin-studenten bis zum Maschinenbau-Professor, vom Lektor am
Dolmetschinstitut bis zum Gesangsstudenten an der Kunst-Uni.
Wichtiges Detail: Die Chemie zur Bildungsministerin sollte stimmen.

Entscheidender aus Sicht der Universitäten und der außeruniversitären
Forschungseinrichtungen ist aber, dass die neue Ministerin nicht
kraftlos daherkommt. Denn vor allem erhofft man, dass sie mit
Nachdruck mehr Gelder für Forschung und Lehre heraus holt. Da wird
man sich allerdings viel weniger sicher sein können. Denn so
beeindruckend die Blitzkarriere von Beatrix Karl auch ist: Welches
Gewicht sie innerhalb der Partei und gegenüber dem Koalitionspartner
hat, wenn es ums Eingemachte geht, wird sich erst weisen.

Josef Pröll hat gut gewählt, indem er mit Beatrix Karl sozusagen eine
frische Kraft ins Bildungstandem holt. Man wird das honorieren und
ein Vertrauensvorschuss ist ihr gewiss. Jetzt muss er nur noch die
neue Ministerin vor allzu großen Erwartungen schützen und sie vor
allem finanziell stützen. ****

Rückfragehinweis:
[email protected]

Digitale Pressemappe: http://www.ots.at/pressemappe/442

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