• 20.01.2010, 08:51:06
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Unternehmen unterschätzen die anhaltenden Auswirkungen der Wirtschaftskrise

Wien (OTS) - Internationale BCG-Umfrage: Unternehmen setzen auf
kurzfristige Schutzmaßnahmen statt auf weitreichende Änderungen -
dabei rechnet die Mehrheit mit geringer Profitabilität und Wachstum -
verändertes Konsumentenverhalten als größte Herausforderung

Obwohl Firmen weltweit mit verhaltenen Konjunkturprognosen in das
neue Jahr starten und wesentliche Veränderungen in der
Wirtschaftsordnung erwarten, setzen nur wenige Unternehmen auf
langfristige Maßnahmen, um ihr Geschäft nachhaltig zu stabilisieren:
So plant nur jedes vierte Unternehmen, seine Prioritäten auf das
Cashflow-Management zu legen. Lediglich 16 Prozent der Firmen wollen
sich 2010 stärker auf ihre Bilanz und Umschuldung fokussieren,
während 13 Prozent die Aufgabe von Geschäftsbereichen erwägen, die
nicht zum Kerngeschäft zählen. Jedes dritte Unternehmen plant seine
Personalkosten zu senken. Zu diesen Ergebnissen kommt eine Umfrage
der Boston Consulting Group (BCG), die in sieben führenden
Wirtschaftsnationen unter rund 430 Führungskräften von Unternehmen
mit einem Umsatz von mehr als einer Milliarde US-Dollar durchgeführt
wurde.

Kurzfristige Schutzmaßnahmen statt weitreichender Änderungen
Die überwiegende Mehrheit der von BCG befragten Führungskräfte
erwartet wesentliche Veränderungen in der Wirtschaftsordnung:

- 68 Prozent rechnen zukünftig mit einer geringeren Profitabilität.
- 64 Prozent glauben, dass Wachstum schwieriger zu erzielen ist.
- 71 Prozent erwarten eine Ausweitung des Arbeitnehmerschutzes.
- 81 Prozent rechnen mit einer zunehmenden Regulierung.
- 87 Prozent sehen eine steigende Preissensibilität der Verbraucher.

Es sind aber vor allem kurzfristige Schutzmaßnahmen, die die
Unternehmen angesichts ihrer Einschätzungen der Geschäftsentwicklung
ergreifen: Zwischen 50 und 70 Prozent der Befragten setzen auf leicht
zu realisierende Schritte wie die Fokussierung auf ihre wichtigsten
Kunden, Einsparungen bei Verwaltungs- und Reisekosten, die
Neuverhandlung von Lieferverträgen sowie die Reduzierung von
Lagerbeständen, Marketingbudgets und Gehältern. Deutlich weniger
Unternehmen hingegen verfolgen weitreichende, längerfristige
Maßnahmen wie die Aufgabe ausgewählter Produktlinien (44 Prozent)
bzw. einzelner Kundensegmente (39 Prozent) bis hin zur Abspaltung
ganzer Geschäftsbereiche und Vertriebskanäle (43 Prozent).
Auch bei Investitionen in die Zukunft ihres Geschäfts zeigen sich die
befragten Führungskräfte zurückhaltend: 37 Prozent wollen 2010 ihre
Kapazitäten ausweiten und Akquisitionen verfolgen. Darüber hinaus
planen 32 Prozent der Unternehmen für 2010 Investitionen in Forschung
und Entwicklung, während 30 Prozent ihre Priorität auf die Bindung
und Gewinnung von Mitarbeitern legen wollen.

"Die Wettbewerbsbedingungen haben sich grundlegend geändert", sagt
Daniel Stelter, Partner BCG: "Nur Unternehmen, die entschlossen sind,
ihre Geschäftsmodelle fundamental zu überdenken und gleichzeitig in
ihre Zukunft zu investieren, werden zu den langfristigen Gewinnern
der Krise zählen. Unsere Umfrage zeigt, dass Unternehmen zwar die
Notwendigkeit erkennen, defensiv zu agieren und zugleich Wettbewerber
anzugreifen; wenn es jedoch um die Umsetzung geht, schrauben sie nur
an den Kosten und lassen wirklich langfristige Maßnahmen weitgehend
außer Acht. Wir beobachten, dass Marktführer hier entschlossener
handeln als kleinere Konkurrenten."

Unternehmen überschätzen wirtschaftliche Erholung

Ein Grund für die Zurückhaltung: Viele Unternehmen glauben, dass
die neue Wirtschaftsordnung - mit einem langsamen Wachstum, einer
geringeren Profitabilität, mehr Protektionismus und einer größeren
Preissensibilität der Verbraucher - nicht von langer Dauer sein wird.
Weniger als 50 Prozent der befragten Führungskräfte erwarten, dass
diese "neuen Realitäten" mittelfristig, also in zwei bis drei Jahren,
noch relevant sein werden.

Zwei Geschwindigkeiten im Wachstum der Volkswirtschaften: China,
Indien und Brasilien werden sich schneller erholen

Alle Anzeichen deuten aber auf ein langsames Wirtschaftswachstum
in den westlichen Ländern bis 2015 hin. In den USA, Europa und Japan
können die jährlichen Wachstumsraten - so die Volkswirtschaften dem
vom IWF aufgezeigten historischen Wachstumsmuster nach einer
Rezession folgen - unter zwei Prozent fallen. Im Gegensatz dazu ist
es wahrscheinlich, dass die Wachstumsraten in China, Indien und
Brasilien wieder ein ähnliches Niveau wie vor der Krise erreichen:
China 8 bis 9 Prozent pro Jahr; Indien 6 bis 7 Prozent und Brasilien
3 bis 4 Prozent. Von den BRIC-Staaten läuft nur Russland Gefahr,
jährlich lediglich 2 bis 3 Prozent zu wachsen. "Unternehmen müssen
sich deshalb auf weltweit unterschiedliche
Entwicklungsgeschwindigkeiten einstellen. Für Unternehmen im Westen
bedeutet dies, dass ihnen in den nächsten fünf bis zehn Jahren ein
harter Kampf um Wachstum bevorsteht", erklärt Stelter.

Weitere Ergebnisse der BCG-Umfrage:

Japanische Führungskräfte sind am pessimistischsten: Während
weltweit 62 Prozent der Befragten kurzfristig ein Wachstum ihres
nationalen Bruttoinlandsprodukts erwarten, sind es in Japan nur 40
Prozent; 45 Prozent rechnen sogar mit einem Rückgang.

62 Prozent der Befragten sehen Chancen für mehr Innovationen.

Das veränderte Konsumentenverhalten - eine höhere Sparquote und
geringere Ausgaben - wird mehrheitlich als größte Herausforderung für
2010 gesehen: 81 Prozent der Befragten erwarten eine höhere
Preissensibilität; 63 Prozent nehmen an, dass die Verbraucher zu
günstigeren Produkten greifen, während 52 Prozent damit rechnen, dass
zahlreiche Verbraucher zahlungsunfähig werden.

Die geringste Profitabilität erwarten Führungskräfte aus den
Branchen Energie, Transport, Automobil, Konsumgüter, Hotel und
Gaststätten sowie der Gesundheitsbranche.

55 Prozent der befragten Führungskräfte bewerten staatliche
Konjunkturprogramme als hilfreich für ihre Geschäftsentwicklung; die
Hälfte glaubt, dass Regierungsmaßnahmen Wachstum und Investitionen
treiben.

Zwei Drittel der Führungskräfte rechnen mit einer stärkeren
öffentlichen Kontrolle der Wirtschaftsethik; 61 Prozent erwarten eine
zunehmend negative Resonanz auf persönliche Exzesse.

Mehr als die Hälfte der Befragten glauben, dass Quartalsergebnisse
für die Bewertung der Unternehmensleistung an Bedeutung verlieren.

Mehr als drei Viertel der Befragten gehen davon aus, dass die
Vergütung von Führungskräften in den kommenden fünf Jahren geringer
ausfallen wird als in den vorangegangenen fünf Jahren. 69 Prozent
sagen eine engere Verknüpfung mit der Erzielung von Shareholder-Value
voraus.

Die Hälfte der Unternehmen mit rückläufigem Umsatz im Jahr 2009
erwartet für 2010 eine erneute Zunahme.

Die BCG-Partner Daniel Stelter und David Rhodes initiierten die
Befragung im Rahmen der Vorbereitungen zu ihrem Buch "Accelerating
Out of the Great Recession: How to Win in a Slow-Growth Economy". Das
Buch erscheint am 19. Februar 2010, die vollständigen Ergebnisse der
Umfrage, sie wurde in den USA, Japan, Frankreich, Deutschland,
Großbritannien, Spanien und Italien durchgeführt, sind darin
veröffentlicht.

Weitere Informationen finden Sie unter www.accelerating.bcg.com.

The Boston Consulting Group (BCG) ist eine internationale
Managementberatung und weltweit führend auf dem Gebiet der
Unternehmensstrategie. BCG unterstützt Unternehmen aus allen Branchen
und Regionen dabei, Wachstumschancen zu nutzen und ihr
Geschäftsmodell an neue Gegebenheiten anzupassen. In
partnerschaftlicher Zusammenarbeit mit den Kunden entwickelt BCG
individuelle Lösungen. Gemeinsames Ziel ist es, nachhaltige
Wettbewerbsvorteile zu schaffen, die Leistungsfähigkeit des
Unternehmens zu steigern und das Geschäftsergebnis dauerhaft zu
verbessern. BCG wurde 1963 von Bruce D. Henderson gegründet und ist
heute an 68 Standorten in 39 Ländern vertreten. Das Unternehmen
befindet sich im alleinigen Besitz seiner Geschäftsführer. In
Deutschland und Österreich erwirtschaftete BCG im Jahr 2008 mit 847
Beraterinnen und Beratern einen Umsatz von 369 Millionen Euro.

Rückfragehinweis:

The Boston Consulting Group 
   Katharina Sacken
   Marketing Manager
   Tel. +43 / 1 / 537 56 - 8163
   Mobile +43 676 5797311
   e-mail: sacken.katharina@bcg.com
   www.bcg.at

Digitale Pressemappe: http://www.ots.at/pressemappe/6121

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