Unternehmen unterschätzen die anhaltenden Auswirkungen der Wirtschaftskrise

Wien (OTS) - Internationale BCG-Umfrage: Unternehmen setzen auf kurzfristige Schutzmaßnahmen statt auf weitreichende Änderungen -dabei rechnet die Mehrheit mit geringer Profitabilität und Wachstum -verändertes Konsumentenverhalten als größte Herausforderung

Obwohl Firmen weltweit mit verhaltenen Konjunkturprognosen in das neue Jahr starten und wesentliche Veränderungen in der Wirtschaftsordnung erwarten, setzen nur wenige Unternehmen auf langfristige Maßnahmen, um ihr Geschäft nachhaltig zu stabilisieren:
So plant nur jedes vierte Unternehmen, seine Prioritäten auf das Cashflow-Management zu legen. Lediglich 16 Prozent der Firmen wollen sich 2010 stärker auf ihre Bilanz und Umschuldung fokussieren, während 13 Prozent die Aufgabe von Geschäftsbereichen erwägen, die nicht zum Kerngeschäft zählen. Jedes dritte Unternehmen plant seine Personalkosten zu senken. Zu diesen Ergebnissen kommt eine Umfrage der Boston Consulting Group (BCG), die in sieben führenden Wirtschaftsnationen unter rund 430 Führungskräften von Unternehmen mit einem Umsatz von mehr als einer Milliarde US-Dollar durchgeführt wurde.

Kurzfristige Schutzmaßnahmen statt weitreichender Änderungen Die überwiegende Mehrheit der von BCG befragten Führungskräfte erwartet wesentliche Veränderungen in der Wirtschaftsordnung:

  • 68 Prozent rechnen zukünftig mit einer geringeren Profitabilität.
  • 64 Prozent glauben, dass Wachstum schwieriger zu erzielen ist.
  • 71 Prozent erwarten eine Ausweitung des Arbeitnehmerschutzes.
  • 81 Prozent rechnen mit einer zunehmenden Regulierung.
  • 87 Prozent sehen eine steigende Preissensibilität der Verbraucher.

Es sind aber vor allem kurzfristige Schutzmaßnahmen, die die Unternehmen angesichts ihrer Einschätzungen der Geschäftsentwicklung ergreifen: Zwischen 50 und 70 Prozent der Befragten setzen auf leicht zu realisierende Schritte wie die Fokussierung auf ihre wichtigsten Kunden, Einsparungen bei Verwaltungs- und Reisekosten, die Neuverhandlung von Lieferverträgen sowie die Reduzierung von Lagerbeständen, Marketingbudgets und Gehältern. Deutlich weniger Unternehmen hingegen verfolgen weitreichende, längerfristige Maßnahmen wie die Aufgabe ausgewählter Produktlinien (44 Prozent) bzw. einzelner Kundensegmente (39 Prozent) bis hin zur Abspaltung ganzer Geschäftsbereiche und Vertriebskanäle (43 Prozent).
Auch bei Investitionen in die Zukunft ihres Geschäfts zeigen sich die befragten Führungskräfte zurückhaltend: 37 Prozent wollen 2010 ihre Kapazitäten ausweiten und Akquisitionen verfolgen. Darüber hinaus planen 32 Prozent der Unternehmen für 2010 Investitionen in Forschung und Entwicklung, während 30 Prozent ihre Priorität auf die Bindung und Gewinnung von Mitarbeitern legen wollen.

"Die Wettbewerbsbedingungen haben sich grundlegend geändert", sagt Daniel Stelter, Partner BCG: "Nur Unternehmen, die entschlossen sind, ihre Geschäftsmodelle fundamental zu überdenken und gleichzeitig in ihre Zukunft zu investieren, werden zu den langfristigen Gewinnern der Krise zählen. Unsere Umfrage zeigt, dass Unternehmen zwar die Notwendigkeit erkennen, defensiv zu agieren und zugleich Wettbewerber anzugreifen; wenn es jedoch um die Umsetzung geht, schrauben sie nur an den Kosten und lassen wirklich langfristige Maßnahmen weitgehend außer Acht. Wir beobachten, dass Marktführer hier entschlossener handeln als kleinere Konkurrenten."

Unternehmen überschätzen wirtschaftliche Erholung

Ein Grund für die Zurückhaltung: Viele Unternehmen glauben, dass die neue Wirtschaftsordnung - mit einem langsamen Wachstum, einer geringeren Profitabilität, mehr Protektionismus und einer größeren Preissensibilität der Verbraucher - nicht von langer Dauer sein wird. Weniger als 50 Prozent der befragten Führungskräfte erwarten, dass diese "neuen Realitäten" mittelfristig, also in zwei bis drei Jahren, noch relevant sein werden.

Zwei Geschwindigkeiten im Wachstum der Volkswirtschaften: China, Indien und Brasilien werden sich schneller erholen

Alle Anzeichen deuten aber auf ein langsames Wirtschaftswachstum in den westlichen Ländern bis 2015 hin. In den USA, Europa und Japan können die jährlichen Wachstumsraten - so die Volkswirtschaften dem vom IWF aufgezeigten historischen Wachstumsmuster nach einer Rezession folgen - unter zwei Prozent fallen. Im Gegensatz dazu ist es wahrscheinlich, dass die Wachstumsraten in China, Indien und Brasilien wieder ein ähnliches Niveau wie vor der Krise erreichen:
China 8 bis 9 Prozent pro Jahr; Indien 6 bis 7 Prozent und Brasilien 3 bis 4 Prozent. Von den BRIC-Staaten läuft nur Russland Gefahr, jährlich lediglich 2 bis 3 Prozent zu wachsen. "Unternehmen müssen sich deshalb auf weltweit unterschiedliche Entwicklungsgeschwindigkeiten einstellen. Für Unternehmen im Westen bedeutet dies, dass ihnen in den nächsten fünf bis zehn Jahren ein harter Kampf um Wachstum bevorsteht", erklärt Stelter.

Weitere Ergebnisse der BCG-Umfrage:

Japanische Führungskräfte sind am pessimistischsten: Während weltweit 62 Prozent der Befragten kurzfristig ein Wachstum ihres nationalen Bruttoinlandsprodukts erwarten, sind es in Japan nur 40 Prozent; 45 Prozent rechnen sogar mit einem Rückgang.

62 Prozent der Befragten sehen Chancen für mehr Innovationen.

Das veränderte Konsumentenverhalten - eine höhere Sparquote und geringere Ausgaben - wird mehrheitlich als größte Herausforderung für 2010 gesehen: 81 Prozent der Befragten erwarten eine höhere Preissensibilität; 63 Prozent nehmen an, dass die Verbraucher zu günstigeren Produkten greifen, während 52 Prozent damit rechnen, dass zahlreiche Verbraucher zahlungsunfähig werden.

Die geringste Profitabilität erwarten Führungskräfte aus den Branchen Energie, Transport, Automobil, Konsumgüter, Hotel und Gaststätten sowie der Gesundheitsbranche.

55 Prozent der befragten Führungskräfte bewerten staatliche Konjunkturprogramme als hilfreich für ihre Geschäftsentwicklung; die Hälfte glaubt, dass Regierungsmaßnahmen Wachstum und Investitionen treiben.

Zwei Drittel der Führungskräfte rechnen mit einer stärkeren öffentlichen Kontrolle der Wirtschaftsethik; 61 Prozent erwarten eine zunehmend negative Resonanz auf persönliche Exzesse.

Mehr als die Hälfte der Befragten glauben, dass Quartalsergebnisse für die Bewertung der Unternehmensleistung an Bedeutung verlieren.

Mehr als drei Viertel der Befragten gehen davon aus, dass die Vergütung von Führungskräften in den kommenden fünf Jahren geringer ausfallen wird als in den vorangegangenen fünf Jahren. 69 Prozent sagen eine engere Verknüpfung mit der Erzielung von Shareholder-Value voraus.

Die Hälfte der Unternehmen mit rückläufigem Umsatz im Jahr 2009 erwartet für 2010 eine erneute Zunahme.

Die BCG-Partner Daniel Stelter und David Rhodes initiierten die Befragung im Rahmen der Vorbereitungen zu ihrem Buch "Accelerating Out of the Great Recession: How to Win in a Slow-Growth Economy". Das Buch erscheint am 19. Februar 2010, die vollständigen Ergebnisse der Umfrage, sie wurde in den USA, Japan, Frankreich, Deutschland, Großbritannien, Spanien und Italien durchgeführt, sind darin veröffentlicht.

Weitere Informationen finden Sie unter www.accelerating.bcg.com.

The Boston Consulting Group (BCG) ist eine internationale Managementberatung und weltweit führend auf dem Gebiet der Unternehmensstrategie. BCG unterstützt Unternehmen aus allen Branchen und Regionen dabei, Wachstumschancen zu nutzen und ihr Geschäftsmodell an neue Gegebenheiten anzupassen. In partnerschaftlicher Zusammenarbeit mit den Kunden entwickelt BCG individuelle Lösungen. Gemeinsames Ziel ist es, nachhaltige Wettbewerbsvorteile zu schaffen, die Leistungsfähigkeit des Unternehmens zu steigern und das Geschäftsergebnis dauerhaft zu verbessern. BCG wurde 1963 von Bruce D. Henderson gegründet und ist heute an 68 Standorten in 39 Ländern vertreten. Das Unternehmen befindet sich im alleinigen Besitz seiner Geschäftsführer. In Deutschland und Österreich erwirtschaftete BCG im Jahr 2008 mit 847 Beraterinnen und Beratern einen Umsatz von 369 Millionen Euro.

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