"Kleine Zeitung" Kommentar: "Es gibt leider kein Geld, um noch mehr Gold zu fördern" (Von Frido Hütter)

Ausgabe vom 19.01.2010

Graz (OTS) - Stellen Sie sich Folgendes vor: Irgendwo im
Bereich der Österreichischen Bundesforste wird Gold gefunden. Das kleine Klümpchen wandert in die Zentrale, dem Finder wird gratuliert. Sonst geschieht nichts.

Kurz Zeit später tritt ebendort abermals Gold zutage, ein ziemlich schwerer Nugget ist es diesmal. Doch das Ritual wiederholt sich, Ablage, Gratulation. Aus.

Stimmen werden laut, die Bundesforste mögen doch eine professionelle Exploration in Betracht ziehen. Die Antwort lautet, das könne man sich leider nicht leisten, aber man habe den Förstern ohnedies aufgetragen, in dieser Region besonders aufmerksam zu sein.

Und prompt fördert diese Aufmerksamkeit gleich zwei massive Goldklumpen zutage. Einen im Bach, einen am Ufer. Im Ministerium wird ein größerer Safe aufgestellt, die Gratulationen fallen besonders herzlich aus. - Und sonst geschieht weiterhin nichts. Begründung:
kein Geld.

Kein Geld für mehr Gold. Eine Schildbürger-Story? Nein, ein Modell dessen, wie sich die österreichische Regierung in Sachen Film verhält.

Seit einigen Jahren erbeuten heimische Filmkünstler mit ihren Werken in Serie die wichtigsten internationalen Preise und außer ein paar Glückwünschen und ein paar Euros wurde nichts dafür eingesetzt.

Eine halbwegs kreative Regierung müsste sich nach dieser Anerkennungsorgie zusammensetzen und die nötigen Konsequenzen beratschlagen. Statt es der Kulturministerin zu überlassen, ob sie noch die eine oder andere Million umschichten kann, müssten wenigstens die Ressorts Finanzen, Wirtschaft, Kultur und vielleicht sogar Infrastruktur gemeinsam einen Weg erarbeiten, der den künstlerischen Erfolgen ökonomische Nachhaltigkeit beschert. Hier geht es um eine neue Standortgründung.

Frankreich, Heimat von Europas erfolgreichster Filmindustrie, investiert pro Kopf zehnmal so viel Förderung wie Österreich. Deutschland (und auch Ungarn) zahlen Produktionsfirmen 20 Prozent der belegten Ausgaben zurück, wenn sie im Lande drehen usw. usf.

Nichts von alldem hier: So wie man nie auf die Idee gekommen war, die alte, von den Nazis verjagte Film-Elite wieder zurück- zubitten, so gleichgültig steht man auch der neuen Champions-Liga gegenüber. Und das in einer Zeit, die nach audiovisuellen Produkten giert. Und das in einer Welt, in der man nur durch Exzellenz überlebt.

Aber vielleicht sind die Signale der großen Welt noch nicht am kleinen Ballhausplatz angekommen.****

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