WirtschaftsBlatt-Leitartikel: Barack Obama ist eine einzige Enttäuschung - von Herbert Geyer

... weil sich alle Welt von ihm Wunder erwartet hat

Wien (OTS) - Ein Jahr nach seinem Amtsantritt würde es Barack
Obama nicht einmal etwas bingen, wenn er - wie einst ein anderer Hoffnungsträger am See Genezareth - übers Wasser wandeln könnte. Republikanische Politiker und die ihnen nahestehenden Anchormen in den Fernsehanstalten würden bloß die Vermutung äußern, er könne wohl nicht schwimmen.

Und Barack Obama kann nicht einmal übers Wasser wandeln. Wer das vor einem Jahr glauben mochte, ist seinen eigenen Wunschträumen aufgesessen. Ein US-Präsident ist nur so stark, wie ihn sein Parlament sein lässt. Und seine Hoffnung durch überzeugende Argumente auch Abgeordnete der gegnerischen Partei auf seine Seite ziehen zu können, haben sich nicht erfüllt. Zu groß sind die Ressentiments der Republikaner gegen einen Wahlsieger aus den Reihen der Demokraten -und schon gar gegen einen schwarzen Präsidenten.
Im Gegenteil: Es fällt Obama zunehmend schwerer, seine eigenen Demokraten auf Linie zu halten, etwa in Sachen Gesundheitsreform. Da bekommen auch Parteigänger des Präsidenten kalte Füße, weil sie die Abstrafung durch die Wähler fürchten. Denn gegen dieses Vorhaben -Krankenversicherung für jeden - das in jedem zivilisierten Staat ein gemurmeltes "No na" hervorrufen würde, lief und läuft in den USA eine Kampagne gegen den Präsidenten, die diesseits des Atlantiks kaum vorstellbar ist: Obama wird mit Adolf Hitler verglichen und gleichzeitig als Kommunist verunglimpft.

Dann noch Guantanamo (die nach Amtsantritt angekündigte Schließung scheitert an der Weigerung in den USA und in der Welt, die dort festgehaltenen Gefangenen aufzunehmen), Afghanistan und Irak (vergessen wir nicht: Es war Obamas Vorgänger George W. Bush, der diese Kriege begonnen hatte, ohne sich den Kopf darüber zu zerbrechen, wie er aus ihnen wieder herauskommen könnte). Und als wäre das alles nicht genug, ein Friedensnobelpreis, den er sich erst verdienen muss.

Auch international macht sich Ernüchterung breit: Amerika hat sich acht Jahre lang damit beschäftigt, den Klimawandel als Hirngespinst abzutun - jetzt erwartet alle Welt, dass der neue Präsident auch auf diesem Gebiet eine Führungsrolle übernimmt (für die er daheim schon aus wirtschaftlichen Überlegungen nie und nimmer eine Mehrheit bekommt).

Dabei wird übersehen, das Obama nach einem Jahr eine recht beachtliche Bilanz vorzulegen hat: Sein Programm zur Ankurbelung der Wirtschaft hat gewirkt, die Krise ist fürs erste überwunden. Seine Gesundheitsreform steht - mit vielen Abstrichen - vor der Verabschiedung durch das Parlament. Und in der Weltpolitik ist ein neuer Geist eingekehrt.

Man kann das als kleines Wunder anerkennen. Aber von Obama haben wir uns halt größere erwartet.

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