- 18.01.2010, 09:37:18
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WirtschaftsBlatt-Leitartikel: Jungunternehmer sind Frischluft für die Wirtschaft - Alexis Johann
Aber vor allem braucht unsere Wirtschaft mutige Gründer
Wien (OTS) - Wir haben jeden Fehler gemacht, den man in einem
eigenständigen Unternehmen machen kann. Nach zehn Jahren
Wirtschaftsjournalismus hatte ich keine Ahnung, wie ein Magazin
tatsächlich funktioniert", gibt Gabriele Fischer, Gründerin und
Chefredakteurin des Wirtschaftstitels "Brand Eins", das im Jahr
seines zehnten Jubiläums monatlich bereits 95.000 Exemplare verkauft,
offen zu. Trotz aller Probleme habe sie nie an ihrem Projekt
gezweifelt. Mit ihrer Gründung veränderte sie sogar ein bisschen den
gesamten Magazinmarkt. Fischer bewegte also die Wirtschaft so wie
Larry Page und Sergey Brin, die mit Google den Werbemarkt
veränderten, wie Ryanair-Gründer Michael O'Leary, der die
Reisebranche umkrempelte und so wie Howard Schultz mit Starbucks, der
einer Tasse Kaffee weltweit einen neuen Wert und einen Premium-Preis
verpasste.
Auch in Österreich haben Jungunternehmer der Wirtschaft immer wieder
jene Frischluft verpasst, die ihr das Atmen ermöglicht. 2009
gründeten mehr als 27.000 Österreicher eine Firma und vielleicht
hatten sie Page und Brin, vielleicht aber auch Hannes Jagerhofer vor
Augen, der der Großveranstaltung den Zopf abschnitt oder Niki Lauda,
der AUA und Lufthansa zeigte, wie Board-Service funktioniert oder
Dietrich Matteschitz, der Coca-Cola lehrte, was Jugend-Marketing ist.
Seltener haben Jungunternehmer das Scheitern im Kopf, den Fall des
Notebook-Herstellers Gericom oder die revolutionäre Erfindung jener
Linzer Design-Studenten, die eine wasserdichte Hülle für Mp3-Player
erfanden, aber an der Praxis scheiterten.
Gründe, um sich selbstständig zu machen, gibt es viele. Da gibt es
Menschen, die so wie Brand-Eins-Gründerin Fischer das Gefühl haben,
einen Tick schlauer zu sein, als ihre bisherigen Arbeitgeber. Andere
gehen in die Selbstständigkeit, um mit ihrer Ex-Firma im Rücken jene
Effizienz zu erzielen, die im großen Konstrukt unmöglich war. Nur in
ganz seltenen Fällen ist es die zündende Idee, die Menschen dazu
treibt, beinahe alles auf die eine Karte zu setzen.
Die Firmengründungen sind nun zum zweiten Mal in Folge leicht
zurückgegangen. Angesichts einer Wirtschaftskrise wird uns das nicht
alarmieren, doch wir können gegensteuern. Jungunternehmer brauchen
den Mut etablierter Unternehmen, die ihnen Aufträge geben, den Mut
der Banken zu attraktiven Krediten und Gesetze, die die Bürokratie
auf ein erträgliches Minimum reduzieren. Gründer brauchen Hilfe, aber
vor allem braucht die Wirtschaft Gründer.
Rückfragehinweis:
WirtschaftsBlatt
Tel.: Redaktionstel.: (01) 60 117/305
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