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Kleine Zeitung Kommentar: "Es ist gut und wichtig, dass Amerika gerade jetzt massiv hilft" (Von Ernst Heinrich

Ausgabe vom 18.01.2010

Graz (OTS) - Barack Obama hat die Linderung der Not in Haiti
zur Chefsache gemacht und mit einem in der bisherigen US-Geschichte
einzigartigen Hilfsprogramm seine beiden Amtsvorgänger Bill Clinton
und George W. Bush gleich mit vor den amerikanischen Hilfs-Karren
gespannt.

Dafür gibt es mehrere Beweggründe: Der erste afroamerikanische Mann
im Weißen Haus fühlt sich gerade Haiti besonders verbunden, war der
kleine Karibik-Staat mit seiner überweigend schwarzen Bevölkerung
1804 doch das erste Land, in dem Schwarze die weißen Herren
vertrieben und ihre Unabhängigkeit proklamierten. Dass diese
Befreiung den Menschen in Haiti danach alles, nur keine Befreiung von
Gewalt und Elend gebracht haben, ist eine andere Geschichte.

Der US-Präsident betreibt mit seinem Engagement für Haiti aber auch
amerikanische Vergangenheitsbewältigung. Denn seit es die Vereinigten
Staaten von Amerika gibt, behandelten sie die Karibik und die Länder
auf der mittelamerikanischen Landsbrücke als ihren "Hinterhof", in
dem man ungestört schalten und walten kann.

Faktisch kein Land in der gesamten Region, das nie von US-Truppen
besetzt, von rechten Diktatoren unterstützt und linken
Freiheitskämpfern attackiert wurde - von Kuba bis Nicaragua, von
Guatemala bis zur Dominikanischen Republik. Auch und gerade in Haiti
haben die USA ohne Skrupel jahrzehntelang blutrünstige Diktatoren an
der Macht gehalten und das Land zwischen 1915 und 1934 sogar besetzt.

Jetzt sind die Amerikaner wieder da - diesmal allerdings in
friedlicher Absicht, wenngleich Barack Obama nicht meinen sollte,
allein der Anblick von US-Marines werde in diesem von Gewalt
geprägten Land für Sicherheit sorgen. Die gut bewaffneten
marodierenden Banden, die jetzt um ihre Macht in den Slums bangen
müssen, werden den US-Soldaten nicht mit Jubel begegnen - im
Gegenteil.

Dennoch ist es gut und wichtig, dass die USA im ärmsten Land der
westlichen Hemisphäre jetzt so massiv Flagge zeigen. Obama
dokumentiert damit vor aller Welt, dass seine Soldaten nicht nur in
andere Länder kommen, um dort Krieg zu führen. Er zeigt mit der Kraft
einer Weltmacht, dass Amerika in der Not niemanden im Stich lässt,
ohne gleichzeitig strategische oder wirtschaftliche Interessen zu
verfolgen.

Ein Jahr nach seinem Amtsantritt wirft Barack Obama das ganze Gewicht
seines Präsidenten-Amtes in die Schale, um Haiti zu helfen. Er gibt
den Menschen damit, was sie dringend brauchen: Hoffnung. ****

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