- 15.01.2010, 18:37:44
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Wiener Zeitung: Leitartikel von Reinhard Göweil: "Zusammenhalt in der Krise"
Ausgabe vom 16. Jänner 2010
Wien (OTS) - Die Erdbeben-Katastrophe in Haiti hat eines gezeigt:
Bei schweren Krisen hält die Welt zusammen. Das Leid der Menschen in
dem karibischen Land ist so unvorstellbar, dass Dinge möglich werden,
die sonst nicht auf der Tagesordnung stehen: Da werden Flugzeugträger
zu Logistikzentren für die Verteilung von Lebensmitteln und
Medikamenten umfunktioniert; Airlines stellen Maschinen zur
Verfügung, um Hilfsgüter nach Port-au-Prince zu fliegen; auf der
ganzen Welt machen sich spontan Menschen auf den Weg, um zu helfen;
Spendenaktionen laufen an.
Nach einer Initiative von Frankreich und den USA wird es in Kürze
eine Wiederaufbau-Konferenz für Haiti geben. Die Aufgabe ist größer
als nach dem Tsunami, denn diesmal muss ein in Trümmern liegendes
Land vollkommen neu aufgebaut werden.
Das ungeheure Desaster in Haiti mag den plötzlich so hilfsbereiten
Regierungen als Wegweiser dienen: Die Insel-Republik verfügte auch
zuvor über eine so schwache Infrastruktur, dass es nun schwierig ist,
in betroffene Regionen und Dörfer zu gelangen. Die Regierung von
Haiti war den Namen kaum wert, das Erdbeben gab auch der korrupten
Verwaltung den Rest.
Haiti benötigt nun nicht nur den Wiederaufbau von Straßen, Schulen
und Krankenhäusern, sondern auch einen neuen Staatsapparat.
Bei den kommenden Hilfs-Konferenzen darf daher nicht im Vordergrund
stehen, wer am meisten Geld hergibt, sondern wie klug es eingesetzt
wird. Als Erstes wird ohnehin versucht, den seit Tagen allein
gelassenen Überlebenden zu helfen. Tausende Kinder irren geschockt
durch die Straßen.
Dann muss es eine klare internationale Koordination der Hilfe geben.
Die Staatengemeinschaft - und die Haitianer selbst - müssen sich
dabei überlegen, wie die Wirtschaft in Haiti dauerhaft in Gang
gebracht werden kann. Frankreich und die USA als frühere
Kolonialmächte haben genug Unsinn angerichtet. Mit dem Wiederaufbau
muss die Landwirtschaft, aber auch der Tourismus forciert,
Schulbildung selbstverständlich werden.
Diese Tragödie ist schlimm genug. Nachfolgende Generationen sollten
die Chance bekommen, in Haiti ein Leben in Würde zu führen.
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