• 15.01.2010, 11:16:53
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Jank holt internationalen Bildungsexperten nach Wien

Studie: Rd. 70 % der Wiener Betriebe haben Schwierigkeiten, geeignete Lehrlinge zu finden - Größte Schwächen bei Mathematik - WK Wien setzt auf internationale Erfahrungen

v.l.n.r.: Prof. Hans Henrik Knoop (Universität Aarhus, Dänemark), Brigitte Jank (Präsidentin Wirtschaftskammer Wien)

Wien (OTS) - 15.1.2010 - Wien, 15.01.2010 - Derzeit sind über
18.000 Lehrlinge in Wien in Ausbildung. "Die Ausbildung der
Fachkräfte von morgen hat einen hohen Stellenwert im Bewusstsein der
Wiener Betriebe", sagt Brigitte Jank, Präsidentin der
Wirtschaftskammer Wien. Allerdings klagen 68 Prozent der Wiener
Unternehmen über Schwierigkeiten, geeignete, qualifizierte
Jugendliche zu finden, wie eine aktuelle Studie des Instituts für
Bildungsforschung der Wirtschaft IBW im Auftrag der Wirtschaftskammer
Wien zeigt, für die 300 Wiener Betriebe aus allen Branchen befragt
wurden. Seit Jahren geht das Niveau der Pflichtschulabsolventen
zurück. Immer mehr Schulabgänger verfügen über nur geringe
Grundkompetenzen in Lesen, Schreiben, Rechnen. Die Wirtschaftskammer
Wien hat deshalb den international renommierten und erfahrenen
dänischen Bildungsexperten Prof. Hans Henrik Knoop und die
Lesestilexpertin Susanne Aabrandt zu Expertengesprächen nach Wien
eingeladen.

Details der Studie

Mit folgenden Fähigkeiten der Jugendlichen sind Wiener Betriebe nicht
oder gar nicht zufrieden:
Mathematik: 54%
sprachliches Ausdruckvermögen: 35%
logisches Denken: 35%
technisches Verständnis: 33%
gute Schulnoten im Allgemeinen: 44%

Die Ergebnisse der Umfrage sind umso alarmierender, als die
Unternehmer genau auf jene Qualifikationen besonderen Wert legen, in
den die Jugendlichen schlecht abschneiden. Denn für Unternehmer ist
besonders wichtig:
Logisches Denken: 98%
Sprachliches Ausdrucksvermögen: 95%
Mathematik: 84%
Technisches Verständnis: 65%
Gute Schulnoten im Allgemeinen: 79%

Jank: "Die Unternehmen legen Wert auf Basiskenntnisse, die sie
voraussetzen. Es ist für die Betriebe nicht möglich und auch nicht
zumutbar das nachzuholen, was die Jugendlichen in der Schule nicht
gelernt haben."

Erfahrungsberichte aus der Praxis

Johann Burgstaller, Unternehmer und Innungsmeister der Wiener
Tischler, kennt die Probleme nur zu gut: "Wir bilden seit 25 Jahren
kontinuierlich Lehrlinge aus und sind uns der Verantwortung den
Jugendlichen gegenüber bewusst. Das Basiswissen der jungen Menschen
ist in den letzten Jahren alarmierend stark abgefallen, sodass nur
mehr einige wenige den Berufsanforderungen gewachsen sind. Wo sind
geeignete, engagierte und praxisorientierte Jugendliche, die noch in
der Lage sind, die umfangreichen Facetten eines Berufes auch zu
erlernen? Wir brauchen dringend qualifizierte Facharbeiter mit guten
Ideen und Freude am Beruf."

Wie schwierig es ist, gut ausgebildete Jugendliche zu finden, betont
auch Thomas Huber, Ausbildungsleiter für den Hoch- und Ingenieurbau
in Wien bei der Strabag AG: "Im Frühjahr 2009 haben wir 104
jugendliche Bewerber zu einem Eignungstest eingeladen. Dieser Test
gliedert sich in die Bereiche sprachliches Ausdrucksvermögen,
Rechnen, Allgemeinwissen und Logik. Nur neun Prozent haben die
notwendige Mindestpunktezahl erreicht, um zu einem persönlichen
Vorstellungsgespräch eingeladen zu werden."

Aufwändige Auswahlverfahren

Ein Ergebnis der Studie ist, dass die Unternehmen bei der Suche nach
Lehrlingen sehr viel Zeit und Geld investieren und viele
unterschiedliche Auswahlverfahren anwenden. Wiens Betriebe setzen
auf:
Persönliche Auswahlgespräche: 99%
Praktische Tests: 61%
Schnupper-Lehrtage: 58%
Schriftliche Tests: 48%
Praktikumsplätze: 34%
Potenzialanalyse: 21%
Assessment Center: 11%

WK Wien sucht neue Ansätze für heimisches Bildungssystem

Für Wirtschaftskammer Wien-Präsidentin Jank sind die
Studienergebnisse eine Bestätigung ihrer langjährigen Forderungen im
Bildungsbereich - etwa nach Einführung verpflichtender
Mindest-Bildungsstandards in den Pflichtschulen oder Bildungs- und
Berufsorientierung in allen Schultypen.

Darüber hinaus setzt die Wirtschaftskammer Wien auf einen
wissenschaftlichen Diskurs, bei dem internationale
Best-Practice-Beispiele analysiert und auf ihre Umsetzbarkeit in
Österreich geprüft werden. Dazu hat Jank den international
renommierten und erfahrenen dänischen Bildungsexperten Prof. Hans
Henrik Knoop nach Wien eingeladen.

Knoop, der auch als Professor an der Universität Aarhus lehrt und
forscht, hat in der vergangenen Dekade weltweit Erfolge mit der
Qualifizierung von Jugendlichen und Erwachsenen für das Arbeitsleben
gefeiert - unter anderem in Forschungsprojekten gemeinsam mit den
Universitäten Harvard, Stanford mit der Claremont Graduate
University. Zusätzlich hat er maßgeblich an der Entwicklung des
dänischen Fernsehformats "Plan B" mitgewirkt, in dessen Zentrum die
Ausbildung Jugendlicher steht und das in Dänemark die zweithöchsten
Einschaltquoten überhaupt erreicht hat. Die erste Staffel wurde 2007
für die Verleihung der Goldenen Rose von Montreux nominiert.

Sechs Thesen für eine erfolgreiche Jugend-Qualifizierung

Knoops Ansatz besteht vor allem darin, durch gezielte Förderung die
spezifischen Defizite der jugendlichen Lehrstellensucher auszubessern
und die Jugendlichen in kurzer Zeit fit für den Arbeitsmarkt zu
machen. Für die Unternehmen soll damit gesichert sein, dass Bewerber
das Bildungsniveau mitbringen, auf dem eine Lehrausbildung aufbaut.
"Ein interessantes und kurzweiliges Umfeld ist Voraussetzung für
effizientes Lernen. Oft wird noch immer unterrichtet wie vor 100
Jahren", sagt Knoop.
Konkret baut Prof. Knoop seine Arbeit auf sechs Thesen auf:

? These 1: Die Jugendlichen brauchen gute Rahmenbedingungen, um
Lernerfolge erreichen und Kreativität entfalten zu können. Dazu
gehören gut ausgebildete Lehrer, eine gute örtliche Situation in den
Schulen, gesunde Lebensführung etc.
? These 2: Die Jugendlichen brauchen einen Unterricht, der auf ihre
individuellen Stärken aufbaut und über diesen Weg zu Lernerfolgen
auch in schwächeren Bereichen führt.
? These 3: Die Jugendlichen brauchen ein Lernumfeld, das motivierend
ist und Freude bereitet und die Wahrscheinlichkeit des
Ausbildungserfolgs optimiert.
? These 4: Die Jugendlichen brauchen Herausforderungen, die auf einen
tatsächlich bedeutenden Nutzen für den privaten, öffentlichen oder
gesellschaftlichen Bereich abzielen und dadurch eine persönliche
Bereicherung empfinden lassen.
? These 5: Die Jugendlichen brauchen soziale Beziehungen, die für
sowohl eine Kombination aus wohlwollender Unterstützung wie
stimulierenden Antrieb sorgen.
? These 6: Die Jugendlichen brauchen ein Instrument, das es ihnen
ermöglicht, laufende Anpassungen ihres Engagements in Abstimmung mit
ihren Stimmungslagen durchzuführen, um Erfolge wie auch frühzeitige
Warnsignale zuzulassen.

Prof. Knoop: "Auf der ganzen Welt sehen wir Schulen, in denen
Studenten in einer Kultur der Langeweile eingeengt werden und einer
Herabwürdigung ausgesetzt sind, die komplett gegen die grundlegenden
Bildungsideale aufgeklärter Bürger gerichtet ist. Solche Kulturen
bringen nicht nur Schüler zu einem ineffektiven Lernen, sie behindern
auch die Kreativität und fördern soziale Verantwortungslosigkeit als
Reaktion auf die erfahrene Schwäche und Hilflosigkeit."

"Die internationale PISA-Studie hat gezeigt, dass unterschiedliche
Bildungssysteme zu unterschiedlichen Ergebnissen führen", sagt Jank.
Hier möchte die WK Wien ansetzen und gemeinsam mit Professor Knoop
die Vor- und Nachteile der einzelnen nationalen Ausbildungswege
analysieren. Ziel ist es, Wege zu finden, mit denen Jugendliche, die
aufgrund mangelnder Qualifikation keine Lehrstelle gefunden haben,
wieder eine realistische Chance am Arbeitsmarkt bekommen.

Bild(er) zu dieser Aussendung finden Sie im AOM/Original Bild
Service, sowie im OTS Bildarchiv unter http://bild.ots.at

Rückfragehinweis:
Wirtschaftskammer Wien
Dr. Gary Pippan
Pressestelle
Tel.: (++43-1) 51450-1314

Digitale Pressemappe: http://www.ots.at/pressemappe/242

OTS-ORIGINALTEXT PRESSEAUSSENDUNG UNTER AUSSCHLIESSLICHER INHALTLICHER VERANTWORTUNG DES AUSSENDERS - WWW.OTS.AT | WHK

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