Kirche bemüht sich um aktiven Zugang zu den Menschen

Aktuelle Kirchenstatistik zeigt deutlichen Zusammenhang zwischen Entfremdung von der Kirche, kirchlichen Irritationen und Austrittszahlen

Wien, 12.01.2010 (KAP) Die starke Zunahme der Kirchenaustritte 2009 im Vergleich zu 2008 ist auf die erste Jahreshälfte 2009 zurückzuführen. Im zweiten Halbjahr 2009 ist die Kurve wieder stark abgeflacht; im Oktober 2009 gab es beispielsweise in der Erzdiözese Wien sogar um 11,30 Prozent weniger Austritte als im Vergleichsmonat des Jahres 2008, wie Erich Leitenberger, Pressesprecher der Erzdiözese Wien, im "Kathpress"-Gespräch am Dienstag betonte.

In der ersten Monaten des Jahres 2009 hätten die Vorgänge rund um die Aufhebung der Exkommunikation lefebvrianischer Bischöfe, insbesondere die Aussagen des Holocaust-Leugners Richard Williamson sowie die Irritationen rund um die beabsichtigte Ernennung eines Weihbischofs für die Diözese Linz ein sehr negatives Bild der Kirche in den Medien erzeugt. Viele Menschen, die der Kirche bereits stark entfremdet waren, hätten dies dann zum Anlass genommen, aus der Kirche auszutreten. Die klärenden Worte von Papst Benedikt XVI. und den österreichischen Bischöfen seien zwar von vielen sehr positiv aufgenommen worden, für nicht wenige aber auch zu spät gekommen.

Damit es erst gar nicht zu einer solchen Entfremdung der Menschen von der Kirche kommt, bemühe sich diese seit Jahren verstärkt, aktiv auf die Menschen zuzugehen, um mit ihnen ins Gespräch über "Gott und die Welt" zu kommen, sagte Leitenberger.

Vielfältige Aktionen und Initiativen

In der Erzdiözese Salzburg entstehen beispielsweise in der jährlichen Begegnungswoche "Offener Himmel" (2009 im Tennengau, 2010 im Dekanat Thalgau) viele persönliche Kontakte mit der Kirche vor Ort.

Für die Diözese Linz betont Generalvikar Severin Lederhilger ebenfalls das Bemühen der Kirche, aktiv auf die Menschen zuzugehen; so zum Beispiel im Kommunikationsschwerpunkt "Glaube gibt Halt", vor allem aber im sozialen Bemühen und Tun. Die Betriebsseelsorge stehe Menschen in der Wirtschaftskrise kompetent zur Seite und die Caritas helfe ganz generell Menschen in Not. Lederhilger wörtlich in einer ersten Stellungnahme zur aktuellen Kirchenstatistik: "Die Mitglieder der katholischen Kirche leisten einen großen Beitrag für das gesellschaftliche Miteinander in Oberösterreich."

Die Diözese habe sich vorgenommen, "auch weiterhin in der Gesellschaft bei den Menschen vor Ort präsent zu sein". Dazu brauche es aber auch das öffentliche Bekenntnis der Bevölkerung zur katholischen Kirche, ein aktives Mitdenken und Mittun sowie eine angemessene materielle Unterstützung. Lederhilger: "Nur gemeinsam können wir auch in unserer Zeit aus der Frohen Botschaft des Evangeliums heraus Antworten auf viele Notlagen und Wertfragen geben."

Er sei dankbar "für die Solidarität und Treue von über einer Million Katholiken in Oberösterreich, die sich zur Kirche bekennen und dadurch unsere Gesellschaft wesentlich mitgestalten", so Lederhilger. Zugleich zeigte er sich sehr betroffen, dass jedes Jahr Menschen ihre kirchliche Heimat mit einem Kirchenaustritt aufgeben.

Der Generalvikar wies darauf hin, dass gerade auch die Austrittserklärungen von kirchlicher Seite zum Anlass dafür genommen würden, um persönlich mit diesen Personen ins Gespräch zu kommen. Dies führe dazu, "dass manche ihren Schritt nochmals überdenken oder zumindest auf Zukunft hin dafür offen bleiben".

In der aktuellen Statistik sieht der Pastoralamtsleiter der Diözese Feldkirch, Walter Schmolly, erneut den Auftrag, "mit aller Kraft daran zu arbeiten, dass die Kirche von den Menschen als eine bedeutsame Wirklichkeit für ihr persönliches Leben erfahren wird". Die Menschen sollten erleben und wissen, "dass die Pfarrgemeinden und anderen kirchlichen Einrichtungen für ihre religiösen Themen und Anliegen, ebenso auch für ihr soziales und kulturelles Engagement gute Orte sind".

In Vorarlberg steht derzeit die Initiative "Die Wege der Pfarrgemeinden" im Vordergrund. Die bisherigen Gespräche hätten laut Schmolly bereits viele kreative und weiterführende Impulse hervorgebracht und damit gezeigt, "dass die Pfarrgemeinden sehr vielen engagierten Menschen ein großes Anliegen sind". 25.000 Frauen, Männer, Jugendliche und Kinder, die sich ehrenamtlich in der Diözese Feldkirch einbringen und 30.000 bis 100.000 Vorarlberger, die an Sonn- und Feiertagen die Gottesdienste mitfeiern, seien "ein starkes Zeichen lebendiger religiöser Orte in unserem Land, die auch zukunftsfähig sind".

Die Diözese Graz-Seckau weist in einer Aussendung zur Kirchenstatistik darauf hin, dass neben den innerkirchlichen Irritationen Anfang 2009 auch die schwierige wirtschaftliche Situation eine Rolle bei den Austritten gespielt habe. Vielen sei zu wenig bekannt, dass bei der Berechnung des Kirchenbeitrags auf individuelle Probleme Rücksicht genommen wird.

(forts. mgl.)
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