- 12.01.2010, 15:11:52
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Kirche bemüht sich um aktiven Zugang zu den Menschen
Aktuelle Kirchenstatistik zeigt deutlichen Zusammenhang zwischen Entfremdung von der Kirche, kirchlichen Irritationen und Austrittszahlen
Wien, 12.01.2010 (KAP) Die starke Zunahme der Kirchenaustritte 2009
im Vergleich zu 2008 ist auf die erste Jahreshälfte 2009
zurückzuführen. Im zweiten Halbjahr 2009 ist die Kurve wieder stark
abgeflacht; im Oktober 2009 gab es beispielsweise in der Erzdiözese
Wien sogar um 11,30 Prozent weniger Austritte als im Vergleichsmonat
des Jahres 2008, wie Erich Leitenberger, Pressesprecher der
Erzdiözese Wien, im "Kathpress"-Gespräch am Dienstag betonte.
In der ersten Monaten des Jahres 2009 hätten die Vorgänge rund um
die Aufhebung der Exkommunikation lefebvrianischer Bischöfe,
insbesondere die Aussagen des Holocaust-Leugners Richard Williamson
sowie die Irritationen rund um die beabsichtigte Ernennung eines
Weihbischofs für die Diözese Linz ein sehr negatives Bild der Kirche
in den Medien erzeugt. Viele Menschen, die der Kirche bereits stark
entfremdet waren, hätten dies dann zum Anlass genommen, aus der
Kirche auszutreten. Die klärenden Worte von Papst Benedikt XVI. und
den österreichischen Bischöfen seien zwar von vielen sehr positiv
aufgenommen worden, für nicht wenige aber auch zu spät gekommen.
Damit es erst gar nicht zu einer solchen Entfremdung der Menschen
von der Kirche kommt, bemühe sich diese seit Jahren verstärkt, aktiv
auf die Menschen zuzugehen, um mit ihnen ins Gespräch über "Gott und
die Welt" zu kommen, sagte Leitenberger.
Vielfältige Aktionen und Initiativen
In der Erzdiözese Salzburg entstehen beispielsweise in der
jährlichen Begegnungswoche "Offener Himmel" (2009 im Tennengau, 2010
im Dekanat Thalgau) viele persönliche Kontakte mit der Kirche vor
Ort.
Für die Diözese Linz betont Generalvikar Severin Lederhilger
ebenfalls das Bemühen der Kirche, aktiv auf die Menschen zuzugehen;
so zum Beispiel im Kommunikationsschwerpunkt "Glaube gibt Halt", vor
allem aber im sozialen Bemühen und Tun. Die Betriebsseelsorge stehe
Menschen in der Wirtschaftskrise kompetent zur Seite und die Caritas
helfe ganz generell Menschen in Not. Lederhilger wörtlich in einer
ersten Stellungnahme zur aktuellen Kirchenstatistik: "Die Mitglieder
der katholischen Kirche leisten einen großen Beitrag für das
gesellschaftliche Miteinander in Oberösterreich."
Die Diözese habe sich vorgenommen, "auch weiterhin in der
Gesellschaft bei den Menschen vor Ort präsent zu sein". Dazu brauche
es aber auch das öffentliche Bekenntnis der Bevölkerung zur
katholischen Kirche, ein aktives Mitdenken und Mittun sowie eine
angemessene materielle Unterstützung. Lederhilger: "Nur gemeinsam
können wir auch in unserer Zeit aus der Frohen Botschaft des
Evangeliums heraus Antworten auf viele Notlagen und Wertfragen
geben."
Er sei dankbar "für die Solidarität und Treue von über einer Million
Katholiken in Oberösterreich, die sich zur Kirche bekennen und
dadurch unsere Gesellschaft wesentlich mitgestalten", so
Lederhilger. Zugleich zeigte er sich sehr betroffen, dass jedes Jahr
Menschen ihre kirchliche Heimat mit einem Kirchenaustritt aufgeben.
Der Generalvikar wies darauf hin, dass gerade auch die
Austrittserklärungen von kirchlicher Seite zum Anlass dafür genommen
würden, um persönlich mit diesen Personen ins Gespräch zu kommen.
Dies führe dazu, "dass manche ihren Schritt nochmals überdenken oder
zumindest auf Zukunft hin dafür offen bleiben".
In der aktuellen Statistik sieht der Pastoralamtsleiter der Diözese
Feldkirch, Walter Schmolly, erneut den Auftrag, "mit aller Kraft
daran zu arbeiten, dass die Kirche von den Menschen als eine
bedeutsame Wirklichkeit für ihr persönliches Leben erfahren wird".
Die Menschen sollten erleben und wissen, "dass die Pfarrgemeinden
und anderen kirchlichen Einrichtungen für ihre religiösen Themen und
Anliegen, ebenso auch für ihr soziales und kulturelles Engagement
gute Orte sind".
In Vorarlberg steht derzeit die Initiative "Die Wege der
Pfarrgemeinden" im Vordergrund. Die bisherigen Gespräche hätten laut
Schmolly bereits viele kreative und weiterführende Impulse
hervorgebracht und damit gezeigt, "dass die Pfarrgemeinden sehr
vielen engagierten Menschen ein großes Anliegen sind". 25.000
Frauen, Männer, Jugendliche und Kinder, die sich ehrenamtlich in der
Diözese Feldkirch einbringen und 30.000 bis 100.000 Vorarlberger,
die an Sonn- und Feiertagen die Gottesdienste mitfeiern, seien "ein
starkes Zeichen lebendiger religiöser Orte in unserem Land, die auch
zukunftsfähig sind".
Die Diözese Graz-Seckau weist in einer Aussendung zur
Kirchenstatistik darauf hin, dass neben den innerkirchlichen
Irritationen Anfang 2009 auch die schwierige wirtschaftliche
Situation eine Rolle bei den Austritten gespielt habe. Vielen sei zu
wenig bekannt, dass bei der Berechnung des Kirchenbeitrags auf
individuelle Probleme Rücksicht genommen wird.
(forts. mgl.)
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