- 12.01.2010, 13:12:48
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Kirchenstatistik: Katholikenzahl 2009 leicht rückläufig
Gesamtzahl der Katholiken in Österreich beläuft sich auf 5,53 Millionen - 53.000 Personen traten 2009 aus der Kirche aus - Einige Diözesen verzeichnen Zugewinne bei den Wiedereintritten
Wien, 12.01.2010 (KAP) Die Zahl der Katholiken in Österreich hat im
Jahr 2009 leicht abgenommen. Die aktuellen Statistiken der
österreichischen Diözesen für das vergangenen Jahr zeigen im
Bundesdurchschnitt einen deutlichen Anstieg bei den Austritten im
ersten Halbjahr, der dann im zweiten Halbjahr signifikant
zurückgegangen ist. Einige Diözesen konnten auch leichte Zugewinne
bei den Wiedereintritten verzeichnen. Die Gesamtzahl der Katholiken
beläuft sich mit Stichtag 31. Dezember 2009 auf 5,53 Millionen. Ein
Jahr zuvor waren es laut amtlicher Statistik der Österreichischen
Bischofskonferenz 5,58 Millionen. Das bedeutet einen leichten
Rückgang um 0,8 Prozent.
2009 sind demnach insgesamt 53.216 Personen aus der katholischen
Kirche ausgetreten, das sind 0,96 Prozent der Katholiken in
Österreich (2008 gab es 40.654 Austritte, das entsprach 0,73 Prozent
der Katholiken). 4.650 Personen wurden 2009 in die Kirche neu oder
wieder aufgenommen (2008 waren dies 5.450).
Bei den Angaben für 2009 handelt es sich um vorläufige Zahlen.
Kleinere Korrekturen - vor allem bei den Neu- oder Wiedereintritten
- sind noch zu erwarten, da noch nicht in allen Diözesen die Daten
für die letzten Monate des Vorjahres umfassend vorliegen.
Jeder Kirchenaustritt sei für die Kirche als Gemeinschaft sehr
schmerzlich, betont Prof. Erich Leitenberger, Pressesprecher der
Erzdiözese Wien, zu den Entwicklungen. Umso erfreulicher sei es
aber, wenn die meisten Menschen gerade auch in schwierigen Zeiten
ihrer Kirche die Treue halten. 2009 sei für die Kirche in Österreich
kein leichtes Jahr gewesen. Trotzdem seien die Katholikenzahlen
relativ stabil geblieben.
Bewährt habe sich der im Oktober 2007 eingeführte Modus, der eine
dreimonatige kirchliche Bedenkfrist nach der Erklärung des
Kirchenaustritts vor der staatlichen Behörde vorsieht. Nicht wenige
Menschen haben im Vorjahr ihren Schritt nochmals überdacht, von
einem Kirchenaustritt schließlich abgesehen und ihre Entscheidung
widerrufen.
2009 sei sehr deutlich geworden, dass es für den Kirchenaustritt
zwar konkrete Anlässe gibt, die Ursachen dafür aber sehr viel tiefer
liegen, so Leitenberger. Wer nie oder fast nie mit dem kirchlichen
Leben in Berührung kommt und sich so von der Glaubensgemeinschaft
entfremde, trete eher aus, wenn die Kirche negativ in die
Schlagzeilen kommt. Aus diesem Grund bemühe sich die Kirche in
Österreich in den letzten Jahren zunehmend, aktiv auf die
Kirchenmitglieder zuzugehen.
Eine Rolle bei der Entwicklung der Austrittszahlen spiele, so
Leitenberger weiter, auch die gravierende Finanz- und
Wirtschaftskrise. Die Kirche spüre so wie andere Institutionen, die
einen Solidarbeitrag ihrer Mitglieder einheben, den Druck jener, die
zunehmend jede finanzielle Ausgabe kritisch hinterfragen.
Leitenberger verweist in diesem Zusammenhang auf die Verdoppelung
der steuerlichen Absetzbarkeit des Kirchenbeitrags von 100 auf 200
Euro. Das sei für viele eine große Erleichterung. Auf diese Weise
würdige der Staat auch die vielfältigen Leistungen der Kirche in den
Bereichen Seelsorge, Soziales, Entwicklungshilfe, Bildung und
Kultur. Diese Leistungen würden weitgehend durch den Kirchenbeitrag
ermöglicht und kämen letztlich allen zu Gute.
Erzdiözese Wien
Mit Stichtag 1. Jänner 2010 meldet die Erzdiözese Wien 1,301.570
Katholiken (Vorjahr: 1,315.545). 16.527 Personen traten aus der
Kirche aus, um 3.593 mehr als 2008 (12.934). Dafür kann die
Erzdiözese auf erfreulichere Entwicklungen bei den Neu- und
Wiedereintritten verweisen: Die vorläufige Zahl beläuft sich auf
1.084 Personen; im Vergleich dazu waren es 2008 nach der vorläufigen
Statistik 1.028 Personen.
2008 wurden schließlich aber insgesamt 1.439 Neu- und
Wiedereintritte gezählt. Mit einer ähnlichen Steigerung kann auch
für das Jahr 2009 gerechnet werden, wenn bis Mitte März alle
Nachmeldungen aus den Pfarren der Erzdiözese Wien vorliegen.
Diözese Linz
Mit Stichtag 1. Jänner 2010 hatte die Diözese Linz 1,032.208
Katholiken (Vorjahr: 1,041.154). Im Jahr 2009 traten 9.338 Personen
aus der Kirche aus (2008 waren es 6.506 Personen.) 724 Personen
traten wieder oder neu in die Kirche ein. Zusätzlich widerriefen 110
Personen ihren Austritt.
Diözese Graz-Seckau
In der Diözese Graz-Seckau gehörten zu Jahresbeginn 889.714 Personen
der katholischen Kirche an (Vorjahr: 893.476). 8.875 Personen traten
2009 aus der Kirche aus (2008: 6.567). Gleichzeitig konnten 1.502
Wieder- und Neueintritte verzeichnet werden (2008: 1.615). In diese
Zahl inkludiert sind auch 187 Personen, die ihren Austritt vor
Ablauf der Frist widerriefen.
Diözese Gurk
In der Diözese Gurk haben im vergangenen Jahr 2.907 Personen die
Kirche verlassen. Das sind 382 Personen mehr als im Jahr 2008 (2.525
Personen). Die Zahl der Wiedereintritte und Übertritte ist mit 409
Aufnahmen im Jahr 2009 gegenüber dem Vorjahr (378 Aufnahmen) leicht
gestiegen. Mit Stichtag 1. Jänner 2010 sind 402.850 Kärntner
römisch-katholisch.
Erzdiözese Salzburg
Auch in der Erzdiözese Salzburg ist im vergangenen Jahr die Zahl der
Austritte aus der Katholischen Kirche angestiegen: Kehrten 2008
insgesamt 3.307 Personen der Kirche den Rücken zu, so waren es im
abgelaufenen Jahr 2009 4.441. Zum 31. Dezember 2009 beträgt die
Gesamtzahl der Katholiken in der Erzdiözese 497.378 (31. Dezember
2008: 501.571). In 15 der 210 Pfarrgemeinden gab es übrigens im
Vorjahr keinen einzigen Kirchenaustritt.
Wie das Amt für Kommunikation und Öffentlichkeitsarbeit der
Erzdiözese weiters meldet, ist die Zahl der Wiedereintritte in die
Kirche gestiegen: So kamen im Jahr 2009 in der Erzdiözese 418 (2008:
355) Personen wieder in die Kirche zurück. Von den 418 Eintritten
haben 103 Personen ihre Entscheidung, die Kirche zu verlassen,
innerhalb der offenen Frist revidiert.
Diözese St. Pölten
541.531 Katholiken hatten mit Anfang des Jahres 2010 ihren
Hauptwohnsitz in der Diözese St. Pölten (vor einem Jahr waren es
laut Statistik der Diözese St. Pölten 546.562). 4.360 Katholiken
sind im vergangenen Jahr aus der Kirche ausgetreten (2008: 3.684).
Im vergangenen Jahr konnten mit 303 Wiedereintritten aber auch
genauso viele wie im vorangegangenen Jahr verzeichnet werden.
Diözese Innsbruck
Die Diözese Innsbruck zählte zum Jahreswechsel 403.730 Katholiken
(vor einem Jahr waren es 405.880). 3.220 Personen kehrten der Kirche
den Rücken (2008: 2525). Die Zahl der Eintritte blieb hingegen mit
263 weitgehend stabil (2008: 272). 62 Personen widerriefen ihren
Austritt, 2008 waren es 61.
Diözese Eisenstadt
Die Diözese Eisenstadt vermeldet für das vergangene Jahr 1.033
Austritte (2008: 830). 89 Personen wurden neu oder wieder in die
Kirche aufgenommen (2008: 93). 207.232 Katholiken gehören mit
Jahresbeginn 2010 der katholischen Kirche im Burgenland an (vor
einem Jahr waren es 208.689). In 27 Pfarren des Burgenlandes gab es
2009 keine Austritte.
Diözese Feldkirch
Die Diözese Feldkirch zählt aktuell 257.878 Katholiken (Vorjahr:
260.378). 2.515 Personen sind 2009 aus der Kirche ausgetreten (2008:
1.793). 199 Erwachsene sind in Vorarlberg wieder- oder neu
eingetreten. 31 Personen haben ihren Austritt widerrufen.
Die Gründe für einen Austritt seien "so verschieden, wie die
Menschen, die sich zum Austritt entschieden haben", so der
Feldkircher Pastoralamtsleiter Walter Schmolly. Die Monatsstatistik
lasse jedoch erkennen, dass kirchliche Ereignisse im ersten Quartal
des Jahres 2009 für viele Austritte unmittelbarer Anlass waren.
In den aktuellen Zahlen sieht Schmolly erneut den Auftrag, mit aller
Kraft daran zu arbeiten, dass die Kirche von den Menschen als eine
"bedeutsame Wirklichkeit" für ihr persönliches Leben erfahren werde.
"Sie sollen", so der Pastoralamtsleiter, "erleben und wissen, dass
die Pfarrgemeinden und die anderen kirchlichen Einrichtungen im Land
für ihre religiösen Themen und Anliegen, ebenso auch für ihr
soziales und kulturelles Engagement gute Orte sind."
(forts. mgl.)
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