Kirchenstatistik: Katholikenzahl 2009 leicht rückläufig

Gesamtzahl der Katholiken in Österreich beläuft sich auf 5,53 Millionen - 53.000 Personen traten 2009 aus der Kirche aus - Einige Diözesen verzeichnen Zugewinne bei den Wiedereintritten

Wien, 12.01.2010 (KAP) Die Zahl der Katholiken in Österreich hat im Jahr 2009 leicht abgenommen. Die aktuellen Statistiken der österreichischen Diözesen für das vergangenen Jahr zeigen im Bundesdurchschnitt einen deutlichen Anstieg bei den Austritten im ersten Halbjahr, der dann im zweiten Halbjahr signifikant zurückgegangen ist. Einige Diözesen konnten auch leichte Zugewinne bei den Wiedereintritten verzeichnen. Die Gesamtzahl der Katholiken beläuft sich mit Stichtag 31. Dezember 2009 auf 5,53 Millionen. Ein Jahr zuvor waren es laut amtlicher Statistik der Österreichischen Bischofskonferenz 5,58 Millionen. Das bedeutet einen leichten Rückgang um 0,8 Prozent.

2009 sind demnach insgesamt 53.216 Personen aus der katholischen Kirche ausgetreten, das sind 0,96 Prozent der Katholiken in Österreich (2008 gab es 40.654 Austritte, das entsprach 0,73 Prozent der Katholiken). 4.650 Personen wurden 2009 in die Kirche neu oder wieder aufgenommen (2008 waren dies 5.450).

Bei den Angaben für 2009 handelt es sich um vorläufige Zahlen. Kleinere Korrekturen - vor allem bei den Neu- oder Wiedereintritten - sind noch zu erwarten, da noch nicht in allen Diözesen die Daten für die letzten Monate des Vorjahres umfassend vorliegen.

Jeder Kirchenaustritt sei für die Kirche als Gemeinschaft sehr schmerzlich, betont Prof. Erich Leitenberger, Pressesprecher der Erzdiözese Wien, zu den Entwicklungen. Umso erfreulicher sei es aber, wenn die meisten Menschen gerade auch in schwierigen Zeiten ihrer Kirche die Treue halten. 2009 sei für die Kirche in Österreich kein leichtes Jahr gewesen. Trotzdem seien die Katholikenzahlen relativ stabil geblieben.

Bewährt habe sich der im Oktober 2007 eingeführte Modus, der eine dreimonatige kirchliche Bedenkfrist nach der Erklärung des Kirchenaustritts vor der staatlichen Behörde vorsieht. Nicht wenige Menschen haben im Vorjahr ihren Schritt nochmals überdacht, von einem Kirchenaustritt schließlich abgesehen und ihre Entscheidung widerrufen.

2009 sei sehr deutlich geworden, dass es für den Kirchenaustritt zwar konkrete Anlässe gibt, die Ursachen dafür aber sehr viel tiefer liegen, so Leitenberger. Wer nie oder fast nie mit dem kirchlichen Leben in Berührung kommt und sich so von der Glaubensgemeinschaft entfremde, trete eher aus, wenn die Kirche negativ in die Schlagzeilen kommt. Aus diesem Grund bemühe sich die Kirche in Österreich in den letzten Jahren zunehmend, aktiv auf die Kirchenmitglieder zuzugehen.

Eine Rolle bei der Entwicklung der Austrittszahlen spiele, so Leitenberger weiter, auch die gravierende Finanz- und Wirtschaftskrise. Die Kirche spüre so wie andere Institutionen, die einen Solidarbeitrag ihrer Mitglieder einheben, den Druck jener, die zunehmend jede finanzielle Ausgabe kritisch hinterfragen.

Leitenberger verweist in diesem Zusammenhang auf die Verdoppelung der steuerlichen Absetzbarkeit des Kirchenbeitrags von 100 auf 200 Euro. Das sei für viele eine große Erleichterung. Auf diese Weise würdige der Staat auch die vielfältigen Leistungen der Kirche in den Bereichen Seelsorge, Soziales, Entwicklungshilfe, Bildung und Kultur. Diese Leistungen würden weitgehend durch den Kirchenbeitrag ermöglicht und kämen letztlich allen zu Gute.

Erzdiözese Wien

Mit Stichtag 1. Jänner 2010 meldet die Erzdiözese Wien 1,301.570 Katholiken (Vorjahr: 1,315.545). 16.527 Personen traten aus der Kirche aus, um 3.593 mehr als 2008 (12.934). Dafür kann die Erzdiözese auf erfreulichere Entwicklungen bei den Neu- und Wiedereintritten verweisen: Die vorläufige Zahl beläuft sich auf 1.084 Personen; im Vergleich dazu waren es 2008 nach der vorläufigen Statistik 1.028 Personen.

2008 wurden schließlich aber insgesamt 1.439 Neu- und Wiedereintritte gezählt. Mit einer ähnlichen Steigerung kann auch für das Jahr 2009 gerechnet werden, wenn bis Mitte März alle Nachmeldungen aus den Pfarren der Erzdiözese Wien vorliegen.

Diözese Linz

Mit Stichtag 1. Jänner 2010 hatte die Diözese Linz 1,032.208 Katholiken (Vorjahr: 1,041.154). Im Jahr 2009 traten 9.338 Personen aus der Kirche aus (2008 waren es 6.506 Personen.) 724 Personen traten wieder oder neu in die Kirche ein. Zusätzlich widerriefen 110 Personen ihren Austritt.

Diözese Graz-Seckau

In der Diözese Graz-Seckau gehörten zu Jahresbeginn 889.714 Personen der katholischen Kirche an (Vorjahr: 893.476). 8.875 Personen traten 2009 aus der Kirche aus (2008: 6.567). Gleichzeitig konnten 1.502 Wieder- und Neueintritte verzeichnet werden (2008: 1.615). In diese Zahl inkludiert sind auch 187 Personen, die ihren Austritt vor Ablauf der Frist widerriefen.

Diözese Gurk

In der Diözese Gurk haben im vergangenen Jahr 2.907 Personen die Kirche verlassen. Das sind 382 Personen mehr als im Jahr 2008 (2.525 Personen). Die Zahl der Wiedereintritte und Übertritte ist mit 409 Aufnahmen im Jahr 2009 gegenüber dem Vorjahr (378 Aufnahmen) leicht gestiegen. Mit Stichtag 1. Jänner 2010 sind 402.850 Kärntner römisch-katholisch.

Erzdiözese Salzburg

Auch in der Erzdiözese Salzburg ist im vergangenen Jahr die Zahl der Austritte aus der Katholischen Kirche angestiegen: Kehrten 2008 insgesamt 3.307 Personen der Kirche den Rücken zu, so waren es im abgelaufenen Jahr 2009 4.441. Zum 31. Dezember 2009 beträgt die Gesamtzahl der Katholiken in der Erzdiözese 497.378 (31. Dezember 2008: 501.571). In 15 der 210 Pfarrgemeinden gab es übrigens im Vorjahr keinen einzigen Kirchenaustritt.

Wie das Amt für Kommunikation und Öffentlichkeitsarbeit der Erzdiözese weiters meldet, ist die Zahl der Wiedereintritte in die Kirche gestiegen: So kamen im Jahr 2009 in der Erzdiözese 418 (2008:
355) Personen wieder in die Kirche zurück. Von den 418 Eintritten haben 103 Personen ihre Entscheidung, die Kirche zu verlassen, innerhalb der offenen Frist revidiert.

Diözese St. Pölten

541.531 Katholiken hatten mit Anfang des Jahres 2010 ihren Hauptwohnsitz in der Diözese St. Pölten (vor einem Jahr waren es laut Statistik der Diözese St. Pölten 546.562). 4.360 Katholiken sind im vergangenen Jahr aus der Kirche ausgetreten (2008: 3.684). Im vergangenen Jahr konnten mit 303 Wiedereintritten aber auch genauso viele wie im vorangegangenen Jahr verzeichnet werden.

Diözese Innsbruck

Die Diözese Innsbruck zählte zum Jahreswechsel 403.730 Katholiken (vor einem Jahr waren es 405.880). 3.220 Personen kehrten der Kirche den Rücken (2008: 2525). Die Zahl der Eintritte blieb hingegen mit 263 weitgehend stabil (2008: 272). 62 Personen widerriefen ihren Austritt, 2008 waren es 61.

Diözese Eisenstadt

Die Diözese Eisenstadt vermeldet für das vergangene Jahr 1.033 Austritte (2008: 830). 89 Personen wurden neu oder wieder in die Kirche aufgenommen (2008: 93). 207.232 Katholiken gehören mit Jahresbeginn 2010 der katholischen Kirche im Burgenland an (vor einem Jahr waren es 208.689). In 27 Pfarren des Burgenlandes gab es 2009 keine Austritte.

Diözese Feldkirch

Die Diözese Feldkirch zählt aktuell 257.878 Katholiken (Vorjahr:
260.378). 2.515 Personen sind 2009 aus der Kirche ausgetreten (2008:
1.793). 199 Erwachsene sind in Vorarlberg wieder- oder neu eingetreten. 31 Personen haben ihren Austritt widerrufen.

Die Gründe für einen Austritt seien "so verschieden, wie die Menschen, die sich zum Austritt entschieden haben", so der Feldkircher Pastoralamtsleiter Walter Schmolly. Die Monatsstatistik lasse jedoch erkennen, dass kirchliche Ereignisse im ersten Quartal des Jahres 2009 für viele Austritte unmittelbarer Anlass waren.

In den aktuellen Zahlen sieht Schmolly erneut den Auftrag, mit aller Kraft daran zu arbeiten, dass die Kirche von den Menschen als eine "bedeutsame Wirklichkeit" für ihr persönliches Leben erfahren werde. "Sie sollen", so der Pastoralamtsleiter, "erleben und wissen, dass die Pfarrgemeinden und die anderen kirchlichen Einrichtungen im Land für ihre religiösen Themen und Anliegen, ebenso auch für ihr soziales und kulturelles Engagement gute Orte sind."

(forts. mgl.)
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