Gefängnis ist das Gegenteil von Asyl

Wien (OTS/ÖRK) - "Die Umsetzung des Koalitionsübereinkommens und die Qualität von Entscheidungen muss die Bundesregierung vor sich selbst und dem Wähler verantworten", sagt Werner Kerschbaum, stellvertretender Generalsekretär des Österreichischen Roten Kreuzes. Aus humanitärer Sicht seien die jüngsten Vorschläge der Innenministerin allerdings klar zu kritisieren: "Unschuldige Menschen nur deshalb einzusperren, weil sie zu uns gekommen sind und um Hilfe ansuchen, ist unmenschlich und unwürdig." ?Asyl? bedeute Zufluchtsort - nicht ?Gefängnis?. "De facto entspricht die Anwesenheitspflicht von Asylwerbern in den Erstaufnahmezentren einer Haft," so Kerschbaum weiter. "Inwiefern das Wegsperren von Menschen - ohne sachliche Rechtfertigung - positive Auswirkungen auf Asylverfahren haben soll, ist mir fraglich."
Abgesehen von verfassungsrechtlichen Bedenken widerspricht das Internieren von Asylwerbern dem von der Politik immer wieder beschworenen Grundwert der Menschlichkeit. "Als humanitäre Organisation bedauert das Rote Kreuz, dass in der öffentlichen Debatte Asylwerber mit Kriminellen gleichgestellt werden - zumeist unter der Verwendung fremdenfeindlicher Klischees", sagt Kerschbaum und fordert eine Rückbesinnung auf humanitäre Werte. Asylwerber dürfen nicht länger ausschließlich als ein Problem angesehen werden, sondern als Menschen, die um Schutz vor Verfolgung ansuchen. Als solche müssen sie menschenwürdig behandelt werden. "Dazu gehört, dass man Asylverfahren schneller abschließt, dazu gehört auch man zulässt, dass Asylwerber zu ihrem Unterhalt beitragen können und schließlich gehört eine Unterbringung unter menschenwürdigen Umständen dazu", so Kerschbaum. "Als eines der reichsten Länder der Welt hat Österreich in diesem Zusammenhang eine besondere Verpflichtung als humanitärer Gastgeber. Die derzeitige unwürdige Polemik trägt jedenfalls nichts zur Erfüllung Österreichs rechtlicher und moralischer Pflichten bei, verfolgte Menschen zu schützen."

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