• 11.01.2010, 08:29:49
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WirtschaftsBlatt-Leitartikel: 2010 wird ein gutes IPO-Jahr - freuen wir uns - Herbert Geyer

... aber es ist nicht alles Gold, was als glänzend verkauft wird

Wien (OTS) - Im neuen Jahr werden weltweit viele Unternehmen den
ersten Schritt
an die Börse wagen. Das ist zweifellos ein gutes Zeichen: Die Folgen
der Krise ebben ab, die Konjunktur gewinnt wieder an Fahrt, die
Unternehmen schmieden wieder Expansionspläne und holen sich von der
Börse das nötige Kleingeld dafür.

Der bevorstehende Schwall an IPOs vor allem in den Emerging Markets
hat aber auch eine Kehr seite: Gleich beim ersten großen Börsegang im
Osten, wenn der russische Oligarch Oleg Deripaska noch im Jänner
seinen Alu-Produzenten Rusal an die Börse von Hongkong bringt, geht
es nicht um Expansion, sondern um den Abbau alter Schulden. Deripaska
hat sich im Vorjahr mit der Übernahme von Norilsk Nickel derart
übernommen, dass sein ganzes Imperium ins Wanken geriet. Das
Rusal-IPO soll jetzt den Druck der Banken auf das Unternehmen
lindern.

Emerging Markets-Guru Mark Mobius fürchtet, dass in den von ihm
bearbeiteten Märkten zahlreiche derartige IPOs stattfinden werden,
weil dort die von den Banken zur Verfügung gestellte Liquidität
einfach nicht ausreicht und die Zinsen zu hoch sind. Diese IPOs
werden so viel Geld absaugen, dass auf diesen Märkten Kurseinbrüche
von rund 20 Prozent zu befürchten sind, meint Fonds-Wunderwuzzi
Mobius.

Die von ihm vorgeschlagenen Alternativen sind freilich ebenfalls mit
Vorsicht zu genießen: Er habe in Vietnam, Nigeria, Kasachstan und der
Ukraine einige "wirklich billige" Werte gefunden, sagt er. Sofern an
den Börsen dieser Länder ausländische Privatanleger überhaupt
zugelassen sind, sollten sie auf diese Chancen eher verzichten -
gegen die Börsen von Hanoi oder Almati ist selbst der Wiener
Auktionsmarkt ein leuchtendes Beispiel für Liquidität und
Transparenz.

Engagements in China sind differenziert zu betrachten: Ja, die
chinesische Wirtschaft wächst und mit ihr die dort aktiven
Unternehmen. Aber China will heuer das Gesamt-Kreditvolumen unter das
des Vorjahres drücken - auch da werden zahlreiche Börsegänge
Verlegenheitslösungen sein, um der Kreditklemme auszuweichen.

So gesehen ist es kein schlechtes Zeichen, dass Wien zunächst bei der
großen IPO-Schwemme nicht mitmacht. Offenbar kommen die
österreichischen Unternehmen (denen ein ordentlicher Bankkredit
ohnehin immer schon lieber war als Teilhaber, die bei der
Firmenleitung mitreden wollen) mit dem Geld aus, das ihnen die Banken
zur Verfügung stellen.

Die Wiener IPOs des nächsten Jahres werden umso besser sein.

Rückfragehinweis:
WirtschaftsBlatt
Tel.: Redaktionstel.: (01) 60 117/305
http://www.wirtschaftsblatt.at

Digitale Pressemappe: http://www.ots.at/pressemappe/236

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