WirtschaftsBlatt-Leitartikel: 2010 wird ein gutes IPO-Jahr - freuen wir uns - Herbert Geyer

... aber es ist nicht alles Gold, was als glänzend verkauft wird

Wien (OTS) - Im neuen Jahr werden weltweit viele Unternehmen den ersten Schritt
an die Börse wagen. Das ist zweifellos ein gutes Zeichen: Die Folgen der Krise ebben ab, die Konjunktur gewinnt wieder an Fahrt, die Unternehmen schmieden wieder Expansionspläne und holen sich von der Börse das nötige Kleingeld dafür.

Der bevorstehende Schwall an IPOs vor allem in den Emerging Markets hat aber auch eine Kehr seite: Gleich beim ersten großen Börsegang im Osten, wenn der russische Oligarch Oleg Deripaska noch im Jänner seinen Alu-Produzenten Rusal an die Börse von Hongkong bringt, geht es nicht um Expansion, sondern um den Abbau alter Schulden. Deripaska hat sich im Vorjahr mit der Übernahme von Norilsk Nickel derart übernommen, dass sein ganzes Imperium ins Wanken geriet. Das Rusal-IPO soll jetzt den Druck der Banken auf das Unternehmen lindern.

Emerging Markets-Guru Mark Mobius fürchtet, dass in den von ihm bearbeiteten Märkten zahlreiche derartige IPOs stattfinden werden, weil dort die von den Banken zur Verfügung gestellte Liquidität einfach nicht ausreicht und die Zinsen zu hoch sind. Diese IPOs werden so viel Geld absaugen, dass auf diesen Märkten Kurseinbrüche von rund 20 Prozent zu befürchten sind, meint Fonds-Wunderwuzzi Mobius.

Die von ihm vorgeschlagenen Alternativen sind freilich ebenfalls mit Vorsicht zu genießen: Er habe in Vietnam, Nigeria, Kasachstan und der Ukraine einige "wirklich billige" Werte gefunden, sagt er. Sofern an den Börsen dieser Länder ausländische Privatanleger überhaupt zugelassen sind, sollten sie auf diese Chancen eher verzichten -gegen die Börsen von Hanoi oder Almati ist selbst der Wiener Auktionsmarkt ein leuchtendes Beispiel für Liquidität und Transparenz.

Engagements in China sind differenziert zu betrachten: Ja, die chinesische Wirtschaft wächst und mit ihr die dort aktiven Unternehmen. Aber China will heuer das Gesamt-Kreditvolumen unter das des Vorjahres drücken - auch da werden zahlreiche Börsegänge Verlegenheitslösungen sein, um der Kreditklemme auszuweichen.

So gesehen ist es kein schlechtes Zeichen, dass Wien zunächst bei der großen IPO-Schwemme nicht mitmacht. Offenbar kommen die österreichischen Unternehmen (denen ein ordentlicher Bankkredit ohnehin immer schon lieber war als Teilhaber, die bei der Firmenleitung mitreden wollen) mit dem Geld aus, das ihnen die Banken zur Verfügung stellen.

Die Wiener IPOs des nächsten Jahres werden umso besser sein.

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