• 04.01.2010, 17:21:30
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Wiener Zeitung: Leitartikel von Walter Hämmerle: "Hoffen auf die Bayern"

Ausgabe vom 5. Jänner 2010

Wien (OTS) - Die Aufklärung der Hintergründe rund um die Geschäfte
und den Verkauf der Kärntner Hypo Alpe Adria verspricht spannend zu
werden. Gemeinhin verlieren sich solche Affären ja im
österreichischen Graubereich zwischen Politik und Wirtschaft. Am Ende
weiß dann verlässlich kein Bürger mehr, welche Seite der Wahrheit
spricht. Vermeintliche Tatsachen mutieren so in Österreich zu -
oftmals politisch verbrämten - Glaubensbekenntnissen.

Wenn diese ultimative Verwirrung erreicht ist, gilt hierzulande ein
Fall als ordentlich aufgearbeitet. Natürlich bietet eine solche
Unkultur augenzwinkernder Rechtsstaatlichkeit das ideale Biotop für
Verschwörungstheoretiker aller Sorten und Farben. In Österreich ist
schließlich fast jeder irgendwie immer Partei: Staatsanwälte,
Wirtschaftstreibende, Journalisten und Politiker sowieso.

Bei der Kärntner Hypo könnten diesmal die Uhren jedoch anders gehen.
Den Bayern sei Dank. Die derzeit Verantwortlichen in München scheinen
nämlich nicht gewillt, angesichts des Verlusts von fast vier
Milliarden Euro für die staatseigene BayernLB aus der Übernahme der
Kärntner Hypo einfach zur Tagesordnung überzugehen. Gleich 28
Mitarbeiter hat die bayrische Staatsanwaltschaft auf den Fall
angesetzt - in Klagenfurt untersucht angeblich nur einer; längst
haben deutsche Medien die Spur nach möglichen Betrügern und ihren
Zuarbeitern in Banken und Politik aufgenommen. Auch diese verfügen
übrigens im Vergleich zu ihren österreichischen Pendants über
deutlich mehr Personal für qualifizierte Recherchen.

Der allergrößte Vorteil der Deutschen aber ist: Sie gehören keinem
der hiesigen informellen Netzwerke an, die Politik, Wirtschaft und
Medien in Österreich fatalerweise so inniglich verbinden.

Auf diese Weise kann hoffentlich sichergestellt werden, dass sich der
Fall der Kärntner Hypo nicht im ansonsten üblichen Gemisch aus vagen
Verdächtigungen und halbwahren Anschuldigungen verliert. Knallige
Schlagzeilen selbst ernannter Aufdecker sind kein Ersatz für seriöse
Recherche.

Natürlich könnten das alles die heimischen Ermittler ganz zweifellos
auch im Alleingang bewerkstelligen. Allerdings: Vertrauen ist gut,
Kontrolle besser.

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Tel.: +43 1 206 99-474
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