Wiener Zeitung: Leitartikel von Walter Hämmerle: "Hoffen auf die Bayern"

Ausgabe vom 5. Jänner 2010

Wien (OTS) - Die Aufklärung der Hintergründe rund um die Geschäfte und den Verkauf der Kärntner Hypo Alpe Adria verspricht spannend zu werden. Gemeinhin verlieren sich solche Affären ja im österreichischen Graubereich zwischen Politik und Wirtschaft. Am Ende weiß dann verlässlich kein Bürger mehr, welche Seite der Wahrheit spricht. Vermeintliche Tatsachen mutieren so in Österreich zu -oftmals politisch verbrämten - Glaubensbekenntnissen.

Wenn diese ultimative Verwirrung erreicht ist, gilt hierzulande ein Fall als ordentlich aufgearbeitet. Natürlich bietet eine solche Unkultur augenzwinkernder Rechtsstaatlichkeit das ideale Biotop für Verschwörungstheoretiker aller Sorten und Farben. In Österreich ist schließlich fast jeder irgendwie immer Partei: Staatsanwälte, Wirtschaftstreibende, Journalisten und Politiker sowieso.

Bei der Kärntner Hypo könnten diesmal die Uhren jedoch anders gehen. Den Bayern sei Dank. Die derzeit Verantwortlichen in München scheinen nämlich nicht gewillt, angesichts des Verlusts von fast vier Milliarden Euro für die staatseigene BayernLB aus der Übernahme der Kärntner Hypo einfach zur Tagesordnung überzugehen. Gleich 28 Mitarbeiter hat die bayrische Staatsanwaltschaft auf den Fall angesetzt - in Klagenfurt untersucht angeblich nur einer; längst haben deutsche Medien die Spur nach möglichen Betrügern und ihren Zuarbeitern in Banken und Politik aufgenommen. Auch diese verfügen übrigens im Vergleich zu ihren österreichischen Pendants über deutlich mehr Personal für qualifizierte Recherchen.

Der allergrößte Vorteil der Deutschen aber ist: Sie gehören keinem der hiesigen informellen Netzwerke an, die Politik, Wirtschaft und Medien in Österreich fatalerweise so inniglich verbinden.

Auf diese Weise kann hoffentlich sichergestellt werden, dass sich der Fall der Kärntner Hypo nicht im ansonsten üblichen Gemisch aus vagen Verdächtigungen und halbwahren Anschuldigungen verliert. Knallige Schlagzeilen selbst ernannter Aufdecker sind kein Ersatz für seriöse Recherche.

Natürlich könnten das alles die heimischen Ermittler ganz zweifellos auch im Alleingang bewerkstelligen. Allerdings: Vertrauen ist gut, Kontrolle besser.

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