- 01.01.2010, 20:07:39
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Bischof Bünker in der Neujahrsansprache: Flucht ist kein Verbrechen
In seiner Neujahrsansprache im ORF kritisiert der evangelisch-lutherische Bischof die Bedingungen in der Schubhaft
Wien (OTS) - "Ich wünsche mir, dass gerade in Österreich, einem
der reichsten Länder der Welt, nicht auf die vergessen wird, die aus
schrecklichen Verhältnissen kommen und bei uns Aufnahme und Schutz
suchen." Das sagte der evangelisch-lutherische Bischof Michael Bünker
in seinem "Wort zum Neuen Jahr" am 1. Jänner in ORF 2.
Bünker, der aus dem Flüchtlingshaus Rossauer Lände der Diakonie in
Wien sprach, teilte mit, dass die Kirchen in Europa das Jahr 2010 zum
Jahr der Migration erklärt haben. Damit solle "der Einsatz der
Kirchen für MigrantInnen und Flüchtlinge sichtbar gemacht und eine
Politik gefordert werden, die die Rechte und Interessen von
MigrantInnen, Flüchtlingen und ethnischen Minderheiten wahrt und
berücksichtigt". Es gehe um eine Politik der Integration, die
Flüchtlinge "nicht ausschließt und wegsperrt, sondern ihnen
ermöglicht, am gesellschaftlichen Leben teilzunehmen".
Kritisch ging der Bischof auf die Situation der Schubhaft in
Österreich ein. Ohne Sozialberatung und ohne Rechtsberatung seien
tausende Menschen eingesperrt, die nichts verbrochen hätten. Sie
hätten einen Antrag auf Asyl gestellt und müssten oft sehr lange
warten, bis dieser Antrag von den Behörden geprüft und entschieden
sei. Es sei nicht richtig, dass sie in dieser Zeit in Schubhaft
genommen werden, erklärte Bünker in seiner Neujahransprache.
Schubhaft nur als letztes Mittel
Der Bischof kritisierte auch, dass Flüchtlingen in Österreich immer
wieder mit dem Verdacht des Missbrauchs und der Kriminalität begegnet
werde. Einzelfälle würden verallgemeinert und als Munition verwendet,
um Menschen gegeneinander aufzubringen und so Stimmung zu machen
"gegen die Ausländer". Dahinter stünden oft politische Interessen.
Dagegen hielt Bünker fest: "Flucht ist kein Verbrechen." Asylsuchende
hätten Menschlichkeit und Gerechtigkeit verdient.
Bünker forderte: "Schubhaft darf nur als letztes Mittel verhängt
werden, die Bedingungen der Schubhaft müssen verbessert werden, die
Seelsorge für Menschen in Schubhaft muss ausgebaut werden."
Rückfragehinweis:
epdÖ
Dr. Thomas Dasek
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