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"Kleine Zeitung" Kommentar: "Anstand kann mehr sein, als ein Begriff aus der Jägersprache" (Von Reinhold Dottolo)
Ausgabe vom 25.12.2009
Graz (OTS) - Wer den Begriff Anstand in eine Suchmaschine
eingibt, der erfährt zweierlei: Dass er die gute Sitte im Benehmen
bezeichnen und Ausdruck grundlegender Wertvorstellungen sein sollte.
Andererseits "ergoogelt" man sich die Erkenntnis, dass mit Anstand
auch das Erwarten des Wildes durch einen Jäger in guter Deckung zu
verstehen ist. Nun sind zwar nicht wenige politische Mandatare Jäger,
Jäger aber im Schnitt nicht weniger ehrenwert als der Rest der
Bevölkerung. Der Drang, es Nimrod gleichzutun, kann somit kaum als
Grund dafür herhalten, dass in unserer Politik Ehrlichkeit, Treue und
Feingefühl immer stärker als vernachlässigbare Tugenden gesehen
werden.
Eine zu düstere Sicht der Dinge? Brechen wir das, was in der Kärntner
Politik zuletzt passiert ist, auf die Ebene zwischenmenschlicher
Beziehungen herunter. Da wurde der BayernLB unwissentlich - oder,
noch ärger, wissentlich - die marode Hypo Group Alpe Adria angedreht.
Dann aber, als aufflog, wie belastet die Bank war, hatten die
Kärntner Verkäufer für ihre Freunde aus Bayern nur ein Grinsen oder
ein desinteressiertes Schulterzucken übrig. Auf den Alltag umgesetzt
wäre das so: Ein guter Bekannter verkauft Ihnen um teures Geld einen
Gebrauchtwagen. Als dieser kurz darauf zusammenbricht und sich
herausstellt, dass er zwar außen hui, innen aber pfui war, besteht
die Reaktion des Verkäufers nur darin, seiner Freude Ausdruck zu
verleihen, die "Gurken" rechtzeitig losgeworden zu sein.
"Rosstäuscher" wäre ein Vokabel, das Ihnen zu solchen Freunden
einfiele. Und anderen empfehlen würden Sie diese auch nicht. Was
könnten Sie weiters empfinden, hätten Sie auf Drängen von Partnern
die Leitung einer Firma übernommen und müssten kurz darauf
feststellen, dass jene, die Sie innigst gebeten hatten, das zu tun,
zu einem Konkurrenzunternehmen übergelaufen sind? BZÖ-Chef Josef
Bucher weiß, wie man sich dann fühlt.
Was schlussendlich würden Sie von jemandem halten, der mehrfach
lauthals verkündet, von einem bestimmten Mitmenschen aber schon gar
nichts zu halten und mit diesem nichts zu tun haben zu wollen -dann
aber aus Opportunität das Gegenteil des Gesagten tut? Nein, es bedarf
nicht des Umganges des Kärntner Landeshauptmannes Gerhard Dörfler mit
FPÖ-Chef Heinz Christian Strache, um zu erkennen, dass in der Politik
zunehmend moralische Wilderer unterwegs sind, die beim Wort Anstand
weniger ans Benehmen denken, als an ein Platzerl für einen Schuss aus
dem Hinterhalt.****
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