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Wiener Zeitung: Leitartikel von Reinhard Göweil: "Schade für Eberau"

Ausgabe vom 22. Dezember 2009

Wien (OTS) - Wären der Aufschrei im Burgenland und die mediale
Aufmerksamkeit genauso groß gewesen, wenn in Eberau ein Gefängnis
errichtet werden sollte? Wohl kaum. Asylwerber sind aber keine
Kriminellen, sondern flüchteten vor Zuständen, die sich die meisten
in Österreich nicht vorstellen können (und auch nicht sollen).

Dass die Landesregierung in Eisenstadt das gesamte
verwaltungstechnische Arsenal auspackte, um den Baubescheid für eine
Asyl-Erstaufnahmestelle zu kippen, muss also andere Gründe haben.
Dass sich der Landeshauptmann (SPÖ) und sein Stellvertreter (ÖVP)
gegenseitig übertrumpfen, wer als Erster den Bürgermeister von Eberau
stoppte, hat niedere politische Gründe.

Das Burgenland wählt Anfang Mai, und das Auffanglager wäre für die
Freiheitlichen ein tolles Thema gewesen, gegen alles zu wettern, was
irgendwie "ausländisch" ist. Und Sozialdemokraten und
Christlich-Soziale im Burgenland haben Angst, Stimmen an die FPÖ zu
verlieren.
Angst ist aber ein schlechter Ratgeber, so auch hier. Das Burgenland
ist ein buntes Land, Ressentiments gegen Ausländer und Minderheiten
sind dort weniger stark ausgeprägt als im Westen Österreichs.
Mehrsprachigkeit ist in burgenländischen Schulen nichts
Außergewöhnliches. Und für den verschlafenen Weinort Eberau an der
Grenze zu Ungarn wäre die Aufnahmestelle für Asylwerber auch eine
wirtschaftliche Chance.

Der Standort, das Umfeld: Alles hätte gepasst. Innenministerin Fekter
hat alles richtig gemacht bei der Auswahl. Dann hat sie sich aber auf
den Bürgermeister als Baubehörde verlassen, anstatt die
Landesregierung in Eisenstadt frühzeitig einzubinden. Ein schwerer
politischer Fehler.

Irgendwo in Österreich wird es diese zusätzliche Aufnahmestelle für
Asylwerber geben. Es wäre großartig gewesen, wenn sich
Innenministerin und Landeshauptmann gemeinsam hingestellt hätten, um
Eberau als Standort zu verkünden, und die kulturelle und
wirtschaftliche Chance für die Region herauszustreichen.

Nun geht alles den politischen Trampelpfad. Die Politiker in
Eisenstadt übersehen aber, dass genau dieses Schablonen-Verhalten die
Leute von den "staatstragenden" Parteien wegtreibt.

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