• 21.12.2009, 11:53:41
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Chefarztpflicht ist ausschließlich gesundheitsbürokratische Schikane

Wien (OTS) - Ein cleverer Schachzug der Politik: Ärztinnen und
Ärzte werden immer häufiger zur "Rationierung" dessen eingesetzt, was
man auf politischer Ebene nie umsetzen könnte. Und werden wie am
Beispiel der Medikamentenkosten dafür auch noch als Kostentreiber
dargestellt!

"Wenn heute Funktionäre des Hauptverbandes der
Sozialversicherungsträger in einem Pressegespräch die Chefarztpflicht
schönreden, so ist das die einseitige Darstellung von
Gesundheitsbürokraten. Vermutlich hat keiner der selbsternannten
Experten, die mit dem Statement "Klares Ja zur Chefarztpflicht"
aufwarten, auch nur einen einzigen Bewilligungsvorgang in einer
Kassenpraxis miterlebt", zeigt sich der Medikamentenreferent der
Ärztekammer für Niederösterreich Dr. Wolfgang Geppert verärgert.
Die Vertragsärztinnen und -ärzte leiden Tag für Tag unter dieser
bürokratischen Schikane, die man in Gesundheitssystemen anderer
Länder vergeblich sucht. "Noch vor dem Verlassen des
Behandlungsraumes haben wir unseren Patienten Rede und Antwort zu
stehen, warum zum Beispiel eine im Krankenhaus begonnene Therapie in
der Praxis nicht fortgesetzt werden kann", so Dr. Geppert weiter.
"Von einem Chefarzt abgelehnt, der irgendwo im Bundesgebiet vor einem
Bildschirm sitzt und den Erkrankten nie zu Gesicht bekommen hat."

Gratis-Medikamente im Spital als Hauptproblem bei Weiterverschreibung

Tatsächlich zählen Weiterverschreibungen zu den größten Problemen
im Bereich der Medikation. "Wir Ärztinnen und Ärzte sind
verpflichtet, unsere Patientinnen und Patienten nach dem Stand der
medizinischen Wissenschaft zu behandeln. Dazu gehört auch die
Medikation als wesentliches Element. Nach diesem Grundsatz wird im
Krankenhaus die Therapie begonnen, die anschließend von den
niedergelassenen Ärztinnen und Ärzten fortgesetzt werden sollte", so
Ärztekammerpräsident Dr. Christoph Reisner. In der Praxis beginnen
genau hier bei der Weiterverordnung kostenintensiverer Medikamente
die Probleme.

Was für die Patientinnen und Patienten in den Kassenpraxen
aufgrund der Vorgaben durch die Sozialversicherung oft aus
Kostengründen nicht verfügbar ist, gibt es in den Spitälern in Hülle
und Fülle. Denn einen Teil der Arzneimittel stellen die Pharmafirmen
den Krankenanstaltsapotheken gratis zur Verfügung. So gibt es in den
Krankenhäusern keine Einschränkung durch Vorgaben der Kassen bei den
Medikamenten. Rasch kann so mit der oft lebensrettenden Behandlung
begonnen werden. "Anders in unseren Kassenpraxen. Dort gelten andere
Verschreiberichtlinien als im Spital. Ärztinnen und Ärzte werden hier
zur "Rationierung" dessen eingesetzt, was man auf politischer Ebene
nie durchbringen würde. Und wir Ärztinnnen und Ärzte werden wie am
Beispiel der Medikamentenkosten dafür auch noch als Kostentreiber
dargestellt", so Ärztekammerpräsident Dr. Reisner weiter. "Liegt bei
der Weiterverordnung eines Medikaments aus dem Krankenhaus eine
chefärztliche Bewilligung vor, dürfen die daraus entstandenen Kosten
nicht dem verordnenden Arzt angelastet werden."

Chefarztpflicht kostet nur Zeit, die dann bei der Behandlung fehlt

So wird die Chefarztpflicht verbunden mit dem ABS
(Arzneimittel-Bewilligungs-System) zum Arzneimittel-Blockier-System.
"Wir Kassenärztinnen und -ärzte können die Ablehnung in aller Regel
aus medizinischer Sicht nicht akzeptieren und beginnen dem Chefarzt
zusätzliche Argumente und Befunde zukommen zu lassen, um doch noch
eine Bewilligung im Sinne der Patientinnen und Patienten auf
Kassenkosten zu erreichen. Nicht selten vergeblich. Dieses Hin und
Her findet während der Ordinationszeit statt. Kein Wunder, wenn es im
Warteraum zu rumoren beginnt. Mit der Schikane namens
"Chefarztpflicht" wird in unseren Praxen kostbare Zeit vergeudet, die
uns bei der Patientenzuwendung abgeht", so Dr. Geppert weiter.

Die Sozialversicherungen sind ihren Pflichtmitgliedern gegenüber
jedenfalls zur Bereitstellung medizinischer Leistungen und
Medikamente verpflichtet. Medikation wird ständig optimiert, daher
steigen Lebenserwartung und Lebensqualität. Das kostet natürlich
Geld. "Grundsätzlich ist für uns Ärztinnen und Ärzte jede
Einschränkung der Zugangsmöglichkeit zu moderner Medikation aus
humanitären Gründen abzulehnen. So bleibt für uns Kassenärztinnen und
-ärzte, trotz aller Schönfärberei der Funktionäre des Hauptverbands,
die bereits vor Jahren erhobene Forderung nach einer Abschaffung der
Chefarztpflicht aufrecht. Die bestehenden Finanzierungsprobleme des
Gesundheitswesens müssen endlich an der richtigen Stelle angepackt
werden", so Dr. Geppert abschließend.

Rückfragehinweis:
- Pressestelle, Michael Dihlmann, Tel. 0664/144 98 94, [email protected], www.arztnoe.at

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