Familienentwicklung in Österreich

Erste Ergebnisse des "Generations and Gender Survey (GGS) 2008/09 präsentiert

Wien (OTS) - Die demographischen Strukturen im europäischen Raum sind derzeit starken Veränderungen unterworfen. In den letzten Jahrzehnten war ein deutlicher Rückgang der Fertilitätsraten zu registrieren, was mit gleichzeitigem weiterem Ansteigen der Lebenserwartung zu einer Beschleunigung des Alterungsprozesses der Bevölkerungen führt. Das gesellschaftliche Interesse an der eigenen Entwicklung ist eine Voraussetzung für erfolgreiche Politik. Man kann nur auf Entwicklungen Einfluss nehmen, die man auch kennt und deren Determinanten man zu verstehen versucht. Dies gilt in besonderer Weise auch für Veränderungen in Familienbildungsprozessen und in den Beziehungen zwischen den Generationen und Geschlechtern. Der nun für Österreich vorliegende "Generations and Gender Survey (GGS)" fokussiert genau auf die empirische Erfassung dieser Veränderungen.

Der österreichische Teil der europaweit durchgeführten GGS-Studie wurde vom Vienna Institute of Demography (VID) der Österreichischen Akademie der Wissenschaften und dem Österreichischen Institut für Familienforschung (ÖIF) der Universität Wien gemeinsam geplant und vorbereitet. Die Befragung selbst wurde von der Statistik Austria durchgeführt. Die ersten Ergebnisse wurden von VID und ÖIF gemeinsam erarbeitet und werden nun erstmals der Öffentlichkeit vorgestellt.

Kinderwunsch der Österreicherinnen und Österreicher

Wie viele Kinder wünschen sich die Österreicherinnen und Österreicher? Geht man nach der im GGS angegebenen Zahl, so ist der Kinderwunsch der Befragten überraschend hoch und liegt bei Frauen bei knapp zwei Kindern. Diese Zahl errechnet sich aus den bereits geborenen und den noch gewünschten Kindern. Unter den befragten Männern zwischen 35 und 45 Jahren liegt die durchschnittlich gewünschte Kinderzahl noch über jener der Frauen, jüngere Männer hingegen möchten tendenziell weniger Kinder als gleichaltrige Frauen.

Sowohl Frauen wie Männer zeigen eine sehr starke Ausrichtung auf das Modell der Zwei-Kind-Familie, vor allem in jüngeren Jahren, in denen 60% der GGS-Befragten den Wunsch nach zwei Kindern angeben. Vergleichsweise wenige Befragte planen dagegen größere Familien:
Knapp ein Viertel der Männer und Frauen will drei oder mehr Kinder. Die während der letzten 30 Jahre in Österreich beobachteten niedrigen Fruchtbarkeitszahlen haben anscheinend keine Auswirkungen auf die vorherrschende Norm der Zwei-Kind-Familie, die hierzulande bei Männern und Frauen im fortpflanzungsfähigen Alter weiterhin fest verankert ist.

Kinderwunsch: Österreich in internationalen Vergleich

Ein Vergleich zu Frankreich, dessen Fertilitätsrate nur knapp unter dem Reproduktionsniveau liegt, lässt erkennen, dass vor allem der vergleichsweise hohe Kinderwunsch von Personen, die bereits Kinder haben, den entscheidenden Unterschied zu Ländern mit geringer Fertilität ausmachen: Französinnen mit einem Kind möchten durchschnittlich noch 1,6 Kinder (Österreich 0,7), Französinnen mit zwei Kindern nach wie vor 1,4 (Österreich 0,2). Der internationale Vergleich lässt auch erkennen, dass in Österreich die subjektive Realisierungserwartung des Kinderwunschs weit geringer ausfällt als in Frankreich aber auch in Deutschland.

Kinderlosigkeit: gewollt und nicht gewollt

In Österreich werden etwa 20% der heute 40-jährigen Frauen kinderlos bleiben. Ist diese relativ hohe Kinderlosigkeit in Österreich gewollt? Laut aktuellen GGS-Daten bleibt rund ein Zehntel der Frauen mehr oder minder aus eigener Entscheidung kinderlos, ein weiteres Zehntel wächst in die Kinderlosigkeit hinein, ohne es so gewollt zu haben - infolge von konkurrierenden Verpflichtungen und Interessen, ungünstigen Lebensumständen, dem Fehlen eines passenden Partners und häufig auch von Unfruchtbarkeit, die sich aus dem zu langen Aufschieben des Kinderwunsches ergeben hat.

Zwei interessante Beobachtungen ergeben sich im Zuge der Analysen von Kinderlosen im aktuellen GGS-Datensatz für Österreich. Erstens erwarten wesentlich weniger Männer als Frauen, kinderlos zu bleiben. Zweitens stehen viele Befragte im "Wettlauf gegen die Zeit". In der Gruppe der 40 bis 45-Jährigen, in der etwa die Hälfte aller Frauen kein Kind mehr bekommen kann, bekunden fast 30% der kinderlosen Frauen und sogar 60% der kinderlosen Männer die Absicht, in Zukunft ein Kind haben zu wollen. Vor allem bei den Frauen über 40 besteht eine geringe Wahrscheinlichkeit, dass sich ihre Absichten auch verwirklichen lassen, ihre Kinderlosigkeit wird unfreiwillig sein.

Informationen zum Download: www.ggp-austria.at

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