- 18.12.2009, 17:43:03
- /
- OTS0288 OTW0288
"Pille danach": Heftiige Kritik...(2)
Stephanie Merckens: "Komplett falsch"
Die "Pille danach" ist ab sofort in Österreichs Apotheken rezeptfrei
erhältlich. Der entsprechende Bescheid sei am Donnerstag vom
Bundesamt für Sicherheit im Gesundheitswesen ausgestellt worden,
teilte eine Sprecherin des Gesundheitsministeriums der "Austria
Presse Agentur" (APA) am Freitag mit. Konkret freigegeben wurde
demnach nicht der Wirkstoff an sich, sondern ein entsprechendes
Präparat mit dem Namen "Vikela".
Damit verschließt Gesundheitsminister Stöger nach den Worten der
Lebensschutzbeauftragten der Erzdiözese Wien, Stephanie Merckens,
die Augen vor einem gravierenden und kirchlicherseits immer wieder
vorgebrachten Einwand gegen die "Pille danach": nämlich auf deren
abtreibende Wirkung. Wer diese leugne, gehe offenbar davon aus, dass
eine Schwangerschaft erst mit der Einnistung ("Nidation") des
Embryos beginnt. "Wissenschaftlich ist aber klar, dass bereits ab
der Verschmelzung von Ei- und Samenzelle ein neuer Mensch entstanden
ist", stellte Stephanie Merckens klar. Wer verhindere, dass sich
dieses neue menschliche Wesen in der Gebärmutter einnisten kann,
beende dessen Leben.
"Es tut weh, wie hier aus ideologischen Gründen falsch informiert
wird und selbst Warnungen der Ärztekammer in den Wind geschlagen
werden", so Stephanie Merckens weiter. Die Entscheidung von
Gesundheitsminister Stöger sei "furchtbar traurig und komplett
falsch".
Auch die Hoffnung auf weniger Abtreibungen als Folge der
rezeptfreien "Pille danach" kann die Lebensschutzbeauftragte nicht
teilen. Zum einen fehle in Österreich jedwedes Datenmaterial
darüber, wie viele Abtreibungen es wirklich gibt sowie der Wille,
die Fakten zu erheben. "Zum anderen brauchen wir uns nichts
vormachen", so Merckens weiter, "die 'Pille danach' ist ein Baustein
mehr, der fälschlicherweise suggeriert, dass Sex nichts mit
Kinderkriegen zu tun hat". Verantwortung schaue anders aus, und
Liebe schon gar, sagte Stephanie Merckens.
"Armutszeugnis für die Gesundheitspolitik"
Als "Armutszeugnis für die Gesundheitspolitik" wertete die "Aktion
Leben" den Bundesamtsbescheid. "Wir sind bestürzt, dass der Politik
zur Prävention ungewollter Schwangerschaften nichts Besseres
einfällt, als die 'Pille danach' rezeptfrei abzugeben", erklärte
Generalsekretärin Martina Kronthaler. Die "Pille danach" sei mit
gutem Grund bislang rezeptpflichtig gewesen.
Die "Pille danach" ist laut Kronthaler "keine Bagatelle", sondern
ein Hormonpräparat mit erheblicher Dosierung, das unter ärztliche
Aufsicht gehört: "Es ist verantwortungslos gegenüber Frauen, die
Warnung der Österreichischen Ärztekammer vor der rezeptfreien Abgabe
einfach zu ignorieren".
Die ethische Frage nach einer möglichen Frühabtreibung müsse sich
jede Frau bzw. jedes Paar selbst stellen, betonte Kronthaler: "Der
Gesundheitsminister aber muss sich fragen lassen, ob er sich nicht
aus seiner Verantwortung für die körperliche und seelische
Gesundheit vor allem junger Menschen stiehlt".
Durch die rezeptfreie Abgabe werde ein mechanistisches Weltbild
vermittelt, das jungen Menschen keinerlei Orientierung bietet, um
Sexualität in Liebe und Beziehung leben zu lernen. Die Maßnahme
könne im Gegenteil den Druck auf Mädchen erhöhen, sexuelle Wünsche
umgehend zu erfüllen, und untergrabe die Bemühungen um eine
partnerschaftliche Verhütung. Die Rezeptfreiheit der "Pille danach"
sei somit eine "billige Antwort auf die Versäumnisse der schulischen
Sexualerziehung und Aufklärungsarbeit", kritisierte Martina
Kronthaler.
Die "Aktion Leben" fordere eine umfassende wertorientierte
Sexualerziehung, die den liebenden und Beziehung suchenden Menschen
in den Mittelpunkt stellt, sowie individuelle Hilfen für jene, die
sich auch zu einem ungeplanten Kind bekennen", erklärte Kronthaler.
Ärzte: Massiver Eingriff in Hormonhaushalt
Nachdem Frauenministerin Gabriele Heinisch-Hosek und
Gesundheitsminister Alois Stöger vor einigen Wochen einen neuen
Vorstoß zur rezeptfreien Abgabe der "Pille danach" angekündigt
hatten, war deutlicher Protest von kirchlicher Seite, aber auch aus
der Ärztekammer laut geworden. Das Medikament greife "massiv in den
weiblichen Hormonhaushalt" ein, begründete etwa der Bundessprecher
der Fachgruppe Gynäkologie und Geburtshilfe, Gerhard Hochmaier, die
strenge Rezeptpflicht.
Die österreichischen Bischöfe hatten bei ihrer jüngsten
Vollversammlung an die Politik appelliert, Schritte zu einem
umfassenden Lebensschutz zu setzen, anstatt die rezeptfreie Abgabe
der "Pille danach" zu ermöglichen. Die Aufhebung der Rezeptpflicht
verursache "eine Verlagerung der Maßnahmen zur Geburtenregelung von
der Vorbeugung zur nachträglichen Verhinderung bzw. Frühabtreibung",
warnte auch der Katholische Laienrat Österreichs (KLRÖ).
(forts. mgl.)
nnnn
OTS-ORIGINALTEXT PRESSEAUSSENDUNG UNTER AUSSCHLIESSLICHER INHALTLICHER VERANTWORTUNG DES AUSSENDERS - WWW.OTS.AT | KAT






