• 17.12.2009, 10:43:52
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NÖ Ärztekammer solidarisch mit den Anliegen der Studenten

Wie an den Unis, so im Gesundheitssystem - Sparen am falschen Ort - Staat gefährdet Qualität künftiger Ärzte

Wien (OTS) - Die niederösterreichische Ärztekammer erklärte sich
heute ausdrücklich solidarisch mit den berechtigten Anliegen der
protestierenden Studenten. "Wir unterstützen dabei nicht die
radikalen Radaumacher unter den Hörsaalbesetzern, wohl aber jene, die
für angemessene Studienbedingungen an Österreichs Unis kämpfen", so
der Präsident der NÖ Ärztekammer Dr. Christoph Reisner. "Damit
kämpfen sie nämlich zugleich für den künftigen Status Österreichs in
der globalisierten Welt und nicht zuletzt für die Qualität der
künftigen Gesundheitsversorgung unseres Landes, die mit der Qualität
der Ausbildung unserer Ärztinnen und Ärzte steht und fällt."

Parallele Fehlentwicklungen an den Unis und im Gesundheitssystem:
Sparen bei wichtigsten Aufgaben

"An den Universitäten Österreichs laufen dieselben
Fehlentwicklungen wie im Gesundheitssystem", ergänzt Dr. Ronald
Gallob, Kurienobmann der angestellten Ärztinnen und Ärzte der NÖ
Ärztekammer. "Beiden Bereiche hat der Staat Aufgaben übertragen, die
zu den wichtigsten unserer Gesellschaft gehören - hier Bildung und
Ausbildung unserer Jugend, da die Gesundheitsversorgung unserer
Bürgerinnen und Bürger - verweigert jedoch die Mittel, die zu ihrer
Erfüllung nötig sind. Die Proteste der Studenten sind ein
wunderbares, kraftvolles Lebenszeichen des 'Immunsystems' unserer
Gesellschaft, ein Alarmsignal, auf das - so wie in Deutschland -
gehört werden sollte, bevor die Schäden nicht mehr gutzumachen sind."

Immer schlechtere Arbeitsbedingungen; Ausgabeprioritäten in
Schieflage

Der Gleichklang der Situation der Hochschullehrer und der Ärzte
(nicht wenige sind beides in Personalunion) ist unübersehbar. "Die
Arbeitsbedingungen werden immer schlechter. So wie ein Arzt immer
mehr Patienten, muss ein Hochschullehrer immer mehr Studenten
betreuen", so Dr. Ronald Gallob weiter. "Die reflexartige Begründung
'Geldmangel' kann ich dabei nicht gelten lassen. Wenn das
Finanzsystem zusammenzubrechen droht, ist der Staat sehr wohl in der
Lage, in kürzester Zeit 100 Milliarden Euro an notleidende Banken zu
verleihen, die er - siehe Hypo Alpe Adria - keineswegs in allen
Fällen zurückerhalten wird. Dieser Einsatz war auch nötig. Nicht
weniger notwendig ist es jedoch, unsere Universitäten ausreichend zu
dotieren. Wenn der Republik nämlich andererseits alle 18 staatlichen
Universitäten zusammen nur beschämende 2,5 Milliarden Euro jährlich
wert sind, spielen wir mit unserer Zukunft und sparen mit unseren -
verfügbaren! - Ressourcen dort, wo sie für die nachhaltige
Wettbewerbsfähigkeit unserer Jugend dringend investiert werden
müssten. Ganz ähnliche Missverhältnisse finden wir im
Gesundheitssystem: Für neue Spitalsbauten sind Milliarden verfügbar,
doch am Personal, das sie betreiben soll, wird gespart."

Qualität der Ärzteausbildung in Gefahr

"Unter diesen Umständen bangen wir auch um die Qualität der
Medizinstudien in unserem Land und damit um die Qualifikation der
Ärztinnen und Ärzte kommender Generationen", hebt Präsident Dr.
Reisner hervor. "Ein Ausbildungssystem, das den künftigen
Hauptverantwortlichen für die Gesundheit der Menschen in unserem Land
viel zu wenige Lehrkräfte, Übungs- und Praktikumsplätze zur Verfügung
stellt, und das seit der 'Reform von Bologna' auch derart verschult
ist, dass Studentinnen und Studenten selbständiges Denken und
Urteilsvermögen dadurch geradezu ausgetrieben wird, ist schwerlich in
der Lage, Ärztinnen und Ärzte jener Qualität hervorzubringen, von
denen ich behandelt werden möchte."

Heimische Unis sacken im Ranking ab; berechtigte Studentenforderungen
gegen Reputationsverlust

"Die Summe dieser Missstände zeigt sich bereits deutlich in den
internationalen Hochschulrankings", verweist Kurienobmann Dr. Gallob
auf bedrohliche Fakten. "Die Uni Wien verlor von 2007 auf 2009 47
Plätze und rangiert weltweit nur mehr auf Rang 132; Wiens
Medizinische Universität, einst eine der angesehensten überhaupt,
liegt nur mehr unter den Top 300. Es ist ein gutes Zeichen einer
funktionierenden Demokratie, wenn die Studenten, deren Reputation und
Chancen am Arbeitsmarkt darunter leiden, sich dagegen mit ihren
Mitteln zur Wehr setzen. Wir solidarisieren uns nicht mit Anarchie,
jedoch mit jeder konstruktiven Forderung nach Verbesserung!"

Rückfragehinweis:
Ärztekammer Niederösterreich - Pressestelle, Michael Dihlmann
Tel. 0664/144 98 94, [email protected], www.arztnoe.at

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