NÖ Ärztekammer solidarisch mit den Anliegen der Studenten

Wie an den Unis, so im Gesundheitssystem - Sparen am falschen Ort - Staat gefährdet Qualität künftiger Ärzte

Wien (OTS) - Die niederösterreichische Ärztekammer erklärte sich heute ausdrücklich solidarisch mit den berechtigten Anliegen der protestierenden Studenten. "Wir unterstützen dabei nicht die radikalen Radaumacher unter den Hörsaalbesetzern, wohl aber jene, die für angemessene Studienbedingungen an Österreichs Unis kämpfen", so der Präsident der NÖ Ärztekammer Dr. Christoph Reisner. "Damit kämpfen sie nämlich zugleich für den künftigen Status Österreichs in der globalisierten Welt und nicht zuletzt für die Qualität der künftigen Gesundheitsversorgung unseres Landes, die mit der Qualität der Ausbildung unserer Ärztinnen und Ärzte steht und fällt."

Parallele Fehlentwicklungen an den Unis und im Gesundheitssystem:
Sparen bei wichtigsten Aufgaben

"An den Universitäten Österreichs laufen dieselben Fehlentwicklungen wie im Gesundheitssystem", ergänzt Dr. Ronald Gallob, Kurienobmann der angestellten Ärztinnen und Ärzte der NÖ Ärztekammer. "Beiden Bereiche hat der Staat Aufgaben übertragen, die zu den wichtigsten unserer Gesellschaft gehören - hier Bildung und Ausbildung unserer Jugend, da die Gesundheitsversorgung unserer Bürgerinnen und Bürger - verweigert jedoch die Mittel, die zu ihrer Erfüllung nötig sind. Die Proteste der Studenten sind ein wunderbares, kraftvolles Lebenszeichen des 'Immunsystems' unserer Gesellschaft, ein Alarmsignal, auf das - so wie in Deutschland -gehört werden sollte, bevor die Schäden nicht mehr gutzumachen sind."

Immer schlechtere Arbeitsbedingungen; Ausgabeprioritäten in Schieflage

Der Gleichklang der Situation der Hochschullehrer und der Ärzte (nicht wenige sind beides in Personalunion) ist unübersehbar. "Die Arbeitsbedingungen werden immer schlechter. So wie ein Arzt immer mehr Patienten, muss ein Hochschullehrer immer mehr Studenten betreuen", so Dr. Ronald Gallob weiter. "Die reflexartige Begründung 'Geldmangel' kann ich dabei nicht gelten lassen. Wenn das Finanzsystem zusammenzubrechen droht, ist der Staat sehr wohl in der Lage, in kürzester Zeit 100 Milliarden Euro an notleidende Banken zu verleihen, die er - siehe Hypo Alpe Adria - keineswegs in allen Fällen zurückerhalten wird. Dieser Einsatz war auch nötig. Nicht weniger notwendig ist es jedoch, unsere Universitäten ausreichend zu dotieren. Wenn der Republik nämlich andererseits alle 18 staatlichen Universitäten zusammen nur beschämende 2,5 Milliarden Euro jährlich wert sind, spielen wir mit unserer Zukunft und sparen mit unseren -verfügbaren! - Ressourcen dort, wo sie für die nachhaltige Wettbewerbsfähigkeit unserer Jugend dringend investiert werden müssten. Ganz ähnliche Missverhältnisse finden wir im Gesundheitssystem: Für neue Spitalsbauten sind Milliarden verfügbar, doch am Personal, das sie betreiben soll, wird gespart."

Qualität der Ärzteausbildung in Gefahr

"Unter diesen Umständen bangen wir auch um die Qualität der Medizinstudien in unserem Land und damit um die Qualifikation der Ärztinnen und Ärzte kommender Generationen", hebt Präsident Dr. Reisner hervor. "Ein Ausbildungssystem, das den künftigen Hauptverantwortlichen für die Gesundheit der Menschen in unserem Land viel zu wenige Lehrkräfte, Übungs- und Praktikumsplätze zur Verfügung stellt, und das seit der 'Reform von Bologna' auch derart verschult ist, dass Studentinnen und Studenten selbständiges Denken und Urteilsvermögen dadurch geradezu ausgetrieben wird, ist schwerlich in der Lage, Ärztinnen und Ärzte jener Qualität hervorzubringen, von denen ich behandelt werden möchte."

Heimische Unis sacken im Ranking ab; berechtigte Studentenforderungen gegen Reputationsverlust

"Die Summe dieser Missstände zeigt sich bereits deutlich in den internationalen Hochschulrankings", verweist Kurienobmann Dr. Gallob auf bedrohliche Fakten. "Die Uni Wien verlor von 2007 auf 2009 47 Plätze und rangiert weltweit nur mehr auf Rang 132; Wiens Medizinische Universität, einst eine der angesehensten überhaupt, liegt nur mehr unter den Top 300. Es ist ein gutes Zeichen einer funktionierenden Demokratie, wenn die Studenten, deren Reputation und Chancen am Arbeitsmarkt darunter leiden, sich dagegen mit ihren Mitteln zur Wehr setzen. Wir solidarisieren uns nicht mit Anarchie, jedoch mit jeder konstruktiven Forderung nach Verbesserung!"

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