Wiener Zeitung: Leitartikel von Reinhard Göweil: "Scheuch müsste man sein"

Ausgabe vom 16. Dezember 2009

Wien (OTS) - Die Audimax-Besetzer, so sympathisch ihre Ziele sind, müssen sich eingestehen: Die Besetzung der Hörsäle, die Proteste und Demonstrationen waren ein Misserfolg.

Sie konnten zwar Geld aus dem Budget loseisen, aber dieses Geld war bereits da - als Reserve vorgesehen. Zusätzliches Geld gab es nicht für die Universitäten. Wohin der Bildungsdialog führen wird, weiß derzeit niemand.

Da waren sogar die Beamten erfolgreicher. Ein paar Verhandlungsrunden mit der Regierung haben gereicht, um zirka 60 Millionen Euro herauszureißen, die im Budget nicht vorgesehen waren.
Am erfolgreichsten aber waren die Kärntner: Sie haben es geschafft, eine heruntergewirtschaftete Bank dem Bund anzudrehen, und der hat dafür gleich ein paar hundert Millionen bereitgestellt.

Die gut organisierte, mit klaren gesellschaftlichen Zielen ausgestattete Protestbewegung an den Universitäten stinkt dagegen völlig ab.

Vielleicht hätten die Audimax-Besetzer den Kärntner BZÖler Uwe Scheuch als Sprecher engagieren sollen. Er forderte gestern keck, dass nun Schluss mit der Kritik an Kärnten sein müsse. Die Rettung der Hypo war doch eine kolossale Leistung. Nun, die Bank in ein solches Desaster laufen zu lassen, war die noch kolossalere Leistung. Die Audimax-Besetzer werden sich ihren Teil denken. Sie sind nun -allein durch ihre organisatorische Leistung - echte "High Potentials". Es wäre für sie lukrativer, wenn sie eine Bank gründen würden und lauthals gegen die Begrenzung ihrer dann üppigen Managergehältern protestieren würden. Da hätte nicht ein im Abgang befindlicher Wissenschaftsminister aus der bestehenden Reserve Geld lockergemacht, sondern der Finanzminister hätte aus der prall gefüllten Schatulle des Bankenpakets gleich ins Volle gegriffen.

Die Audimax-Besetzer haben in den vergangenen Tagen eines gelernt:
Banken sind systemrelevant, Universitäten sind es nicht. Scheuchs Unverschämtheit bringt wesentlich mehr als die mutige Formulierung gesellschaftlicher Ziele.

Also, auf zum Lichtermeer zur Verteidigung von Gier, Arroganz und übler Freunderlwirtschaft. Es werden nicht so viele Leute kommen, bringt aber viel mehr in Cash . . .

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