• 10.12.2009, 10:03:29
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Menschenrechtspreis des Landes Kärnten vergeben

LH Dörfler zeichnete Schwester Johanna Schwab und Gerlinde Wrießnegger aus - Jeder Mensch hat ein Recht auf Chancen

Klagenfurt (OTS/LPD) - Schwester Johanna Schwab und Gerlinde
Wrießnegger wurden gestern, Mittwoch, am Abend von Landeshauptmann
Gerhard Dörfler mit dem Menschenrechtspreis des Landes Kärnten
ausgezeichnet. Auf einstimmigen Juryentscheid wurden der Preis und
die insgesamt 8.000 Euro Preisgeld zwischen den beiden Frauen
aufgeteilt. Schwester Johanna wurde für ihr soziales Engagement, vor
allem für die Menschen im Kosovo, geehrt und Wrießnegger für ihren
Einsatz um bessere Bildung für gehörlose Menschen.

"Jeder Mensch hat ein Recht auf Chancen", betonte der
Landeshauptmann. Er appellierte für das Zusammenhalten, Verstehen und
Teilen sowie dafür, Menschenrechte alltäglich zu leben. Dörfler
meinte auch, dass die aktuelle Wirtschaftskrise als Chance für mehr
Miteinander sowie weniger an Gier, Tempo und Wegschauen verstanden
werden sollte. Er dankte Schwester Johanna, die mit ihrer
Herzlichkeit und Überzeugungskraft so viele Möglichkeiten für die
Menschen schaffe: "Auch wir wollen ihre Ziele der Menschlichkeit, des
Helfens und Zusammenlebens weiter verfolgen." Wrießnegger wurde vom
Landeshauptmann dafür bedankt, gehörlosen Menschen Würde und
Bildungsmöglichkeiten zu geben.

Schwester Johanna erzählte von einigen berührenden Erlebnissen im
Kosovo, wo sie mit Unterstützung des Bundesheeres, des Kärntner
Landesschulrates und der Kärntner HTLs den Menschen mit dem Bau von
Brunnen, Häusern oder Schulen sowie Bildungsinitiativen hilft. "Der
Kosovo ist nicht auf einem anderen Kontinent", machte sie auf die
Nähe zu diesem von Armut geprägten Land aufmerksam. Sie berichtete
vom Lerneifer der Kinder im ehemaligen Kriegsgebiet, die sich alle
untereinander sehr gut verstehen würden. So setze sich die von ihr
gegründete Kinderfußballmannschaft aus sechs verschiedenen Ethnien
zusammen.

Wrießnegger, die selbst von Geburt an gehörlos ist, ist Obfrau
des Kärntner Landesverbandes der Gehörlosenvereine. Sie hielt ihre
Dankesrede in Gebärdensprache. Diese sei eine vollwertige Sprache wie
Englisch, Italienisch oder Französisch, betonte Wrießnegger. Sie
machte deutlich, wie schwer es Gehörlose haben, bessere Bildung zu
erlangen, oder ihre Bedürfnisse auszudrücken. Seit nunmehr 20 Jahren
kämpft Wrießnegger für das Menschenrecht auf bessere Bildung für
Gehörlose und hat dafür 1996 das erste Gehörlosenbildungszentrum
Österreichs gegründet. Ihre weiteren Ziele sind eine
Gehörlosenambulanz, in der Betroffene mit Ärzten und Psychologen
direkt und ohne Dolmetsch sprechen können, sowie eine
Dolmetschzentrale.

Die Laudatio für Schwester Johanna hielt Brigadier Thomas
Starlinger. Johanna sei bei den Soldaten im Kosovo bekannter als der
kommandierende General, sagte er launig. Er beschrieb sie als
liebevolle aber beinharte Geschäftsfrau mit viel Überzeugungskraft.
Bei seinem allerersten Telefonat mit der Ordensfrau habe er sich
gedacht: "Hat jetzt die Kirche bei uns das Kommando übernommen?"
Schwester Johanna hat laut Starlinger seit 2003 insgesamt 650.000
Euro für ihre Projekte im Kosovo gesammelt. Sie gebe der Bevölkerung
dort Starthilfe, versuche Konflikte zu beheben und das friedliche
Zusammenleben zu fördern. "Unser lebhafter Wirbelsturm wird noch viel
Gutes tun", ist sich der Brigadier sicher.

Laudatoren für Gerlinde Wrießnegger waren Anita Pirker und
Christian Hausch. Die beiden berichteten in Gebärdensprache von
Wrießneggers großer Freude am Unterrichten und davon, wie sie alte
oder alleinstehende gehörlose Menschen besucht, um sie zu
unterstützen und mit ihnen zu kommunizieren. Auch Wrießneggers
ehrenamtliche Tätigkeiten in verschiedenen Gehörloseninitiativen
wurden skizziert. Pirker und Hausch zeigten außerdem im Laufe der
Preisverleihungsfeier Gebärdensprachenpoesie.

Die Vorsitzende der Menschenrechtspreis-Jury, Larissa Krainer,
sagte, dass die Wirtschaftskrise auch eine Krise der Menschenrechte
sei. Die zunehmende Armut habe in der Welt Gewalt, Unterdrückung,
Fremdenfeindlichkeit und Rassismus verstärkt. Kärnten hingegen
investiere in die Menschenrechte und dieses Geld sei gut investiert,
sagte Krainer, die auf den Internationalen Tag der Menschenrechte
(heute, 10. Dezember) hinwies.

Die gesamte Feier zur Verleihung des Kärntner
Menschenrechtspreises wurde in Gebärdensprache übersetzt. Anwesend
waren auch der dritte Landtagspräsident Johann Gallo, LR Peter
Kaiser, die Landtagsabgeordneten Barbara Lesjak und Ines
Obex-Mischitz, Superintendent Manfred Sauer, Prälat Michael Kristof
und der geschäftsführende Leiter der Landesamtsdirektion, Dieter
Platzer.

Das Land Kärnten vergibt den Menschenrechtspreis seit 1994. In
bisher 16 Verleihungen wurden insgesamt 26 Preisträger für ihre
herausragenden Leistungen im Sinne der Menschenrechtsarbeit
ausgezeichnet. Als Jury fungiert der 1994 von der Landesregierung
eingesetzte "kirchlich-politische Menschenrechtsbeirat", dem
Vertreter der katholischen, evangelischen und altkatholischen Kirche,
der Kärntner Parteien und von amnesty international Kärnten
(ai-Kärnten) angehören.
(Schluss)

Rückfragehinweis:
Kärntner Landesregierung, Landespressedienst
Tel.: 05- 0536-22 852
http://www.ktn.gv.at

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